Basketball: Nach dem Schalke-Sieg wird’s stressig für die Gladiators

Basketball : Nach dem Schalke-Sieg wird’s stressig für die Gladiators

Beim Gladiators-Sieg gegen Schalke am Wochenende sind drei Punkte aufgefallen. Welche das sind, und warum das kommende Wochenende ganz besonders stressig werden wird für das Team von Trainer Christian Held.

Der Mann hat im Basketball so gut wie alles gesehen: Euroleague-Finale 2011 zwischen Panathinaikos Athen und Maccabi Tel Aviv – er war dabei! EM-Viertelfinale 2011 zwischen Serbien und Russland – er stand auf dem Parkett. Olympia-Halbfinale 2016 zwischen Australien und Serbien – auch das hat Robert Lottermoser geleitet. Der 42-Jährige gehört zu den erfahrensten deutschen Basketball-Schiedsrichtern. Aber was der Mann aus der Nähe von Berlin am Sonntag in der Willy-Jürissen-Halle in Oberhausen zu sehen bekommen hat, wird auch er wohl so schnell nicht mehr vergessen. Da die Bundesliga aufgrund der WM-Qualifikation (siehe Text unten) am vergangenen Wochenende pausierte, pfiff Lottermoser in der ProA, leitete die Partie der Römerstrom Gladiators Trier beim Drittletzten Schalke 04 – und sah ein Wahnsinns-Finale: Nachdem die Trierer sechseinhalb Minuten vor Spielende bereits mit 15 Zählern hinten gelegen hatten (45:60), startete das Team von Trainer Christian Held einen unglaublichen Zielspurt. 4,7 Sekunden vor Ende – Trier liegt mit einem hinten (63:64) – dribbelt Simon Schmitz an der Dreierlinie entlang. Die Sekunden laufen herunter: 4,3,2,1 – dann nimmt der Kapitän den Schuss und trifft für Drei. 66:64, der Auswärtssieg ist perfekt.

„In den Schluss-Sekunden war ich dem Herzinfarkt nahe“, gesteht Christian Held am Montagmittag und beginnt zu lachen. „Das hat Simon überragend gemacht. Dass er diese Würfe treffen kann, hat er in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, auch wenn er in dieser Saison noch nicht so das Glück gehabt hat.“

Der 66:64 (37:33)-Erfolg vom Sonntagabend: wichtiger geht’s kaum, es herrscht Erleichterung rund um den Club. Es ist der erste Sieg für Trier seit knapp einem Monat – und einer, der Hoffnung macht. Denn: Bis auf Viertel Nummer drei – in dem offensiv gar nichts gelingt, die einfachsten Würfe danebengelegt werden – ist das eine Leistung, die sich sehen lassen kann. Viel Tempo, viel Zug zum Korb, viel Team-Basketball. Das ist deutlich besser als zuletzt. Spielt Trier so weiter, sieht es gut aus mit dem Playoff-Einzug.

Drei Punkte sind dabei besonders auffällig:

1) Die Anfangsformation: Mit Rupert Hennen, Stefan Ilzhöfer, Luka Buntic, Till Gloger und Thomas Grün hat Triers erste Fünf am Sonntagabend Seltenheitswert. Wieso saßen Simon Schmitz, Jermaine Bucknor oder Johannes Joos zunächst auf der Bank? Man müsse, so berichtet Christian Held am Montag geheimnisvoll, man müsse immer mal was anders machen. „Die Gründe dafür behalten wir mannschaftsintern.“ Nur so viel: „Es war keine disziplinarische Maßnahme, es hatte mehr Kopfgründe“.

2) Till Gloger: Der zuletzt schwache Center zeigte gegen Schalke eine Top-Vorstellung, 20 Punkte und vier Rebounds können sich sehen lassen. Christian Held: „Till war sehr stark. Er hat uns mit seinen Punkten ins Spiel gebracht. Hat es immer wieder geschafft, Schalkes Große zu attackieren.“ Gloger habe zuletzt viele Extra-Schichten eingelegt, viel an sich gearbeitet. „Da ist es schön zu sehen, dass er sich selbst belohnt hat. Das war sicherlich auch für ihn persönlich ein kleiner Befreiungsschlag“, hofft der Gladiators-Coach.

3) Das Comeback: Nach starker erster Hälfte (37:33) verliert Trier in Viertel Nummer drei offensiv vollkommen den Faden – nichts geht mehr. Elf Minuten lang gelingt viertelübergreifend kein Korb. Nach zwei Punkten durch Schalkes Thomas Szewczyk liegen die Gladiators sechseinhalb Minuten vor Ende der Partie mit 15 Punkten zurück (45:60). Doch dann geht’s ab. Getragen vom starken Jermaine Bucknor kämpfen sich die Gäste tatsächlich noch in die Partie zurück. Trainer Christian Held lobt: „Wir haben zuletzt sehr viel daran gearbeitet, positiv zu bleiben, weiter dran zu glauben, auch wenn es mal nicht läuft. Ich bin extrem stolz auf meine Mannschaft, dass sie das nun geschafft hat.“ Um die negativen Erlebnisse der vergangenen Wochen aus den Köpfen zu kriegen, hatte sich der Gladiators-Express eigens einen Tag früher auf den Weg in den Ruhrpott gemacht. Am Samstagabend gab’s eine geführte Tour durch die Arena auf Schalke, der Heimat der Bundesliga-Fußballer: Kabine, Innenraum, Katakomben – einfach mal was anderes sehen. Es scheint, geholfen zu haben.

In ihrer eigenen Arena an der Mosel haben die Gladiatoren am kommenden Freitag (20 Uhr) die Gelegenheit, gegen Kirchheim den nächsten Schritt in Richtung Playoff-Teilnahme folgen zu lassen. Und dann? Samstag und Sonntag frei? Von wegen: Das Wochenende hat es besonders in sich für Christian Held und seine Jungs: Denn schon am Sonntag (3. März) steht das nächste Duell auf dem Programm. Dann tritt Trier auswärts bei Phoenix Hagen an.