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Basketball-Profi Garai Zeeb soll Gladiators Trier anführen

Aufbauspieler im Porträt : Neuer Gladiator Garai Zeeb: Bereit für eine Hauptrolle

Alles hört auf sein Kommando: Neuzugang Garai Zeeb (24) wird bei den Römerstrom Gladiators eine zentrale Rolle spielen. Was die Aufgabe für den Bundesliga-erfahrenen Aufbauspieler so spannend macht, wie er seine Teamkollegen charakterisiert und warum sein Vater aktuell viele Interviews geben muss.

Mit welchen Ambitionen die Römerstrom Gladiators in die neue Saison gehen, die für sie am Samstagabend in Bremerhaven beginnt? Die Playoffs erreichen! Da sind sich Trainer und Management einig, das ist sozusagen die offizielle Sprachregelung. Vom Aufstieg spricht niemand. Dafür war die letzte Saison zu frustrierend – und auch die Vorbereitung verlief mit vielen Verletzten nicht nach Plan.

Dass das Team von Cheftrainer Marco van den Berg aber auch ganz oben mitspielen könnte, das lässt sich besonders an der Verpflichtung eines Spielers ablesen. An der von Garai Zeeb, dem neuen Starter auf der Point-Guard-Position: Tempomacher, Ballverteiler, Kämpfer und Defensivspezialist. Der 24-Jährige hat in bisher 114 Bundesliga-Spielen einiges an Erfahrung gesammelt – in Frankfurt und Braunschweig war der ehemalige U20-Nationalspieler vor allem als Defensivspezialist gefragt. Er kam von der Bank, brachte Intensität rein, auch Lautstärke. Mal für acht, mal zwölf, mal 20 Minuten. Wie es der Spielverlauf erforderte. Garai – der Spezialist, der Mann für bestimmte Phasen, der perfekte Nebendarsteller.

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. Foto: TV

Aufbauspieler Garai Zeeb: „Wir alle sind heiß auf den Start.“

Das ist nun anders. Deswegen ist er in Trier. Eine Liga tiefer, aber dafür in einer Hauptrolle. „Ich freue mich total auf die Saison“, sagt er. „Wir alle sind heiß auf den Start.“ Die Philosophie von Cheftrainer Marco van den Berg hat er verinnerlicht: hart spielen, hart verteidigen, schnell sein und athletisch – und nie das Team sein, dem am Ende zuerst die Puste ausgeht. „Die Vorbereitung war sehr anstrengend, sehr hart – zumal einige Spieler gefehlt haben.“

Die Trierer starten auswärts, vor wohl bis zu 2000 Zuschauern in Bremerhaven – Garai Zeeb wird aber etwas Unterstützung dabei haben. Es ist auch eine Rückkehr für ihn. „Ich habe sieben Tickets für meine Familie besorgt“, sagt der Aufbauspieler. Seine Eltern leben seit zwölf Jahren in Bremen. In Bremerhaven spielte Garai in der Jugend, dort schaffte er es auch als 17-Jähriger in den Bundesliga-Kader der Eisbären. „Ich habe dort viel trainiert – aber noch wenig gespielt“, sagt er.

Vater Hajo Zeeb ist Epidemiologie-Professor an der Universität Bremen

Zuvor hatte er mit seiner Familie einige Umzüge mitgemacht. Geboren wurde er in Leimen, in der Kindheit lebte er vier Jahre in Bielefeld, ein Jahr in Genf, dann vier Jahre in Mainz – als er zwölf war, zogen die Zeebs dann nach Bremen. Sein Vater ist aktuell ein besonders gefragter Experte: Hajo Zeeb ist Epidemiologie-Professor an der Universität Bremen.

Dass Garai Profi-Sportler wurde, daran haben seine Eltern ihren Anteil. „Ich habe mit sieben angefangen. Basketball war Familiensport, wir hatten einen Korb und ein Fußballtor im Garten. Ich war im Fußball ähnlich gut wie im Basketball“, erzählt er. Dann hatte ihn sein Fußballtrainer in Mainz mit 12 vor die Wahl gestellt: Basketball oder Fußball. „Er ist wohl davon ausgegangen, dass ich mich für Fußball entscheiden würde – wir waren erfolgreich. Ich war Stammspieler in der höchsten Junioren-Spielklasse.“

Nach den erfolgreichen letzten Vorbereitungsspielen mit den Gladiators ist Zeeb nun gespannt auf den Saisonstart. Seine Rolle definiert er so. „Ich möchte einer der besten Defensivspieler der Liga sein. Das ist ein Standard, den ich erfüllen muss.“ In der Offensive trägt der 1,87-Meter-Mann eine größere Verantwortung als in der BBL. Er müsse das Team leiten, das System lesen, auch selbst scoren. Gefahr ausstrahlen, mit viel Energie spielen – die Liste ist lang. Hart für den Erfolg arbeiten, das ist seine Devise. „Das Scoren ist bisher nicht meine größte Stärke, da will ich noch effizienter werden. Ich muss auch noch besser erkennen, wann ich das Tempo herausnehme und wann ich es anziehe.“

In den letzten beiden Testspielen erzielte Zeeb 20 und 25 Punkte, er war Topscorer, relativiert aber: „Ich habe auch viele Würfe genommen.“

Als Trier 2015 aus der Basketball-Bundesliga abstieg, ging Karriere des Point Guards gerade erst los. So wird das Heimspiel am 25. September gegen Paderborn sein erster Pflichtspiel-Einsatz in der Arena sein. „Ich fand Trier als Club früher schon immer sehr sympathisch – das fing schon mit den grünen Trikots an, die sonst kein anderes Team so hat.“ Auch die Pro A wird eine ziemlich neue Erfahrung für ihn – auch wenn er für Cuxhaven als junger Spieler ein paar Einsätze in der Liga hatte. Sein Ziel in dieser Saison mit dem Team: Die Playoffs erreichen, so viele Spiele wie möglich gewinnen. Und dann mal schauen, wo das hinführt.

Sein Vorname hat afrikanische Wurzeln, er stammt aus der Sprache der Shona in Zimbabwe und bedeutet in etwa „geh nicht weg, bleib hier“. Gut möglich, dass das auch mal die Gladiators-Fans wörtlich nehmen.

Im TV stellt Garai Zeeb, der neue Aufbauspieler der Gladiators, den Zweitliga-Kader 2021/22 vor – was er über seine neuen Kollegen sagt: 

Derrick Gordon (Neuzugang, Shooting Guard/Small Forward): „Derrick ist ein sehr energetischer Spieler, er hat einen sehr starken Zug zum Korb vorne über die rechte Hand, er kann auch werfen – wir arbeiten daran, dass er noch hochprozentiger trifft. Er ist auch ein starker Verteidiger und kann auch schwere Spieler verteidigen.“

Dan Monteroso: „Er ist der Energizer fürs Team, ein emotionaler Leader, der uns alle nochmal heiß macht, der auch mal brüllt. Dan ist auch einer unserer besten Schützen.“

Thomas Grün: „Er ist ja am längsten dabei, eine Gladiators-Legende. Thomas ist einer, der mit sehr viel Intensität spielt im Team, er springt jedem Ball hinterher, zieht offensiv zum Korb und trifft hochprozentig  – er ist ein Anführer, sehr wichtig für uns.

Jonas Niedermanner: „Er war leider verletzungsbedingt lange raus. Er wird einer unserer besten Schützen sein, er ist nicht nur ein sehr guter Werfer, er bringt auch Länge mit und kann mit seiner Athletik sehr gut den Korb schützen. Er wird uns sehr helfen, wenn er zurück ist.“

Enosch Wolf: „Enosch ist ein sehr erfahrener Spieler, hat einiges erlebt. Er ist sehr groß und spielt sehr schlau unterm Korb. Er ist nicht der großer Springer, hat aber ein gutes Händchen und viel Spielwitz.“

Jonas Grof: „Auch er ist – aber das gilt für alle im Team – ein sehr angenehmer Mitspieler. Er ist ein Aufbauspieler, der sehr variabel ist und sehr groß – er kann bis zur Position 4 alles spielen. Ich spiele im Training gegen ihn, das ist schwer – weil er größer ist, aggressiv zum Korb geht und auch gut verteidigt.“

Jonathan Almstedt: „Johnny hatte ein wunderbares Spiel gegen Koblenz – mit 26 Punkten. Er ist ein super Schütze und bringt uns eine andere Philosophie auf der Power-­Forward-Position. Er braucht noch ein bisschen Erfahrung, wird aber seine Chancen bekommen.“

Brody Clarke: „Er fiel zuletzt aus, weil er im Training aufs Knie gefallen war. Brody ist ein Riesen-Arbeitstier, er arbeitet phänomenal, rennt wie ein Hund, holt die Rebounds und zeigt immer ganz viel Herz. Er hat auch einen guten Wurf aus der Mitteldistanz, könnte vielleicht noch konsequenter finishen. Es war nicht leicht für ihn, als die ‚Großen’ gefehlt haben – aber mit Peko und Enosch wird das sehr gut für uns aussehen.“

Radoslav Pekovic: „Peko kam ja erst vor wenigen Tagen zu uns. Er ist:sehr großer Spieler mit starker Physis. Er zieht viele Fouls, er finisht und hat ein gutes Händchen – er spielt gute Pässe, auch mal No-Look-Pässe. Er bringt positive Energie und Spielwitz.“

Austin Wiley: „Ich habe nur eine Woche gemeinsam mit ihm trainiert, kenne ihn also noch nicht so gut. Aber so weit ich weiß, ist er der beste Shotblocker der Liga. Er ist sehr athletisch, lang, dominant unterm Korb.

Als Nachwuchsspieler waren in der Vorbereitung Tom Demmer, Ole Theiß, Nils Piprek und Paul Hollfelder (aktuell verletzt) dabei.