| 18:58 Uhr

Basketball 
Gladiators: Von der Couch in die Playoffs

 Angeschlagen: Gladiator Jermaine Bucknor.
Angeschlagen: Gladiator Jermaine Bucknor. FOTO: Verein
Ehingen/Trier . Trotz der Niederlage am Freitag in Ehingen haben die Römerstrom Gladiators Trier am Sonntagabend was zu feiern. Wie ist es dazu gekommen ist und wieso zwei Spieler Sorgen bereiten.
Marek Fritzen

So kann man das mal machen. Schön von der Couch aus geschmeidig in die Playoffs rutschen. Sonntagabend 18:42 Uhr: Phoenix Hagen hat soeben die siebte Heimniederlage infolge kassiert. Gegen die Rostock Seawolves heißt es am Ende: 77:88 – und 250 Kilometer weiter südwestlich köpft der eine oder andere Fan der Römerstrom Gladiators Trier ein Fläschchen Prosecco. Einen haben sie halt immer noch getrunken – ganz besonders auf den Playoff-Einzug. Denn durch die Hagener Heimpleite steht fest: Die Westfalen können die Gladiators nicht mehr aus den Playoff-Rängen verdrängen, Trier hat die Quali in der Tasche – und das zum vierten Mal hintereinander.

Dabei hatte es zuvor noch nach einem Alles-oder-Nichts-Spiel für die Römerstädter am kommenden Samstagabend in der letzten Hauptrundenpartie gegen Karlsruhe ausgesehen. Denn durch die 81:88 (42:55)-Pleite vom Freitag bei Ehingen Urspring hatte das Team von Trainer Christian Held den vorzeitigen Playoff-Einzug zunächst verpasst.

Umso besser, dass Rostock die Gladiatoren nun doch frühzeitig in die Playoffs geschoben hat, denn: Gegen Karlsruhe droht den Trierern erneut der Ausfall wichtiger Schlüsselspieler. Routinier Jermaine Bucknor hat weiterhin große Achillessehnen- und Waden-Probleme. Schon in Ehingen war Bucknor deutlich anzumerken, wie groß die Schmerzen sein müssen. Der 35-Jährige war nicht der gewohnte Faktor im Trierer Spiel.

Drohender Ausfall Nummer zwei: Kyle Dranginis, der am Donnerstagabend im Abschlusstraining umgeknickt und nicht mit nach Ehingen gereist war, muss am Montag zur MRT-Untersuchung. Christian Held berichtet am Sonntag: „Wir gehen davon aus, dass er sich das Außenband gerissen hat.“ Bestätigt sich das, wäre Dranginis – der Mann, der in den vergangenen Wochen zu den stärksten Gladiatoren gehörte, das Team mehrfach zu Erfolgen trug – für das letzte Hauptrundenspiel Samstag raus (19.30 Uhr/Arena Trier).

Wie auch immer – fest steht: In den Anfang April beginnenden Playoffs muss sich Trier deutlich steigern im Gegensatz zum Ehingen-Spiel am Freitag. Denn das, was die Gladiatoren dort über weite Strecken der ersten Halbzeit aufs Parkett legten, wird kaum reichen, um in den Playoffs für Furore zu sorgen. Immer wieder wurde gegen die über weite Strecken überzeugenden Schwaben deutlich, wie sehr Kapitän Simon Schmitz, Kyle Dranginis und ein fitter Jermaine Bucknor dem Team fehlen. Was die Gäste von der Mosel speziell in der ersten Halbzeit zeigten, war alles andere als clever. Erstens: Das Team von Trainer Christian Held ließ sich viel zu oft den Ball klauen. Fünf Ballverluste in den Anfangsminuten – 17 im gesamten Spiel – waren deutlich zu viel. Zweitens: Offensiv fehlte häufig die Entschlossenheit. Immer wieder legte Trier leichte Bälle daneben. Zwei Beispiele: Bei Johannes Joos flog der Ball beim Dunking wieder raus, Till Gloger traf den offenen Korbleger nicht. Drittens kam hinzu: Die Gäste leisteten sich zu viele blöde Fouls. Immer wieder waren die Gladiatoren defensiv einen Schritt zu langsam,  wussten sich dann nur noch durch ein Foul zu helfen. Gleich mehrmals waren das sogenannte And-Ones: Fouls in der Wurfbewegung, in deren Folge der Ball im Korb landet und der Gegner einen Bonus-Freiwurf erhält.

„Wir haben es in der ersten Halbzeit nicht geschafft, aus dem Bus zu kommen“, kritisiert Christian Held am Sonntag. „Wir lassen in den ersten beiden Vierteln 55 Punkte zu: das ist viel zu viel. Dazu schenken wir denen 21 Freiwürfe allein in der ersten Halbzeit.“ Dafür, so betont Held, seien die Angeschlagenen oder Fehlenden keine Ausrede. „Das müssen die Jungs, die auf dem Platz stehen, besser lösen.“

Ein Lichtblick im Trierer Team war Rupert Hennen. Der Aufbauspieler traute sich viel zu, gab offensiv Gas, punktete, sammelte Assists und hatte wesentlichen Anteil daran, dass sein Team im dritten Viertel den Ausgleich schaffte (61:61). Im Anschluss verpassten es die Gladiatoren allerdings, das Spiel zu drehen – ein Knackpunkt der Partie, denn danach übernahm Ehingen wieder die Spielkontrolle. „Da sind ein, zwei Sachen passiert, bei denen ich den Spielern, die zu diesem Zeitpunkt auf dem Feld standen, keinen Vorwurf machen kann, weil sie die Erfahrung nicht haben und auf Positionen spielen müssen, die sie nicht gewohnt sind aufgrund der Verletztenkonstellation“, sagt Christian Held.

Dass es am Ende nichts wurde mit dem sechsten Erfolg in Serie, interessiert zu Wochenbeginn jedoch ohnehin keinen Gladiator mehr. Denn da zählt nur eins: Saisonziel Playoff-Einzug geschafft.

Statistik Ehingen-Spiel

Punkte Trier: Lewis 15, Smit 2, Bucknor 9, Hennen 12, Schmikale 0, Dietz 7, Grün 8, Ilzhöfer 2, Buntic 2, Gloger 10, Joos 14 – Viertelstände: 22:30/43:55/61:67/81:89