Basketball : Von Hochsprung-Bestleistungen und guten Büchern: Gladiator Till Gloger im Porträt

Seit Sommer steht Till Gloger bei Basketball-Zweitligist Römerstrom Gladiators Trier unter Vertrag. Vor dem Auswärtsspiel in Nürnberg (Sonntag, 18 Uhr) spricht der 25-Jährige über Erfahrungen im Hochsprung, seine Heimatstadt und beeindruckende Bücher.

Seine Bestleistung? Da muss Till Gloger mal überlegen. „Das war“, sagt er nach einer Weile, „das war 1,90 Meter. Doch ja, 1,90 Meter, ich bin mir ziemlich sicher.“ Gloger grinst. Dann beginnt er zu lachen. „Wenn man sieht, wie ich heute springe, fragen sich die meisten Leute wohl eher, ob es ein Scherz ist, dass ich früher mal Hochspringer gewesen bin.“ Bis zu seinem 17. Lebensjahr ist Till Gloger als Leichtathlet aktiv, geht für den TV Wattenscheid 01 an den Start. Seine Spezial-Disziplinen: Hochsprung und Hürdenlauf. Gloger trainiert im Ruhrgebiet unter professionellen Bedingungen mehrmals in der Woche, nimmt an deutschen Jugendmannschafts-Meisterschaften teil. Doch 2010 ist Schluss. „Ich habe parallel zur Leichtathletik auch Basketball gespielt“, erzählt der Center der Römerstrom Gladiators Trier. „Irgendwann musste ich mich dann aber entscheiden: Basketball oder Leichtathletik?“ Der 25-Jährige wählt den Mannschaftssport, denn: „Ich hatte den Eindruck, dass ich im Basketball deutlich talentierter bin.“

Seit August bringt Till Gloger sein Talent für die Römerstrom Gladiators Trier ein. Nach einer Ellenbogen-Operation im September und einem ausgerenkten Rückenwirbel – „ich kam abends kaum mehr von der Couch ins Bett“ – kommt der 2,04-Meter-Mann immer besser in Fahrt, gehört schon jetzt zu den Leistungsträgern im Team von Trainer Christian Held. In seinen fünf Saisonspielen kommt er im Schnitt auf 25 Einsatzminuten, 15,6 Punkte und fünf Rebounds. „Konditionell“, so gesteht der gebürtige Bochumer, „fehlt mir noch was: Ich würde mal sagen, ich bin aktuell bei 80 Prozent“.

Doch schon jetzt ist der Mann mit der Trikotnummer 18 – der 2012 zum wertvollsten Spieler der deutschen Nachwuchs-Bundesliga gewählt wurde und danach vier Jahre lang für die University of Maine in der höchsten Collegeliga der USA spielte – offensiv von seinen Gegenspielern im Eins-gegen-Eins nur selten zu stoppen.

Fühlt sich wohl in seiner neuen Heimat: Gladiator Till Gloger. Foto: Marek Fritzen

Ein Grund dafür sind die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr – auch wenn das alles andere als zufriedenstellend für den 25-Jährigen verlaufen ist: In der Spielzeit 2017/18 stand Gloger bei Bundesligist Mitteldeutscher BC unter Vertrag. Kam dort besonders in der ersten Saisonhälfte zu vielen Einsatzminuten, zeigte starke Leistungen. In den folgenden Monaten allerdings setzte Trainer Igor Jovovic zunehmend auf Kruize Pinkins und Djordje Pantelic, Glogers Einsatzminuten wurden weniger. „Es war insgesamt keine schlechte Saison für mich“, resümiert Gloger, „auch wenn die Situation gegen Ende schon ernüchternd war“. Speziell die Duelle in Spiel und Training gegen physisch starke Gegenspieler hätten ihn jedoch weitergebracht.

„Im Sommer habe ich mich dann in Bochum mit Christian Held getroffen. Mit seiner Spiel-Philosophie und der Rolle, die er für mich vorsah, hat er mich überzeugt. Es war dann sehr einfach zu sagen: Ich gehe nach Trier.“ Zudem, so ergänzt er, habe ihm auch Lothar Hermeling, sein aus Trier stammender Berater, viel Positives über Stadt und Verein erzählt. Jetzt, nach rund drei Monaten, fühle er sich schon sehr wohl. In seiner Wohnung in der Innenstadt verbringe er die Zeit zwischen Training und Spielen gerne mal mit Lesen: „Gerade habe ich die Biografie von Nelson Mandela gelesen – echt beeindruckend. Jetzt bin ich gerade bei ‚Warum Nationen scheitern‘ von Daron Acemoglu und James A. Robinson.“

Aber auch vor der Tür kennt sich Gloger aus. Von Teamkollege Jermaine Bucknor und dessen Frau habe er den Tipp erhalten, sich mal die oberhalb von Bernkastel-Kues gelegene Burg Landshut anzuschauen. „Das habe ich gemacht, bin vor kurzem hingefahren. Und ich muss sagen: Wirklich sehr schön dort.“

Sehr schön, so betont der 25-Jährige, sei es auch immer wieder, nach Bochum zu kommen. In seiner Heimatstadt hat Gloger mit sechs Jahren mit dem Basketball begonnen. Hier ist er mit seinem Vater und seinen beiden älteren Brüdern regelmäßig zum VfL Bochum ins Ruhrstadion gegangen. Lieblingsspieler: Dariusz Wosz, die Zaubermaus. „Momentan hängen sie ja mal wieder in Liga 2 fest – aber es bleibt mein Verein“, sagt Gloger mit einem Grinsen im Gesicht. Auch für den BVB habe er Sympathien, sagt er noch zum Abschluss, und ergänzt lachend: „Nur eins geht nicht: Schalke 04 – die kann ich gar nicht leiden.“

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