Gladiators Trier liefern beim 100:79 gegen Jena die beste Saisonleistung ab

Basketball : Gladiators-Glanzleistung gegen Jena: Voll auf die 100!

Der Gladiators-Heimerfolg gegen Bundesligaabsteiger Jena ist in mehrfacher Hinsicht beeindruckend. Doch es bleibt nicht viel Zeit, sich darüber zu freuen.

Sehr stolz sei er auf sein Team, betont Christian Held noch, bevor er dann auch schon auf Sonntag blickt: „Und nun werden wir uns auf Tübingen vorbereiten.“ Stopp, Herr Held, so nicht: Bevor es um das nächste Heimspiel am Sonntag (17 Uhr) gegen den Tabellenneunten aus Schwaben geht, gibt’s hier erst mal noch ein paar Zeilen zu verlieren über das, was da am Mittwochabend in der Arena Trier passiert ist.

Denn es gibt ja so Spiele, die muss man gesehen haben: Und diese Partie zwischen den Römerstrom Gladiators Trier und Bundesligaabsteiger Science City Jena, die gehörte genau in diese Reihe. Das Duell zwischen Helds Gladiatoren und dem Aufstiegskandidaten hätte viel mehr Zuschauer verdient gehabt als die 1587, die in die Arena gekommen waren. Bräuchte es eine Bebilderung für die Formulierung „in einen Rausch gespielt“, sie wäre in der Halle im Trierer Norden zu finden gewesen.

So viel Tempo, so viele Emotionen, so viel Intensität – das gibt’s nicht jede Woche in der 2. Basketball-Bundesliga. Mit 100:79 (52:33) hat das Team von Cheftrainer Christian Held den Tabellendritten aus Thüringen bezwungen und dabei eine über weite Strecken herausragende Leistung geboten.

Selbst Jenas Trainer Steven Clauss – der den aufgrund eines familiären Trauerfalls fehlenden Cheftrainer Frank Menz vertrat – gestand nach Spielende: „Das war eine beeindruckende Leistung der Trierer. Sie haben vollkommen verdient gewonnen.“

Recht hat er – obwohl sein Team, das den direkten Wiederaufstieg anpeilt, zunächst den besseren Start erwischte. Nach knapp drei Minuten nahm Triers Cheftrainer Christian Held bereits die erste Auszeit, da hatte Dennis Nawrocki gerade mit einer Einzelaktion die nächsten Jenaer Punkte erzielt (2:8).

Es schien, als ziehe der BBL-Absteiger sein Spiel in der Arena eiskalt durch. Doch es sollte anders kommen: Nach der Auszeit begann der Trierer Wahnsinn. Und mittendrin: Chase Adams. Der Neuzugang kam nach fünf Minuten zu seinem Saisondebüt in der Arena, klaute den Gästen direkt mal den Ball und brachte viel Intensität in die Gladiatoren-Defensive.

Nach einem Dreier von Jermaine Bucknor (22:13) folgte Adams‘ nächster Ballgewinn und ein sehenswerter Pass auf Bucknor. Der Kanadier, der in den letzten Wochen nicht überzeugen konnte, zeigte sich stark verbessert. Als Bucknor 38 Sekunden vor Ende des ersten Viertels auch noch einen Dunking über Jenas Alex Herrera in den Korb gestopft hatte und die Gäste das nächste Timeout nahmen, schwappte bereits die Laola durch die Halle.

Dass Trier nach einem 27:8-Lauf schließlich mit einer völlig verdienten 29:16-Führung in die zweiten zehn Minuten ging, basierte auf der hervorragenden Defensive: Das Held-Team agierte dermaßen druckvoll, dass der Bundesligaabsteiger zeitweise völlig von der Rolle wirkte. Die Thüringer warfen die Bälle phasenweise wild übers Feld. Kämpferisch exzellent dabei: Kevin Smit. „Kevin verteidigt immer mit 100 Prozent – er gibt dem Team so viel Energie“, lobte Christian Held. „Dass er heute auch seine Würfe getroffen hat, freut mich umso mehr für ihn. Aber das war für mich nur eine Frage der Zeit.“

Die Gäste wussten derweil spätestens nach 15 Spielminuten nicht mehr, wo ihnen der Kopf stand. Da hatte Jordan Geist den Vorsprung auf 24 Punkte geschraubt (47:23). Das sah aus wie ICE gegen S-Bahn – Hochgeschwindigkeits-Basketball vom Allerfeinsten, nach wie vor basierend auf einer intensiven Defensive. Überall schienen Trierer Hände. Gegenspieler wurden gedoppelt, Ballgewinne erzwungen.

Auch wenn die Thüringer dann deutlich wacher und aggressiver in Halbzeit zwei starteten und zeitweise auf acht Punkte herankamen, geriet der Trierer Sieg nie wirklich in Gefahr. Die Gladiatoren agierten mannschaftlich geschlossen, jeder eingesetzte Spieler punktete, jeder Akteur hatte seinen Anteil am Sieg: Ob Stefan Ilzhöfer mit starken Defensivaktionen, Thomas Grün mit sehenswerten Dreiern und Vorbereitungen oder Jordan Geist mit herausragenden Einzelaktionen – unterm Strich war das Triers beste Saisonleistung.

Spätestens als den Gästen in den Schlussminuten nochmal die Dreier um die Ohren flogen, war klar: Trier holt den dritten Erfolg in Serie. Den 100. Punkt legte schließlich noch der exzellente Kyle Dranginis unter großem Jubel der Fans in den Gäste-Korb.

Christian Held fand nach der Partie: „Der Schlüssel zum Erfolg war, dass wir extrem gut und mit viel Energie verteidigt haben.“ Um die Intensität in der Verteidigung hochzuhalten, wechsle er häufig drei, vier oder fünf Spieler zusammen ein. „Das ist nicht immer einfach für die Jungs, aber sie haben das heute sehr gut gemacht – ich bin extrem stolz auf mein Team.“

 Nachdem seine Gladiatoren im Oktober bereits Spitzenreiter Chemnitz die bisher einzige Saisonniederlage zugefügt hatten, schickte Trier nun mit Jena das nächste Spitzenteam ohne Punkte zurück in den Osten. Und damit nochmal zum kommenden Sonntag: Dann gastiert der langjährige Erstligist Tigers Tübingen an der Mosel (17 Uhr/Arena Trier). Am Mittwoch verlor das Team von Trainer Douglas Spradley zu Hause gegen Kirchheim. Wer weiß, vielleicht gibt’s ja das nächste Spektakel.


Punkte Trier:
Adams 2, Dranginis 20, Smit 12, Bucknor 12, Hennen 4, Schmikale 3, Grün 8, Ilzhöfer 4, Geist 24, Gloger 11 - Beste Schützen Jena: Loesing 16, Wolf 19 - Viertel: 29:16/52:33/72:60/100:79 - ZS: 1587