Kostenpflichtiger Inhalt: Interview Ralph Junge : Basketball: „Trier ist ein großer und attraktiver Gegner“ - Nürnberg-Boss im Interview

Gastspiel der Gladiators Trier in Nürnberg am Samstagabend (19.30 Uhr/www.airtango.live): Die Franken hatten den Aufstieg in der vergangenen Saison sportlich gepackt, aufsteigen durften sie jedoch nicht. Vor der Partie spricht der Falcons-Geschäftsführer über die Folgen des Nicht-Aufstiegs und eine verrückte Reise an die Mosel.

(mfr) Fünfmal: Gegen kein Team hat Basketball-Zweitligist Römerstrom Gladiators Trier in der vergangenen Saison häufiger gespielt als gegen die Nürnberg Falcons. Zu den zwei Hauptrundenspielen kamen noch drei Playoff-Duelle hinzu. Bitter für Trier: Nur ein einziges der fünf Spiele konnte die Mannschaft von Trainer Christian Held für sich entscheiden. Zu stark war das Überraschungsteam aus dem Süden der Republik. Die Franken donnerten durch Hauptrunde und Playoffs, packten am Ende den sportlichen Aufstieg. In die Bundesliga durfte der Club dann trotzdem nicht: Nach einer ewigen Hängepartie – inklusive Rechtsstreit – verweigerte die BBL den Nürnbergern die Teilnahme an der höchsten deutschen Spielklasse. Grund unter anderem: eine nicht den BBL-Standards entsprechende Halle. Die Entscheidung sorgte rund um den Club für jede Menge Unmut und für Aufsehen in ganz Basketball-Deutschland.

Grund genug, vor dem Gastspiel der Gladiators Trier bei den Falcons am Samstag (19.30 Uhr/www.airtango.live) mal bei Falcons-Geschäftsführer und -Co-Trainer Ralph Junge (50) nachzuhören, wie der Club den Rückschlag verdaut hat. Herausgekommen ist ein Gespräch über große Frustration, finanzielle Schwierigkeiten und die enge Verbindung zu einem Luxemburger. Und dann fallen noch Worte in Richtung der BBL-Verantwortlichen, die nachdenklich machen.

Herr Junge, können Sie sich noch an Ihre letzte Fahrt mit den Nürnberg Falcons nach Trier erinnern?

Ralph Junge Oh ja, das kann ich (lacht).

Es war zum zweiten Playoff-Viertelfinal-Duell bei den Gladiators im vergangenen April …

Junge Ja, genau. Wir sind mittags am Tag vor dem Spiel in Nürnberg los. Dann standen wir erst mal in einem Stau nach dem anderen. Bei Frankfurt hatte einer unserer Kleinbusse dann auch noch einen Motorschaden. Die Jungs haben wir dort in einer Pizzeria geparkt, während ich mich um einen Ersatzwagen gekümmert habe. Wir waren erst lange nach Mitternacht in Trier.

Was für ein Stress: Hatten Sie eigentlich auch schon mal Gelegenheit, sich Trier in Ruhe anzusehen?

Trafen im vergangenen Jahr im Playoff-Viertelfinale aufeinenader: Die Gladiators mit Till Gloger und Nürnberg mit Robert Oehle. Foto: Willy Speicher

Junge Auf jeden Fall. Ich kenne die Stadt, war schon öfter dort, auch in Luxemburg. Denn zu meiner Zeit an der Basketball-Akademie in Urspring waren dort auch viele Trierer und Luxemburger aktiv – Thomas Grün und Benedikt Breiling zum Beispiel.

Stichwort Urspring: Die Basketball-Akademie haben Sie 1998 gegründet und dort bis 2014 unter anderem als Trainer gearbeitet. Wie eng haben Sie damals Thomas Grüns Weg begleitet?

Junge Super eng, ich habe ihn jeden Tag gesehen. Das ist das Besondere an Urspring: Es gibt dort eine große Nähe zwischen allen Beteiligten. Wir haben mit den Jungs auch regelmäßig Weihnachten und Silvester zusammen in den USA verbracht. Diese enge Bindung hält bei vielen bis heute an. Es ist wie eine große Familie.

Heißt, Sie stehen nach wie vor in engem Kontakt zu Thomas Grün?

Junge Es ist jetzt nicht so, dass wir jede Woche telefonieren, aber wir haben schon Kontakt und freuen uns immer, wenn wir uns sehen.

Am Samstag werden Sie ihn allerdings nicht auf dem Feld sehen – er ist verletzt …

Junge Das weiß ich, ja. Sehr schade, besonders, weil er sich in den vergangenen Spielzeiten kontinuierlich weiterentwickelt hat. Aber er wird sicher bald wieder fit sein. Es ist schön zu sehen, dass er zu einem richtig guten ProA-Spieler geworden ist.

Blicken wir mal auf Ihren Club: Hand aufs Herz, Herr Junge, hätten Sie nach dem sportlichen Erreichen des Bundesliga-Aufstiegs in der vergangenen Saison tatsächlich damit gerechnet, in dieser Saison wieder gegen Trier in der ProA anzutreten zu müssen, anstatt nach Berlin oder München fahren zu können?

Treten am Samstag in Nürnberg an: die Gladiators Trier. Foto: Verein

Junge Tja, sagen wir mal so: Wir als sportlicher Aufsteiger haben den Auflagenkatalog der Bundesliga unseres Erachtens nach erfüllt. Somit haben wir schon darauf gehofft, auch in der BBL gegen Teams wie Berlin und München antreten zu können. Nun müssen wir in der ProA verweilen. Das zu akzeptieren, war natürlich frustrierend und enttäuschend.

Hatten Sie eigentlich im Sommer nach dem ganzen Theater mal daran gedacht, alles hinzuschmeißen?

Junge Nein, das ist nicht meine Art. Dafür bin ich zu sehr Sportler. Man kämpft für etwas. Und nur weil es dann nicht klappt, schmeißt man nicht einfach hin.

Der Rechtsstreit mit der BBL hatte nicht nur sportliche Folgen für den Club, auch finanziell hat er den Falcons geschadet: Sie mussten die kompletten Verfahrenskosten tragen – wie hat der Verein das weggesteckt?

Junge Das hat uns natürlich wehgetan. Man darf auch nicht vergessen, dass wir Anfang der vergangenen Saison auch noch den notgedrungenen Umzug von unserer alten Halle in die Halle am Flughafen zu stemmen hatten.

Zur Erklärung: Ihre alte Halle wurde vor Beginn der Saison 2018/19 aufgrund von Baumängeln gesperrt. Sie mussten daraufhin schnellstmöglich einen Ausweich­ort finden und als Sie den gefunden hatten, dort ein Nachholspiel nach dem anderen organisieren …

Junge Genau. Da sind uns schon finanzielle Aufwendungen entstanden, die niemand einkalkuliert hatte. Denn wer rechnet schon damit, dass eine Halle wegfällt und man eine neue einrichten muss? Wenn man dann noch einen Aufstiegs-Rechtsstreit mit der BBL verliert, obwohl man sich im Recht fühlt, ist das schon heftig. Das ragt natürlich in die jetzt laufende Saison hinein und muss nun erst mal aufgefangen werden.

Und, wie gelingt das?

Junge Wir arbeiten daran. Ich komme gerade von einem Termin bei einem Sponsor, der uns eine Finanzspritze zugesagt hat.

Wie zu hören ist, hilft auch die Stadt Nürnberg mit?

Junge Ja, das stimmt. Wobei die Stadt auch nur einen Teil des entstandenen Schadens trägt.

Mindest-Etat, Mindest-Kapazitäten in den Hallen, Trainingshalle und so weiter: Die Hürden für den Aufstieg in die BBL sind hoch, wie Sie selber leidlich erfahren mussten: Was halten Sie von dem eingeschlagenen Weg der Bundesliga?

Junge Wirtschaftliche Faktoren rücken immer mehr in den Vordergrund. Stellt sich die Frage: Zählen nur die Interessen der großen Euroleague-Clubs oder auch die der Vereine, die im Mittelfeld der 2. Basketball-Bundesliga stehen? Man kann nicht alles immer nur nach DIN-Norm festlegen. Jeder Standort hat auch seine eigenen Faktoren, seinen eigenen Charme. Die Bundesliga sollte froh sein, dass es Teams wie Crailsheim oder Vechta gibt, denn diese Clubs sorgen für Storys. Sie machen die Liga hundertmal spannender, als wenn nur die Großen Berlin gegen Hamburg oder Bonn gegen München spielen.

Sie befürchten, die Heterogenität könnte der BBL abhandenkommen?

Junge Zum Teil ja. Es wird versucht, sehr viel zu normen und mit Auflagen zu versehen. Das gilt im Übrigen auch für die ProA: Klar, haben Teams wie Rostock andere finanzielle Möglichkeiten als beispielsweise Ehingen oder Kirchheim. Da muss man sich überlegen, wer diesen Weg noch mitgehen kann. Es besteht die Gefahr, dass das Geld irgendwann nur noch in die Infrastruktur fließt und für die Spieler so gut wie nichts mehr übrig bleibt.

Wobei: Eine Stadt wie Nürnberg mit mehr als 500 000 Einwohnern und einer neuen geplanten Basketballhalle, die schon im kommenden Herbst stehen soll, wie Nürnberger Medien berichten – so einen Standort müsste die BBL doch mit Kusshand aufnehmen …

Junge Das haben wir uns auch gedacht. Was die wahren Gründe waren, uns die Lizenz zu verweigern, werden wir wohl nie erfahren. Auch die ganze Art und Weise, wie das Verfahren ablief, das war schon suspekt. Aber das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen.

Nachdem Sie in den vergangenen Jahren als Trainer, Sportlicher Leiter und Geschäftsführer fungierten, haben Sie das Cheftrainer-Amt nun ihrem bisherigen Assistenten Vytautas Buzas übergeben und agieren seit dieser Saison als dessen Co-Trainer – fiel ihnen das nicht schwer?

Junge Ich kann damit gut leben, auch wenn es während des Spiels natürlich schon kribbelt. Ich genieße es aber auch, das Spiel mal mit ein bisschen mehr Ruhe anzuschauen. Mit Vytautas Buzas haben wir einen tollen Trainer, der den Job sehr gut ausfüllt. Und ganz ehrlich: Ich habe jetzt 21 Jahre lang nur trainiert, teilweise zwei, drei Teams parallel, da genieße ich es auch sehr, einen Abend einfach mal frei zu haben oder den Sonntag nicht mit einer Videoanalyse beginnen zu müssen.

Dennoch haben Sie eine schlagkräftige Truppe zusammenbekommen, mit Duane Wilson einen der besten Aufbauspieler der Liga geholt (19,4 Punkte/4 Assists) – wo haben Sie den denn ausgegraben?

Junge Naja gut, bei den ausländischen Spielern entscheidet sich Vieles immer erst im Juli und August. Da ist Geduld gefragt. Bei Duane Wilson hat uns geholfen, dass er in der vergangenen Saison nicht gespielt hat und somit ein wenig weg war vom Radar. Die Ausländerpositionen sind aber auch nicht so knifflig, das sind eher die deutschen Spieler. Insbesondere dann, wenn man erst Mitte Juli anfangen kann, zu suchen.

Aber auch bei den Deutschen hatten Sie ja ein sehr glückliches Händchen – unter anderem haben Sie den früheren Bundesligaspieler Stephan Haukohl verpflichtet …

Junge Bei Stephan sind wir wieder beim Thema Urspring: Wir kennen uns beide von dort. Diese Verbindung hat ihn dann auch mit dazu bewogen, sich gegen das eine oder andere Angebot aus der 1. Liga und für uns zu entscheiden.

Durch die Hängepartie in Sachen BBL-Lizenz hingen Sie in Sachen Kaderplanung lange in der Luft: Wie haben Sie das dann gemanagt?

Junge Das war alles andere als einfach. Viele der Spieler aus der vergangenen Saison haben bis auf den letzten Drücker gewartet, wollten gerne bleiben. Ishmail Wainright zum Beispiel (einer der Falcons-Stars des vergangenen Jahres, Anm. d. Red.) hat bis Ende Juni mit seinem Wechsel gewartet. Er wäre gerne geblieben, doch am Ende hat er in Vechta unterschrieben, weil sich das alles so lange hingezogen hat bei uns. Am Ende haben wir vier Spieler verloren, die im vergangenen Jahr zur Starting-Five gehörten

Wie lautet denn in diesem Jahr das Saisonziel?

Junge Ich fand es vor der Saison schon sehr erstaunlich, dass jedes Team gefühlt von Playoffs oder dem Erreichen einer Top-4-Platzierung geredet hat – was ja mathematisch schon sehr schwierig ist (lacht). Nein, wir sind glücklich, dass wir mit 7:2-Siegen gestartet sind. Jetzt schauen wir einfach mal, ob wir gesund bleiben. Aber natürlich wäre es schön, wieder in die Playoffs einzuziehen.

Und auf lange Sicht: Ist das Nürnberger Ziel weiterhin die Bundesliga?

Junge Na klar, das muss unser Ziel sein. In einer Großstadt wie Nürnberg muss man Erstligist sein, um wahrgenommen zu werden – mal abgesehen vom 1. FC Nürnberg, dem die Fans auch in Liga zwei die Bude einrennen (lacht).

Schauen wir auf die Gladiators Trier: Wie nehmen Sie den Club aus der Ferne wahr?

Junge Super sympathisch. Ich habe einen guten Draht zu den Verantwortlichen. Es macht Spaß, dort als Gastmannschaft zu spielen. Ich mag den Umgang der Gladiators-Fans mit den Gästen. Toll zu sehen, dass sie nach dem Abstieg 2015 wieder solche Kontinuität reingebracht haben. Trier ist ein großer und attraktiver Gegner in der ProA.

Für Sie auch ein Playoff-Kandidat?

Junge Definitiv: Aber die Liga ist so ausgeglichen, man muss abwarten, was die Spielzeit bringt. Das gilt für Trier, das gilt auch für uns. Wichtig wird sein, über die Saison möglichst viel Konstanz zu zeigen.

Und wer weiß, vielleicht trifft man sich dann in den Playoffs wieder …

Junge Genau, wer weiß …

Interview: Marek Fritzen