Gladiators vor dem Heimspiel gegen Chemnitz

Basketball : Der, der immer lacht - Gladiator Justin Alston im Porträt

Vor dem wichtigen Heimspiel gegen Chemnitz am Samstagabend (20 Uhr/Arena Trier) spricht Gladiator Justin Alston über Zungenbrecher, seine Verbindung zu einem früheren TBBler und Donald Trump. Derweil wird’s in der Arena gegen Chemnitz wohl so richtig voll.

Da ist ein Wort. Es fällt ihm einfach nicht ein. Justin Alston überlegt. Die Jungs aus dem Team hatten diesen deutschen Zungenbrecher letztens mal fallen gelassen. Er wollte sich den doch unbedingt merken. „Das klingt so verrückt“, sagt der 23-Jährige herzlich lachend, „ich kann es nicht aussprechen – echt, ihr habt vielleicht Wörter auf Deutsch – aber wie hieß das jetzt noch mal?“. Alston, der Center der Römerstrom Gladiators Trier, schüttelt den Kopf. Dabei versucht er sich doch immer möglichst viele neue deutsche Vokabeln zu merken, im Supermarkt und im Restaurant stets auf Deutsch zu bestellen. „Dank meiner Teamkollegen kenne ich auch all die Schimpfwörter, die man so braucht“, sagt Alston mit einem breiten Grinsen im Gesicht, „aber die behalte ich jetzt mal lieber für mich“. Nur dieses eine Wort, das ist einfach nicht da gerade. Egal.

Was hatte Gladiators-Center Kilian Dietz kürzlich noch über Alston gesagt? „Der ist immer gut drauf, lacht unglaublich viel und wirft öfter mit Deutsch-Fetzen um sich.“ Wenige Sekunden nach der Begrüßung die Erkenntnis: Stimmt, Dietz hat recht. Es schüttet, Alston ist minutenlang durch den strömenden Trierer Regen gestapft – na und? Der Gladiator lässt sich die gute Laune nicht verderben, strahlt zur Begrüßung unter seiner Kapuze hervor. „Ich liebe den Winter hier, toll oder?“ Kurz darauf sitzt er in einem Café in der Innenstadt. Vor sich auf dem Tisch ein Glas Sprudel. Es wird lange dauern, bis er es geleert hat, denn er hat viel zu erzählen, sehr viel.

Nach Ende seiner Zeit im College-Team der Boston University Ende März 2017 – Alston legte gleichzeitig seinen Master in Projekt-Management ab – wechselt der 2,03-Meter-Mann im Sommer an die Mosel. „Für mich war der Schritt nach Deutschland ein bedeutender“, erzählt der 23-Jährige. „Hier bin ich zum ersten Mal komplett auf mich allein gestellt, weit weg von meiner Familie. Kann mich in meinem ersten Profijahr  voll auf Basketball konzentrieren.“

Entscheidenden Anteil an seinem Wechsel hatte dabei ein ehemaliger Trierer: Aufbauspieler Ricky Harris, in der Saison 2014/15 für die TBB Trier aktiv. Beide kennen sich aus Boston. „Als ich ihm vom Angebot aus Trier berichtete, sagte er: ,Du wirst es dort genießen, das ist eine tolle, kleine Stadt, in der du dich sehr gut auf den Sport konzentrieren kannst. Mach das, unbedingt’. Das war gut zu hören.“

Die ersten sieben Saisonspiele laufen gut für Alston, er spielt regelmäßig, punktet konstant. „Ich fühlte mich schnell wohl, auch wenn ich im ersten Trainingslager direkt gemerkt habe: „Wow, Coach Marco meint es ernst – das war schon ein ordentliches Trainingsprogramm. Aber eben dieser harten Arbeit haben wir es zu verdanken, dass wir heute so fit sind.“ Doch im Training Anfang November der Rückschlag: Haarriss im Fuß. Die Folge: monatelange Auszeit. „Das war hart“, gesteht Alston, „speziell als der Club dann verständlicherweise in Anton Shoutvin einen Ersatz für mich verpflichtete“.

Es ist der erste Zeitpunkt im Gespräch, als sein Lachen kurzzeitig aus seinem Gesicht verschwindet. „Ich habe niemals daran gedacht, aufzugeben oder zurück in die USA zu gehen. Im Gegenteil: Ich habe mir geschworen, noch stärker zurückzukommen.“

Anfang März 2018 steht fest: Alston hat seine Ankündigung wahrgemacht. Seit fünf Partien ist er wieder mit dabei, steigert sich kontinuierlich. Der Höhepunkt am vergangenen Sonntag in Hagen, als der Mann mit der Trikotnummer 1 seine beste Saisonleistung aufs Parkett zimmert, gleich ein Double-Double hinlegt (19 Punkte/10 Rebounds/2 Blocks). „Wir wachsen als Team immer enger zusammen. Das hat man auch in Hagen gesehen. Gerade Simon und Buck haben mich immer wieder stark in Szene gesetzt“, betont er. Gerade zu Jermaine Bucknor hat Alston eine ganz besondere Beziehung. „Er ist wie ein Onkel für mich, nimmt mich oft zur Seite, gibt mir Tipps, sagt mir, was ich besser machen kann – ein klasse Typ“, erzählt der Mann aus Washington D.C.

Aufgewachsen ist er nur einen Katzensprung entfernt vom Weißen Haus, zu dessen Hausherren er so seine ganz eigene Meinung hat: „Ich hätte niemals für möglich gehalten, dass Donald Trump zum Präsidenten gewählt werden könnte. Er ist so wankelmütig, sagt mal dies, sagt mal das. Das ist beängstigend – gerade mit Blick auf den Nordkorea-Konflikt.“ Es ist das zweite Mal im Gespräch, dass Alston seine Lockerheit kurzzeitig verliert.

Das ändert sich schnell, als es wieder um seine Gladiatoren geht: „Wie man sieht, machen wir momentan wahr, was wir seit Saisonbeginn betont haben: Zum Ende der Spielzeit unseren besten Basketball zeigen zu wollen. Das gilt es jetzt auch in den letzten Saisonspielen zu bestätigen – auch am Samstag gegen Chemnitz.“

Übrigens, das Wort, dieser Zungenbrecher, es fällt ihm dann doch ein. Alston:  „Wie lautet noch das deutsche Wort für squirrel?“ Eichhörnchen. „Ja, genau, das war es, ,Eichgehornchen’ – was für ein Wort“, sagt er und fängt wieder an zu lachen.

Mehr von Volksfreund