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Basketball
Gladiators mit Befreiungsschlag: Heimsieg gegen Hamburg Towers

 Was für ein Einsatz: Jermaine Bucknor (am Boden) hat den Ball erkämpft. Gladiators-Coach Christian Held gefällt’s.
Was für ein Einsatz: Jermaine Bucknor (am Boden) hat den Ball erkämpft. Gladiators-Coach Christian Held gefällt’s. FOTO: Willy Speicher
Trier. Was für ein Befreiungsschlag für die Römerstrom Gladiators Trier: Das Team von Trainer Christian Held hat am Samstagabend mit 78:63 (43:38) gegen den Tabellenzweiten Hamburg Towers gewonnen. Die Gladiatoren zeigten dabei vor 3136 Zuschauern in der Arena Trier eine überzeugende Leistung - allen voran Jermaine Bucknor. Der Kanadier war nie zu stoppen. Von Marek Fritzen
Marek Fritzen

Die folgende Szene muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Sie steht beispielhaft für den beeindruckenden Kampf, den die Römerstrom Gladiators Trier am Samstag – im wahrsten Sinne des Wortes – aufs Parkett legen: Dreieinhalb Minuten sind noch zu spielen in Halbzeit eins. Die favorisierten Hamburg Towers sind stark ins Spiel gekommen, führten früh deutlich (4:13). Doch Trier kämpfte sich Stück für Stück zurück, ist nun wieder drin in der Partie, führt sogar knapp (34:32). Dann das: Hamburg mit einem Fehlpass, der Ball trudelt übers Feld. Dann fängt ihn Towers-Aufbauspieler Achmadschah Zazai. Und jetzt geht’s rund: Gladiator Jermaine Bucknor kommt herangeflogen, klammert sich an den Ball. Zazai und Bucknor rollen übers Parkett – es ertönt der Pfiff der Schiedsrichter. Sprungball – Ballbesitz für Trier. Was für ein Einsatz von Jermaine Bucknor – der 35-Jährige erwischt einen Sahnetag, wird Mann des Spiels. Doch die Szene ist noch nicht vorbei: Es folgt der Einwurf: Der Ball landet bei Thomas Grün und der Luxemburger versenkt den Dreier (37:32). Die 3128 Zuschauer in der Arena toben.

Was die Gladiatoren am Samstagabend zeigen, ist eine beeindruckende kämpferische Leistung und insbesondere defensiv hervorragend. Bucknor geht voran, zeigt ein Wahnsinnsspiel, punktet selbst, setzt andere in Szene. Am Ende sammelt er 34 Punkte und sechs Assists. Er besitzt immensen Anteil daran, dass die Gladiatoren nach zuletzt zahlreichen ernüchternden Auftritten zum Jahresbeginn 2019 ein echtes Ausrufezeichen setzen und mit 78:63 (43:38) gegen den Tabellenzweiten aus Hamburg gewinnen.

Coach Christian Held ist die Erleichterung nach der Partie anzusehen: „Wir haben einen sehr guten Job gemacht heute, haben Hamburg bei 63 Punkten gehalten. Ein Team, das sonst im Schnitt über 80 Zähler erzielt.“ Außerdem habe sein Team die Hanseaten zu 18 Ballverlusten gezwungen, bei nur 11 Assists. Ein dickes Lob gibt’s außerdem für den Mann des Spiels: „Buck und Johannes Joos haben offensiv ein überragendes Spiel gezeigt. Wie Jermaine die Würfe getroffen und seine Mitspieler in gute Positionen gebracht hat – das war hervorragend.“

 Starke Leistung gegen Hamburg: Thomas Grün (mit Ball). Der frühere Trierer Justin Raffington (Nummer 23) schaut staunend zu.
Starke Leistung gegen Hamburg: Thomas Grün (mit Ball). Der frühere Trierer Justin Raffington (Nummer 23) schaut staunend zu. FOTO: Willy Speicher

Dabei sieht es zu Spielbeginn gar nicht gut aus für das Held-Team. Hamburg startet bärenstark, die Hanseaten zeigen, warum sie auf Platz zwei stehen und das Hinspiel mit 108:62 so deutlich für sich entschieden hatten.

Noch keine fünf Minuten sind gespielt, da nimmt Christian Held bereits die erste Auszeit. Zum wiederholten Mal hat sein Team da soeben Punkte von Hamburgs Center Janik Freese kassiert (2:9). Dass Trier in den folgenden Minuten im Spiel bleibt, liegt an Jermaine Bucknor: Der Kanadier agiert mit jeder Menge Engagement, ackert in der Defense und reißt sein Team offensiv mit. Der Routinier geht voran, erzielt allein im ersten Viertel 13 Punkte. Er hat wesentlichen Anteil daran, dass die Gladiatoren den Rückstand zum Ende der ersten zehn Minuten auf vier Zähler verkürzen (17:21). Trier ist nun ebenbürtig. Das Team hat sich über starke Defensivarbeit in die Partie gekämpft. Die Fans in der Arena honorieren das mit begeistertem Applaus.

Was die Herren in Grün dann in den zweiten zehn Minuten bis zur Pause zeigen, ist mit das Beste, was die Mannschaft in dieser Saison bislang aufs Parkett gelegt hat. Sowohl defensiv – sie haben die offensivstarken Hamburger nun deutlich besser im Griff als in den Anfangsminuten – als auch offensiv sieht das über weite Strecken sehr gut aus. Defensiv agieren die Trierer weiter mit großem Einsatz, erzwingen immer wieder Hamburger Ballverluste. Und offensiv zeigen sie über weite Strecken Teambasketball. Angeführt vom nicht zu bremsenden Bucknor. Der 35-Jährige punktet nicht nur, er setzt seine Mitspieler auch immer wieder hervorragend in Szene. 24 Punkte und drei Assists sammelt er bis zur Halbzeit. Mit einer verdienten Trierer Fünf-Punkte-Führung geht’s in die Pause (43:38).

Nach der Halbzeit geht’s genauso weiter. Trier bleibt das dominante Team. Regelmäßig versuchen Jermaine Bucknor, Simon Schmitz & Co. den Ball auf die Langen Johannes Joos und Till Gloger zu bringen. Vor allen Dingen Joos macht es sehr gut in dieser Phase, punktet und punktet.

Der Ball läuft weiter gut. Nach einem Schnellangriff landet er bei Kelvin Lewis, der versenkt für drei – 52:44. Hamburgs Trainer Mike Taylor reicht’s, er nimmt die Auszeit. Stoppen kann er die Gladiatoren dadurch allerdings nicht. Das Held-Team spielt sich zweitweise in einen Rausch. Das Herzstück bleibt die aggressive Defensive-Arbeit. Hamburgs Ex-Bundesliga-Center Jannik Freese findet in Halbzeit zwei keine Mittel mehr dagegen, er wirkt sehr genervt. Trier nimmt ihn aus dem Spiel.

Angeführt vom überragenden Bucknor und den starken Joos und Thomas Grün – der defensiv einen richtig guten Job macht und auch vorne wichtige Würfe trifft – schrauben die Gladiatoren den Vorsprung bis zum Ende des dritten Viertels weiter nach oben (65:54).

Und im letzten Viertel? Kein Einbruch, Trier spielt es routiniert runter, bleibt in der Defensive fokussiert und auch offensiv das bessere Team – entscheidet die letzten zehn Minuten mit 13:9 für sich.

Triers erster Sieg seit Anfang Dezember ist absolut verdient. Nun geht’s am kommenden Freitag zu Tabellenführer Chemnitz.

Statistik

Punkte Trier: Lewis 8, Smit 0, Bucknor 34, Hennen 0, Schmikale 0, Dietz 0, Schmitz 2, Grün 11, Ilzhöfer 0, Buntic 0, Gloger 2, Joos 21 - Beste Schützen HH: Beech 11, Zazai 11, Raffington 10 - Viertelstände: 17:21/43:38/65:54 - ZS: 3136