Dirk, Holger und ein großes Talent – Nürnbergs Nils Haßfurther im Porträt

Basketball : Dirk, Holger und ein großes Talent – Nürnbergs Nils Haßfurther im Porträt

Ab Samstag treffen die Römerstrom Gladiators Trier im Playoff-Viertelfinale auf die Nürnberg Falcons: Was macht die Franken so stark in dieser Saison? Unter anderem Nils Haßfurther. Höchste Zeit, ihn mal anzurufen.

Und dann fällt dieser Name. Einfach so. Nils Haßfurther erwähnt ihn mal eben in einem Nebensatz, ganz beiläufig. Fast so, als wäre es das Normalste von der Welt. Eigentlich ist der 19-Jährige gerade dabei, von einem guten Freund zu erzählen. Von einem, den er einst im Basketballcamp kennengelernt hatte und den er dann im vergangenen Sommer in New York besuchte. „Dieses Camp“, erzählt Haßfurther, „das organisiert Holger, der auch  täglich mit mir und Moritz Sanders trainiert ...“ Moment mal: Holger, welcher Holger – der Holger? „Ja, genau, Holger Geschwindner, der Mentor von Dirk Nowitzki“, antwortet Haßfurther und beginnt zu lachen ...

Nils Haßfurther: Der Aufbauspieler der Nürnberg Falcons ist eines der größten deutschen Talente, das die 2. Basketball-Bundesliga zu bieten hat. Mit seinen 19 Jahren spielt der gebürtige Bamberger bereits seine dritte Saison für die Falcons in der ProA – und was für eine: Haßfurther gehört zu den Schlüsselspielern bei den Franken, kommt in 28 Spielen auf durchschnittlich 23 Einsatzminuten, 7,4 Punkte und drei Assists.

Der junge Mann ist einer der Stützen im Überraschungsteam der Saison 2018/19. Mit seiner guten Übersicht und seinem starken Schuss hat er vielen Teams in dieser Spielzeit bereits die Lampen ausgeschossen. Nachfragen gerne an: Chemnitz (18 Punkte, fünf Assists), Hamburg (12/3) oder an die Römerstrom Gladiators Trier. Beim Duell an der Mosel im Februar hatte der 1,87-Meter-Mann immensen Anteil am 86:70-Sieg seiner Nürnberger, steuerte 15 Punkte und vier Assists bei. Ab dem kommenden Samstag trifft Haßfurther mit den Falcons im Playoff-Viertelfinale erneut auf die Gladiators. „Das wird nicht einfach“, schätzt der Mann mit der Trikotnummer 7. „Trier ist ein Traditionsclub mit großer Halle und sehr vielen tollen Fans. Außerdem haben sie eine starke Truppe dieses Jahr“.

Eine starke Truppe haben auch die Falcons. Das Team von Trainer Ralph Junge spielt eine Wahnsinns-Saison. Die wenigsten Experten hatten die Franken im vergangenen Sommer auf dem Zettel. Doch dann  ging’s ab: Nürnberg feierte 19 Siege, schlug – bis auf Ehingen – jedes ProA-Team mindestens einmal und legte einen Schlussspurt hin, bei dem einem die Ohren weg fliegen. Durch zehn Siege am Stück katapultierten sich die Falken auf Rang 3 – und das, obwohl der Club in den vergangenen Jahren stets gegen den Abstieg gekämpft hatte. Was ist denn da los, Herr Haßfurther? „Wir haben einen Riesenschritt gemacht als Team, sind deutlich weiter als vergangene Saison“, erzählt der U20-Nationalspieler und zweimalige NBBL-Allstar. „Wir sind einfach ein toller Haufen, verstehen uns auf und neben dem Feld. Gerade gegen Ende der Saison haben wir uns immer besser gefunden.“

Wie das aussehen kann, bekam auch Spitzenreiter Chemnitz vor vier Wochen zu spüren. Den Auftritt bei den Sachsen beschreibt Haßfurther als eines der „verrücktesten Spiele“, die er bisher erlebt hat. Und so trug sich das zu: Zur Halbzeit lag Nürnberg in der Chemnitzer Richard-Hartmann-Halle bereits mit 43:65 hinten. Haßfurther: „Defensiv haben wir echt schlecht ausgesehen, haben es den Chemnitzern viel zu einfach gemacht.“ In der Kabine sei‘s dann „etwas lauter“ geworden. „Wir haben uns gesagt: So geht’s nicht weiter, wir können uns hier doch nicht abschlachten lassen – sind dann raus und haben unser Ding einfach durchgezogen.“ Durch eine unglaubliche Energieleistung kämpften sich die Franken tatsächlich Stück für Stück zurück in die Partie und gewannen am Ende mit 97:95 – und das, in der so stimmungsvollen Chemnitzer Hartmannhalle – das kann man mal so machen. „Angst?“, betont Haßfurther, „nein, nein, das haben wir nie“.

Ab Samstag geht’s für die Gladiators im Playoff-Viertelfinale gegen die Nürnberg Falcons. Foto: Verein

Großen Anteil am Nürnberger Erfolg besitzt Trainer Ralph Junge. Der 49-Jährige setzt voll auf die Jugend. Sechs Spieler im Kader der Franken sind 20 Jahre oder jünger und stammen allesamt aus der Region. Einer davon ist Nils Haßfurther: „Ralph schenkt uns jungen deutschen Spielern jede Menge Vertrauen: Ob Moritz Sanders, Matthew Meredith oder mir – auch als wir in den vergangenen beiden Jahren noch in der Nachwuchs-Bundesliga gespielt haben, hat er uns schon regelmäßig in der ProA Minuten gegeben – das können wir nun immer mehr zurückzahlen.“

Und dann wären da ja noch die Einheiten mit Holger Geschwindner: Jeden Tag legen Moritz Sanders und Nils Haßfurther mit dem Basketball-Guru und Individual-Trainer von NBA-Legende Dirk Nowitzki daheim in Bamberg Extra-Einheiten  ein. „Das machen wir zusätzlich zu unserem Teamtraining –  in der Früh“, berichtet Haßfurther. „Er arbeitet mit uns an allem Möglichen: am Wurf, am Ballhandling, am Passen.“ Geschwindner lasse sich stets was Neues einfallen, sei ein „sehr witziger Kerl“. Ach, und übrigens, fügt er an: Dirk Nowitzki, den kenne er auch. „Ich habe Dirk mehrfach getroffen. Er ist ein sehr bodenständiger und überragender Typ“, erzählt Nils Haßfurther – einfach so, ganz nebenbei.

Termine und Modus

Die erste Playoff-Viertelfinalbegegnung steigt am kommenden Samstag (19.30 Uhr) in Nürnberg. Spiel zwei ist für Mittwoch, 10. April, in der Arena Trier terminiert. Spiel Nummer drei steht dann am 12. April wieder in Nürnberg an. Ein mögliches viertes Spiel in Trier wäre am 14. April. Die Playoffs werden im Modus Best-of-Five ausgespielt. Bedeutet: Das Team, das zuerst drei Spiele gewonnen hat, steht im Halbfinale.

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