Gladiator Kyle Dranginis vor Kirchheim Spiel in Porträt

Basketball : Von kleinen Gläsern und großen Zielen: Gladiator Kyle Dranginis vor Kirchheim-Spiel im Porträt

Vor dem letzten Hauptrunden-Heimspiel gegen die Kirchheim Knights (Samstag, 20 Uhr) spricht Gladiator Kyle Dranginis über schöne Augen, Kopenhagen und seine Zukunft in Trier.

Klar könne man das in der Zeitung schreiben, findet Kyle Dranginis. „Wieso denn nicht?“, fragt der 25-Jährige mit einem Grinsen im Gesicht. „Ist doch ein schöner Satz und ziemlich nützlich ist er auch.“ Stimmt. Ziemlich nützlich. Vielleicht nicht unbedingt auf dem Basketballfeld, aber an anderen Orten können solche Worte einem jungen Herrn wie Dranginis mit Sicherheit weiterhelfen.

Eine Stunde ist vergangen bei Cappuccino und Sprudel. Dranginis, der Spieler der Römerstrom Gladiators Trier aus Nampa im US-Bundesstaat Idaho, hat von den Erlebnissen in Kopenhagen berichtet, die so überraschend für ihn waren. Hat bitter ernst geschaut, als er von den schwierigen Momenten seiner Trierer Zeit gesprochen hat. Und hat herzlich gelacht, als er die Geschichte mit den Gläsern erwähnte.

Aber jetzt – als es um diesen Satz geht – da grinst er nur. Ob er sie denn noch mal wiederholen könne, diese Aussage auf Deutsch, die ihm seine Teamkollegen kürzlich beigebracht haben. „Klar“, sagt er kopfnickend auf Englisch. Dann, auf Deutsch: „Du hast wunderschöne Augen.“ Dranginis lacht los, dann fügt er an: „Wenn ich über den Sommer hinaus in Trier bleibe, lerne ich noch viel mehr. Dann würde ich  gerne einen Deutschkurs machen.“ Eine zweite Saison bei den Gladiators – dann unter Christian Held als neuem Chefcoach – das, so sagt Dranginis, könne er sich sehr gut vorstellen. „Ich denke, die Chancen stehen gut. Ich mag Christians Art zu coachen und fühle mich sehr wohl im Team.“

Kyle Dranginis mit Fan-Botschaft

Kyle Dranginis – als die Gladiatoren die Verpflichtung im Frühsommer 2017 bekanntgeben, steigt die Vorfreude bei den Fans – so klangvoll ist der Name. Schon auf der High-School zweimal zum Spieler des Jahres im Bundesstaat Idaho gewählt. Dann der Wechsel ins renommierte US-Collegeteam der Gonzaga Bulldogs nach Spokane im Bundesstaat Washington. Bis 2016 knapp 150 Spiele für die „Zags“, bis heute unter den ewigen Top-5-Spielern, die mit dem Team die meisten Siege geholt haben (122).  Gladiators-Trainer Marco van den Berg schwärmt vor Saisonbeginn: „Kyle ist ein sehr intelligenter Spieler, der uns durch seine vielfältigen Fähigkeiten weiterbringen wird.“

Die Prophezeiungen bewahrheiten sich schnell. Kaum trägt Kyle Dranginis das Trierer Trikot, überzeugt er. Vorbereitung und Saisonstart laufen wie geschmiert. 25 Punkten und vier Assists im ersten ProA-Spiel in Vechta, folgen 35 Zähler gegen Kirchheim.

Doch so geht’s nicht weiter: In den folgenden Wochen und Monaten wird es ruhiger um den 1,96 Meter großen Shooting Guard. Die Gegner stellen sich auf Dranginis ein, nehmen ihn oft aus dem Spiel, zudem hat er mit Verletzungen zu kämpfen.

Er wählt seine Worte bewusst, flüstert beinahe, wenn er über diese Zeit spricht. „Die Gegner haben das schnell begriffen, dass bei uns sehr viel über mich läuft. Ich wollte dann häufig zu viel, habe immer wieder Aktionen erzwungen.“ Nach einem Treffen mit Marco van den Berg und Christian Held dann der Entschluss: So geht’s nicht weiter. „Wir haben unsere Offense verändert. Von ,Alles-läuft-über-mich’ zu ,Jeder-kann-die-Angriffe-abschließen’“, berichtet der Mann mit den litauischen Wurzeln.

„Heute spielen wir echten Team-Basketball mit schnellen Ballbewegungen und sind extrem schwer ausrechenbar.“ Er ist jetzt nicht mehr der „Go-to-Guy“ im Gladiators-Spiel, eher der Allrounder, der weniger Punkte erzielt, dafür seine Mitspieler hervorragend in Szene setzt, wichtige Rebounds sichert und somit entscheidenden Anteil an der beeindruckenden Trierer Erfolgsserie der vergangenen Wochen hat. „Es macht großen Spaß mit den Jungs, wir sind eine tolle Gemeinschaft. Ich bin mir sicher, dass wir in dieser Saison noch vieles erreichen können – vieles. Wir haben große Ziele.“ Konkreter wird er nicht, grinst nur.

Trier, so sagt er während er mit dem Löffel im Cappuccino rührt, Trier sei ein Ort, an dem er sich wohl fühle. „Als ich hier im Sommer ankam, die Weinberge sah, den Fluss, die Stadt – da war ich direkt sicher: Hier kannst du gut leben.“ Die Geschichte der Region beeindrucke ihn. „Wie viele Burgen es hier gibt. Die in Bernkastel-Kues ist grandios, die habe ich mir letztens angesehen. Da will ich auf jeden Fall wieder hin, wenn das Wetter besser ist.“

Die Gladiators sind nicht seine erste Station in Europa. Nach dem College wechselte er nach Kopenhagen zum dortigen Club Sisu BK. „Der Schritt war hart“, gesteht der 25-Jährige, „weil es beim Verein nicht sehr professionell zuging. Ich musste zum Beispiel öfter selbst organisieren, wie ich zu den Auswärtsspielen kam – das war alles ein bisschen frustrierend.“ Die Stadt Kopenhagen allerdings, die habe ihn beeindruckt. „Die Leute dort lieben es, draußen zu sein. Hängen auch viel weniger an ihren Handys als Amerikaner. Und ernsthaft, ich habe noch nie so viele Fahrradfahrer gesehen wie dort.“ Kurzes Überlegen, breites Grinsen, dann ergänzt er: „Noch so ein Unterschied zwischen den USA und Europa ist mir übrigens in Trier aufgefallen: Ihr habt hier so kleine Gläser in den Restaurants, echt unglaublich.“ Aus den Staaten sei er es gewohnt, zu jedem Essen ein riesiges Getränk gereicht zu bekommen, dass zudem beliebig oft nachgefüllt werden könne. „So habe ich die kleinen Gläser hier am Anfang immer schnell leergetrunken und dann gemerkt: Oh, das war’s, kostenlos nachfüllen gibts’s nicht.“ Bei jedem Restaurantbesuch halten er und Teamkollege Justin Alston sich seitdem an eine strikte, selbst auferlegte Vorgabe: „Erst essen wir alles auf, dann trinken wir unsere Apfelschorlen.“