Basketball: Hemd statt Trikot: Die besondere Karriere des früheren Gladiators Jack Eggleston

Basketball : Hemd statt Trikot: Die besondere Karriere des früheren Gladiators Jack Eggleston

Im Sommer 2017 hat Jack Eggleston die Römerstrom Gladiators Trier verlassen. Mittlerweile trägt der 30-Jährige Hemd statt Trikot.

An ihm hat es nicht gelegen. So viel steht fest. Jack Eggleston hat alles gegeben, wirklich. Das Trikot mit der Nummer 13, das von Thomas Müller, er hat es getragen, wann immer es ging. Sein Kumpel und früherer Trierer Teamkollege Kevin Smit hatte es ihm vergangenen Sommer in die USA geschickt. Eggleston ist damit durch den Madison Square gejoggt, er ist damit durch Manhattan spaziert, er hat es in der Sportsbar getragen – auch beim Vorrunden-Duell gegen Schweden, als Toni Kroos in letzter Sekunde diesen Wahnsinns-Freistoß versenkte und Fußball-Deutschland noch mal träumen ließ vom Einzug ins WM-Achtelfinale vergangenen Sommer in Russland. „Das“, sagt Jack Eggleston“, „das war noch der emotionalste Moment – ansonsten war das ja eher nix bei der WM. Mit meinem Müller-Shirt habe ich Deutschland dann doch irgendwie kein Glück gebracht – schade“. Dann fängt er an zu lachen.

Jack Eggleston: Von Herbst 2015 bis Sommer 2017 spielte der Power Forward für die Gladiators Trier in der 2. Basketball-Bundesliga. Neben dem Feld freundlich und offen, auf dem Feld zuverlässig und kämpferisch – der Mann aus Indianapolis wurde schnell zum Publikumsliebling in Trier. Einer seiner stärksten Auftritte: Playoff-Viertelfinale Nummer vier gegen die Niners Chemnitz im Frühjahr 2017. Mit 18 Punkten und sieben Rebounds hatte Eggleston großen Anteil daran, dass Trier ein fünftes Spiel gegen die Sachsen erzwingen konnte. Danach, im Sommer 2017, verließ der 2,03-Meter-Mann die Stadt an der Mosel.

Eineinhalb Jahre später, an einem Tag im Februar 2019, flüstert Jack Eggleston ins Telefon: „Moment kurz, ich gehe eben raus aus dem Großraumbüro.“ Ein paar Sekunden vergehen, dann: „So, jetzt geht’s, hier in diesem Raum kann ich in Ruhe telefonieren.“ In Trier an der Mosel ist es kurz nach 16 Uhr, bei Jack Eggleston im Büro ist es kurz nach 10 Uhr. Der 30-Jährige hat Basketball gegen Laptop, Trikot gegen Hemd getauscht, arbeitet jetzt für KPMG, ein globales Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen. „Mir war klar, dass ich vom Basketball auf lange Sicht nicht leben kann, nirgendwo ein NBA-Gehalt bekommen werde – daher habe ich mich umgesehen“, erzählt Eggleston.

In seinem Team bei KPMG betreut er heute Firmen aus dem Bereich „Life-Science“, unter anderem Pharma-Unternehmen. „Der Job ist spannend, macht mir echt Spaß.“ Auch wenn er gesteht: Die Trainingshalle, die Basketball-Klamotten, die Spiele – all das, es fehle ihm schon. Eine „echte Umstellung“ sei das in der Anfangsphase gewesen. „Aber ich habe im Büro einen verstellbaren Schreibtisch“, bemerkt Eggleston lachend, „den fahr ich hoch und runter, wenn mir nach ein bisschen Bewegung ist“.

Der 30-Jährige, der in Pennsylvania Wirtschaftswissenschaften, Philosophie und Politik studiert hat, lebt im New Yorker Stadtteil Chelsea, unweit des Madison Square Gardens. „Ich wohne mit drei Mitbewohnern in einer Wohngemeinschaft“, erzählt der Fan von Borussia Dortmunds US-Fußballstar Christian Pulisic. „Eine eigene Wohnung wäre einfach zu teuer gewesen hier in der Stadt.“

An der Mosel war das anders: Da lebte Jack Eggleston auf dem Petrisberg, nicht weit von der Universität. Eine Zeit, an die er sich gerne zurückerinnert: „Wenn ich vom Petrisberg runter in die Stadt gefahren bin ... dieser Blick ins Tal – traumhaft“, schwärmt der frühere Profi. Überhaupt werde er die Zeit in Trier nie vergessen. Denn: „Die Mischung in unserer Mannschaft – mit den Jungen wie Rupert Hennen, Seba Herrera, die noch die Schule besuchten, und den Alten, Erfahrenen wie Jermaine Bucknor, dem dreifachen Familienvater – diese Mischung war großartig, eine tolle Gruppe. Wir haben uns alle so gut verstanden.“ Nach wie vor verfolge er, was sein Ex-Team in der ProA so mache. „Ich hoffe sehr, dass sie es in die Playoffs schaffen – verdammt, dass sie gegen Nürnberg erneut verloren haben.“

Mit mehreren seiner früheren Teamkollegen steht der US-Amerikaner noch in Kontakt. Eggleston erzählt: „Kevin Smit und ich spielen regelmäßig übers Internet Schach.“ Und fügt amüsiert hinzu: „Das kann ich ruhig verraten: Ich bin besser als er. Kevin hat keine Chance gegen mich.“ Auch mit Kilian Dietz und Ex-Gladiator Thomas Henkel steht die frühere Trierer Nummer 23 noch in Kontakt. „Ich hoffe, sie kommen mich bald mal hier in New York besuchen.“

Falls das klappen sollte, die Freunde tatsächlich bald mal in seiner neuen Heimatstadt auf der Matte stünden: Würde er sie dann auf Deutsch begrüßen? „Oh, oh“, setzt Eggleston an und beginnt zu lachen, „um ehrlich zu sein: Meine Deutschkenntnisse sind ein wenig eingerostet, leider in Vergessenheit geraten“.

Nach wie vor sehr präsent sei für ihn dagegen die deutsche Mülltrennung. Die hatte er einst in Leverkusen gelernt, seiner ersten Station in Deutschland. Das ältere Ehepaar („sie waren wie Großeltern für mich“), in dessen Einliegerwohnung er dort am Rhein lebte, hatte ihm die Geheimnisse von Kunstoff-, Papier- und Restmüll nähergebracht. „Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern“, gesteht Eggleston lachend. „Das mit dem Müll, das ist hier in den Staaten ein bisschen einfacher.“

Dann muss er ins Großraumbüro, zurück an seinen verstellbaren Schreibtisch.

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