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Basketball
Der Basketballer von nebenan – Gladiator Anton Shoutvin vor dem Hamburg-Spiel im Porträt

Anton Shoutvin spielt seit Anfang November für die Gladiators. In sechs Spielen kommt er bisher auf durchschnittlich 20 Einsatzminuten sowie sieben Punkte.
Anton Shoutvin spielt seit Anfang November für die Gladiators. In sechs Spielen kommt er bisher auf durchschnittlich 20 Einsatzminuten sowie sieben Punkte. FOTO: Willy Speicher
Trier. Vor dem Spiel in Hamburg hat sich Gladiator Anton Shoutvin mit dem TV zum Gespräch getroffen und über nette Nachbarn, seine Karriere und seine Ziele mit den Gladiators gesprochen. Von Marek Fritzen
Marek Fritzen

Natürlich wissen sie, wer er ist. Jedes Mal, wenn er aus seiner Wohnung spaziert und sie ihm über den Weg laufen, dann lachen sie, winken ihm zu oder machen diese Wurfbewegung. Der 2,06 Meter große Herr, der da seit Anfang November gemeinsam mit ihnen unter einem Dach lebt, fällt einfach auf in der Hotel- und Seniorenresidenz am Zuckerberg in der Trierer Innenstadt. „Das ist echt witzig“, gesteht Anton Shoutvin mit einem Lachen im Gesicht, „die älteren Damen und Herren sind immer sehr freundlich. Auch wenn die sprachliche Verständigung schwerfällt, wir verstehen uns“.

Seit dem 7. November spielt Anton Shoutvin für die Römerstrom Gladiators Trier in der 2. Basketball-Bundesliga. Nachdem sich Center Justin Alston im Training den Mittelfuß gebrochen hatte, sah sich der Verein gezwungen zu handeln und verpflichtete den 28-Jährigen. Seit dieser Zeit wohnt er mit seiner Freundin in einem Apartment in der Zuckerberg-Residenz - Tür an Tür mit jeder Menge älterer Damen und Herren. „Wir fühlen uns dort sehr wohl, es ist sehr ruhig“, betont der Gladiator mit einem Augenzwinkern.

Aus Tschechien wechselte Shoutvin an die Mosel, lediglich zwei Monate spielte er dort für den Erstligaclub NH Ostrava. „Es hat nicht gepasst, ich musste dort meistens auf der Center-Position spielen, das ist nicht meins, auf der Vier fühle ich mich deutlich wohler.“ Zwar musste der Gladiator mit der Rückennummer 25 in Trier in den vergangenen Wochen ebenfalls immer wieder auf Position fünf aushelfen - das allerdings dürfte schon ab der Partie am Sonntag bei den Hamburg Towers (17 Uhr) seltener vorkommen. Grund ist die Verpflichtung von Center Robert Nortmann (siehe Extra).

Shoutvin kam im ukrainischen Luhansk zur Welt. Kurz nach seiner Geburt zog seine Familie mit ihm in den Norden Israels. „Mit zehn habe ich begonnen, Basketball zu spielen. Meine Mutter war Profi-Spielerin, aber sie wollte nicht, dass ich zu früh mit diesem Sport beginne“, berichtet Shoutvin lachend, „daher hat sie mich zunächst  zum Schwimmen geschickt“. Mit zehn Jahren ging’s dann raus aus dem Becken und rein in die Halle. „Als ich 15 oder 16 Jahre alt war - so genau weiß ich das nicht mehr - bin ich in die Jugend von Maccabi Tel Aviv gewechselt“, erzählt der Israeli. Allein lebte er damals in der Metropole am Mittelmeer. „Es war eine tolle Zeit, ich konnte mich vollkommen auf den Basketball fokussieren.“ Mit 18 Jahren wechselte Shoutvin in die zweite israelische Liga. Danach folgten Stationen in Israel, der Slowakei und Deutschland, wo er in der Saison 09/10 für Freiburg aktiv war. Warum nun wieder Deutschland?

„Als mir mein Berater vom Angebot aus Trier erzählt hat, da wollte ich es unbedingt wahrnehmen, ich will mich hier durchsetzen, dem jungen Team Stabilität geben“, betont der Gladiator. Zwar sei er eher ein ruhiger Typ, „das schließt aber nicht aus, dass man auf dem Platz die notwendige Aggressivität an den Tag legt“.

Die Stadt Trier - insbesondere ihr Weihnachtsmarkt - gefalle ihm sehr gut, erzählt Shoutvin, der neben Englisch und Hebräisch auch fließend Russisch spricht. Sobald es die Zeit und das Wetter zulassen, wolle er sich gemeinsam mit seiner Freundin mal auf Entdeckungstour durch Eifel, Hunsrück und Mosel begeben. Nur eins, so gesteht er, das fehle ihm schon: „Das schöne Wetter in Israel - aber es wird ja bald auch hier wieder wärmer.“