Gladiators Trier feiern Heimsieg gegen Jena

Kostenpflichtiger Inhalt: Basketball : Gladiators Trier feiern fulminaten Heimerfolg – und Dranginis macht den 100. (Update)

Wer das nicht gesehen hat, hat echt was verpasst! Basketball-Zweitligist Römerstrom Gladiators Trier hat in einer atemberaubendem Partie Bundesligaabsteiger Science City Jena geschlagen. Schon am Sonntag geht’s weiter.

Es gibt so Spiele, die muss man gesehen haben: Und das, was da am Mittwochabend zwischen den Römerstrom Gladiators Trier und Bundesligaabsteiger Science City Jena abgelaufen ist, gehört genau in diese Reihe. Die Partie zwischen dem Tabellenachten und dem –dritten hätte deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt als die 1587, die in die Arena gekommen waren. Bräuchte es eine Bebilderung für die Formulierung „in einen Rausch gespielt“, sie wäre am Mittwochabend in der Arena Trier zu finden gewesen.

So viel Tempo, so viele Emotionen, so viel Intensität – das gibt’s nicht jede Woche in der 2. Basketball-Bundesliga. Mit 100:79 (52:33) hat das Team von Cheftrainer Christian Held den Tabellendritten aus Thüringen bezwungen und dabei eine über weite Strecken herausragende Leistung geboten.

Selbst Jenas Trainer Steven Clauss – der den aufgrund eines familiären Trauerfalls fehlenden Cheftrainer Frank Menz vertrat – gesteht nach Spielende: „Das war eine beeindruckende Leistung der Trierer – sie haben vollkommen verdient gewonnen.“ Recht hat er – obwohl sein Team, das den direkten Wiederaufstieg anpeilt, zunächst den besseren Start erwischt. Nach knapp drei Minuten nimmt Triers Trainer Christian Held bereits die erste Auszeit, da hat Dennis Nawrocki gerade mit einer schicken Einzelaktion die nächsten Jenaer Punkte erzielt (2:8). Jena attackiert Trier im Eins-gegen-Eins – mit Erfolg.

Es scheint, als ziehe der BBL-Absteiger das in der Arena eiskalt durch. Doch es sollte anders kommen: Nach der Auszeit egalisieren die Herren in Grün den Rückstand im Eiltempo. Trier ist schnell das bessere Team.

Großen Anteil daran hat Chase Adams. Der Neuzugang kommt nach fünf Minuten zu seinem Saisondebüt in der Arena, klaut den Gästen nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung zum ersten Mal den Ball und bringt viel Intensität in die Gladiatoren-Defensive.

Der frühere Rostocker tut dem Team gut. Nach einem Dreier von Jermaine Bucknor (22:13) folgt Adams‘ nächster Ballgewinn und ein Pass auf Bucknor. Der nach zuletzt mehreren schwachen Auftritten deutlich verbesserte Kanadier schraubt die Führung danach weiter in die Höhe (22:13).

Als Bucknor 38 Sekunden vor Ende des ersten Viertels einen Dunking über Jenas Alex Herrera in den Korb gestopft hat und die Gäste das nächste Timeout nehmen, schwappt bereits die Laola durch die Halle.

Dass Trier nach einem 27:8-Lauf schließlich mit einer völlig verdienten 29:16-Führung in die zweiten zehn Minuten geht, basiert auf der hervorragenden Defensive: Das Held-Team agiert dermaßen druckvoll, dass der Bundesligaabsteiger völlig von der Rolle ist. Die Thüringer werfen die Bälle phasenweise wild übers Feld.

Auch vorne gelingt Trier fast alles. Jena kann die aufgedrehten Gladiatoren nicht bremsen. Und das, obwohl Stammkräfte wie Till Gloger und Jordan Geist zu dieser Zeit eine Pause auf der Bank erhalten.

Und in Viertel Nummer zwei? Geht’s einfach mal genauso weiter. Die Gäste wissen spätestens nach 15 Spielminuten nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht. Da hat Jordan Geist den Vorsprung auf 24 Punkte geschraubt (47:23). Das sieht aus wie TGV gegen S-Bahn - Hochgeschwindigkeits-Basketball vom allerfeinsten, nach wie vor basierend auf einer intensiven Defensive. Überall scheinen Trierer Hände. Gegenspieler werden gedoppelt, Ballgewinne erzwungen. Die Gäste agieren überraschend ideenlos.

Trier sucht – wann immer es geht – den schnellen Abschluss. Die Dreier fallen hervorragend bei Bucknor, Geist, Schmikale und Smit. Zudem geht der Ball auch immer wieder unter den Korb zu Kilian Dietz und Till Gloger.

Und dann sind da immer wieder diese Ballgewinne. Bis auf die ersten Minuten ist das eine sensationelle erste Halbzeit des Held-Teams. Mit einer 19-Punkte-Führung geht’s gegen den Aufstiegskandidaten in die Halbzeit (52:33).

Zu Beginn der zweiten Halbzeit die Frage: Kann Trier die Intensität derart hochhalten? Jena startet angeführt vom bundesligaerfahrenen Brad Loesnig gut, kann den Trierer Vorsprung nach 24 Minuten auf 13 Zähler eindampfen (57:44 aus Trierer Sicht). Ganz wichtig sind dann zwei Punkte des starken Kyle Dranginis, der auch noch den folgenden Bonus-Freiwurf verwandelt.

Doch der Tabellendritte aus dem Osten agiert nun deutlich wacher und aggressiver, spielt es auch offensiv überlegter als noch in Halbzeit eins. Jetzt zeigen die Thüringer, warum sie als einer der großen Favoriten auf die Rückkehr in die Bundesliga gelten.

Vier Minuten vor Ende des dritten Viertels nimmt Christian Held beim Stand von 62:50 seine nächste Auszeit. Danach sorgt Jermaine Bucknor mit einem verwandelten Dreier erst mal wieder für ein wenig Entspannung in der Arena – ein ganz wichtiger Treffer des Routiniers.

Trier wird wieder dominanter: Thomas Grün angelt sich einen Offensiv-Rebound nach dem anderen und Kevin Smit sorgt mit einem Korbleger für die nächsten Gladiators-Zähler.

Nach einem sehenswerten Last-Minute-Dreier von Thomas Grün geht’s mit 72:60 in den Schlussabschnitt.

Und da packt Grün direkt den nächsten Dreier aus (75:60), gleich danach leitet der Luxemburger einen sehenswerten Schnellangriff auf Jordan Geist ein – und nur wenige Sekunden später vollendet Geist einenw weiteren Fastbreak (79:62). Eine richtig starke Vorstellung der Gladiatoren: Keine Spur von Müdigkeit. Beeindruckend mit welcher Intensität das Held-Team auch im letzten Viertel agiert, Rebounds sichert und Ballgewinne forciert.

Zwar gibt’s noch mal einen Zitter-Moment aus Trierer Sicht, als die Gäste auf acht Zähler herankommen – doch nur kurz: Denn in den Schlussminuten beginnt das Trierer Dreier-Schießen. Smit, Dranginis, Geist, nochmal Dranginis, nochmal Geist – den Gästen fliegen die Bälle nur so um die Ohren. Spätestens da ist klar: Trier gewinnt das Spiel! Den 100. legt schließlich der exzellente Dranginis unter großem Jubel der Fans in den Gäste-Korb.

Christian Held analysiert nach dem Spiel: „Wir haben im dritten und vierten Viertel auch die schweren Würfe getroffen, aber genau das braucht man, um solch ein Team wie Jena schlagen zu können.“

Der Schlüssel zum Erfolg sei aber gewesen, dass sein Team „extrem gut und mit viel Energie“ verteidigt habe. Um die Energie in der Verteidigung hochzuhalten, wechsle er auch häufig drei, vier oder fünf Spieler zusammen ein. „Das ist nicht immer einfach für die Jungs, aber sie haben das heute sehr gut gemacht – ich bin extrem stolz auf mein Team.“

Am Sonntag geht’s schon weiter, dann empfangen die Gladiatoren die Tigers Tübingen in der Arena Trier (17 Uhr).

Punkte Trier: Adams 2, Dranginis 20, Smit 12, Bucknor 12, Hennen 4, Schmikale 3, Grün 8, Ilzhöfer 4, Geist 24, Gloger 11 - Beste Schützen Jena: Loesing 16, Wolf 19 - Viertel: 29:16/52:33/72:60/100:79 - ZS: 1587