Gladiators Trier: Kommt der Erfolg durch die Würgeschlange?

Gladiators Trier: Kommt der Erfolg durch die Würgeschlange?

Den ersten Saisonsieg hat Basketball-Zweitligist Römerstrom Gladiators Trier in der Tasche. Nach dem 83:76 bei den Rheinstars Köln schmerzt Simon Schmitz der Fuß, macht eine Schlange die Runde und erklärt Marco van den Berg den Erfolg.

Sie lassen nicht mehr locker. Im Gegenteil: Atmet die Beute aus, verengen sie ihre Körperschlinge so lange, bis nichts mehr geht, bis der Beute die Lichter ausgehen. Würgeschlangen sind eiskalte Jäger, sie rauben ihren Opfern den Atem. Simon Schmitz kennt sich aus mit diesen Tieren. Er weiß einiges über ihr Verhalten. Der 26-Jährige fängt an zu lachen, als er am Montag darauf angesprochen wird. "Ja", sagt der Aufbauspieler von Basketball-Zweitligist Gladiators Trier, "die Trierer Würgeschlange hat am Sonntag zugeschlagen". Würgeschlange - das ist für Schmitz & Co. das Synonym für den von Trainer Marco van den Berg vorgegebenen Spielstil. "Wir wollen von Beginn an den Druck auf den Gegner erhöhen, ihn durch unsere aggressive Verteidigung immer weiter zermürben und dann am Ende endgültig zuschlagen." Wie sich das anfühlt, haben am Sonntagabend die Rheinstars Köln beim Liga-Auftakt in der Kölner LanxessArena leidlich erfahren müssen. Bis kurz vor Schluss lagen die Kölner in Führung, schraubten den Vorsprung zeitweise auf bis zu neun Punkte nach oben (18:27). Doch Trier ließ sich nie abschütteln, hielt den Anschluss und schlug dann im letzten Viertel eiskalt zu. Angeführt vom gut aufgelegten Sebastian Herrera (15 Punkte/zwei Assists/fünf Rebounds) drehten die Gladiatoren das Spiel und gewannen am Ende verdient bei den favorisierten Kölnern mit 83:76. "Ja, den Kölnern haben wir ganz ordentlich die Show zerstört", scherzt Herrera am Montag. Der 18-Jährige hatte vor dem Wochenende noch an einer Erkältung laboriert, spielte am Samstag mit der zweiten Mannschaft und legte am Sonntag eine echte Sahne-Leistung aufs Kölner Parkett. "Ich war am Ende ganz schön platt", gesteht der gebürtige Chilene, "aber nach dem ich in meinem ersten ProA-Jahr viel Erfahrung gesammelt habe, will ich in diesem Jahr etwas zeigen, ich habe mir viel vorgenommen". Trainer van den Berg lobt das Talent in den höchsten Tönen. "Er ist unglaublich wichtig für uns und auch defensiv noch so viel besser geworden."
Der Auftaktsieg in Köln habe ihn zwar noch nicht in Jubelstimmung versetzt, wie der Niederländer betont, doch was er gesehen habe, sei schon gut gewesen. "Man sieht, dass es die Jungs lieben, zusammenzuspielen. Und wenn man etwas mit Liebe macht, dann wird es meistens gut - das weiß man ja." Stark sei gewesen, dass seine Gladiatoren es geschafft hätten, 30 Mal durch Fouls an die Freiwurflinie zu kommen. "Schlecht war allerdings, dass wir von diesen 30 Freiwürfen nur 18 verwandelt haben." Aber, so der Niederländer, das habe mit Nervosität der jungen Spieler zu tun. "Für viele sind diese Drucksituationen neu, sie müssen sich erst daran gewöhnen." Einer, der solche Drucksituationen seit Langem kennt, ist Kapitän Schmitz. Der frühere Bundesligaspieler knickte in der zweiten Halbzeit gegen die Rheinstars um und musste vom Feld. "Ein paar Minuten später habe ich es dann noch mal versucht, aber es ging nicht."
Am Montag geht's für Schmitz daher zur MRT-Untersuchung, doch schon bald darauf gibt der Kapitän Entwarnung. "Es ist nichts Schlimmes, der Schmerz ist schon deutlich zurückgegangen. Ich rechne fest damit, dass ich in dieser Woche wieder ins Training einsteigen kann."
Wann der niederländische Testspieler Joey van Zegeren erstmals für die Gladiators auflaufen wird, ist derweil noch immer nicht sicher. Mitte der Woche soll es in diesem Fall eine Entscheidung geben.