Heidelberg/Trier : Und die Moral von der Geschicht’ – Gladiators vor dem Halbfinale

Nach dem Playoff-Halbfinal-Einzug der Gladiators geht’s bei den Trierern um Charakter, einen Italiener und die Aufstiegsfrage.

 „Me fido di te“ – immer und immer wieder gibt’s diese Zeile am Donnerstag für Marco van den Berg auf die Ohren. „Me fido di te“, „Me fido di te“, „Me fido di te“. Der 52-Jährige genießt die Sonnenstrahlen auf seinem Balkon daheim in Naurath. Aus den Boxen wummert Jovanotti, einer von van den Bergs italienischen Lieblings-Cantautoren. Der Song „Me fido di te“ hat es dem Trainer der Römerstrom Gladiators Trier ganz besonders angetan, lief vor Wochen auf seinen Wunsch hin auch schon mal vor einem Heimspiel über die Arena-Lautsprecher. „Heute muss es einfach Jovanotti sein, ohne Zweifel“, betont Marco van den Berg am Donnerstagnachmittag. „Me fido di te“, auf Deutsch „Ich vertraue dir“, ziemlich passend für das, was sich da gerade so abspielt zwischen Coach van den Berg und seinem Team.

Er vertraut seinen Jungs – immer, auch am Mittwochabend, in diesem irren fünften Spiel des Playoff-Viertelfinals bei den MLP Academics Heidelberg, das der ganzen Serie noch mal das Krönchen aufgesetzt hat. Packend, dramatisch, eng – am Ende ringt Trier die Kurpfälzer mit 69:65 (31:34) nieder, steht somit zum zweiten Mal nach 2015/16 im Halbfinale der ProA-Playoffs, trifft dort ab Samstag auf die Crailsheim Merlins (19.30 Uhr/Crailsheim).

Van den Berg vertraut seinen Jungs, auch als die Academics in den Schlusssekunden noch mal auf einen Punkt herankommen, nach diesem Dreier des starken Shy Ely (66:65) und dem vorangegangenen Ballverlust von Kevin Smit – „auch wenn ich in diesem Moment durch die Hölle gegangen bin“, wie der Trainer gesteht.  „Me fido di te“ – in diesem Fall Jermaine Bucknor und Justin Alston. Der Kanadier und der US-Amerikaner entscheiden die Partie in der Folge durch drei Freiwürfe. „Justin und Buck waren fabelhaft. Justin hat gegen Ende des Spiels so gut gespielt – großes Lob für ihn, aber auch ein großes Lob an die Mannschaft. Sie haben Heidelberg nie das Gefühl gegeben, ,ihr habt uns’.“

Zu keinem Zeitpunkt habe sein Team in dieser Serie die Moral verloren. „Gemeinsam mit den Fans bilden die Jungs eine echte Einheit. So intensiv habe ich das in meiner Trainer-Karriere noch nie erlebt.“

Während Mannschaft und Trainer den freien Donnerstag zur Entspannung nutzen, sitzt ein anderer seit sieben Uhr im Büro: Geschäftsführer Achim Schmitz. „Hier klingelt ununterbrochen das Telefon: Sponsoren, Freunde, andere Vereine – alle gratulieren. Das ist schon ein sehr schönes Gefühl.“ Die Viertelfinal-Serie sei packender gewesen als die im vergangenen Jahr gegen Chemnitz. „Am Ende war der Charakter und die Moral der Jungs entscheidend – beides ist einfach top. Jetzt freuen wir uns alle aufs Halbfinale gegen Crailsheim.“

Der Halbfinal-Einzug – und dies freut Schmitz besonders  – verschafft den Gladiatoren nicht nur wachsende öffentliche Aufmerksamkeit, sondern auch Einnahmen. „Klar, wir haben nun auch Ausgaben, aber auch mindestens ein weiteres Heimspiel und somit zusätzliche Einnahmen.“ Unterm Strich rechnet der Geschäftsführer durch die Playoffs mit Einkünften im fünfstelligen Bereich.

Stellt sich die Frage: Was passiert eigentlich, wenn Trier es tatsächlich schaffen sollte, sich im Halbfinale gegen Crailsheim durchzusetzen und somit den sportlichen Aufstieg gepackt hätte (siehe Extra) – kann und will der Club einen möglichen Aufstieg wahrnehmen? „Fakt ist: Wir haben die Lizenz für die 1. Bundesliga beantragt“, berichtet der Geschäftsführer. „Doch uns ist bewusst, dass im Falle eines Aufstiegs bedeutende Voraussetzungen erfüllt werden müssen“, sagt Schmitz und zählt unter anderem auf: eine eigene Trainingshalle, Eigenkapital in Höhe von 250 000 Euro – aktuell liegt der Club bei 80 000 Euro – einen Mindestetat von 1,6 Millionen Euro – aktuell sind es 1,2 Millionen Euro – sowie mehrere zusätzliche hauptamtliche Mitarbeiter im Club. Doch Schmitz versichert: „Wir würden dafür kämpfen, dass ein Aufstieg zu realisieren wäre.“ Um dies zu stemmen, sei allerdings auch die Wirtschaft in der Region gefragt. „Dann müssten alle mitanpacken.“

Für Trainer Marco van den Berg sind diese Details kein Thema. Der Coach blickt ausschließlich auf den kommenden Gegner. Er sagt: „Crailsheim ist eine sehr gut gecoachte Mannschaft, die einen hervorragenden Basketball spielt. Sie zu brechen wird ein hartes Stück Arbeit.“ Sein Team gehe allerdings nicht unter dem Motto „Och, wir sind zufrieden mit dem Erreichten“ in die Serie. „Nein, wir gehen da rein, um zu gewinnen.“ Er mache sich Gedanken, wie die Merlins zu knacken seien, und ergänzt: „Ich habe noch ein paar Tricks in petto“ – seine Jungs können ihm vertrauen.

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