Basketball: Nach der dritten Pleite in Serie: Wie geht’s weiter bei den Gladiators?

Basketball : Nach der dritten Pleite in Serie: Wie geht’s weiter bei den Gladiators?

Die sportliche Talfahrt hält an: Am Tag nach der 70:86-Heimniederlage gegen die Nürnberg Falcons äußert sich die Geschäftsführung der Römerstrom Gladiators Trier zur aktuellen Situation.

Samstagabend, es ist kurz nach 22 Uhr. In den Katakomben der Arena Trier hat Ralph Junge soeben den Raum der Pressekonferenz betreten. Noch ist nicht viel los. Nur ein, zwei Pressevertreter sind so kurz nach Spielende schon da. Der Trainer der Nürnberg Falcons nimmt den Stuhl links auf dem Podium. Die beiden Plätze neben ihm, sie sind noch leer. Es werden noch ein paar Minuten vergehen, bis Gladiators-Cheftrainer Christian Held und -Pressesprecher Vincenzo Sarnelli darauf Platz nehmen.

Junge zückt sein Smartphone, checkt die Ergebnisse der ProA-Konkurrenz. Kurz darauf: „Unglaublich, echt, unglaublich – fast nur Auswärtssiege!“ Chemnitz in Karlsruhe, Schalke in Quakenbrück, Hagen in Hamburg, Tübingen in Kirchheim – und das, was Junge am meisten erfreut: Nürnberg in Trier.

70:86 (35:45) heißt’s am Ende aus Sicht der Römerstrom Gladiators Trier gegen die Nürnberg Falcons – „echt, unglaublich!“ Es ist die dritte Pleite in Serie für das Held-Team, und ein weiterer Auftritt, der Fragen aufwirft. Zum Beispiel: Wie kann es sein, dass Trier nach derart furiosem Start – dreieinhalb Minuten lang agieren die Gladiators defensiv und offensiv überzeugend, verzeichnen Ballgewinne, treffen vorne alles, führen 10:0 – wie kann es sein, dass danach, sobald Nürnberg besser ins Spiel kommt, nichts mehr geht? Außerdem: Wie ist es zu erklären, dass Trier in einem derart wichtigen Spiel so emotionslos agiert? Zu keinem Zeitpunkt nach der starken Anfangsphase gelingt es der Mannschaft, den Funken vom Feld auf die 2213 Zuschauer überspringen zu lassen: emotionslos, ideenlos, tempolos, so sieht es über weite Strecken aus, das Offensiv-Spiel der Gladiatoren. Unterm Korb fehlt zudem die Durchsetzungskraft, das Reboundduell geht klar verloren. Wie schon beim Hanau-Spiel vor zwei Wochen verlassen erneut zahlreiche Fans die Arena vor Spielende.

Auch die Defense ist erneut schwach: Viel zu selten gelingt es den Gladiatoren die starken Marcell Pongo, Nils Haßfurther, Jackson Kent und Robert Oehle zu stoppen. 112 kassierte Punkte gegen Baunach, 95 gegen Hanau, 93 gegen Paderborn, am Samstag 86 gegen Nürnberg: Was ist los mit der Trierer Defensivarbeit?

Cheftrainer Christian Held gesteht am Samstagabend: „Es ist frustrierend: Wir haben viel investiert. Man hat auch gemerkt, dass die Jungs unbedingt wollten – der eine oder andere vielleicht zu viel.“ Es helfe jetzt nur, so der 30-Jährige, hart weiterzuarbeiten. „Es wird nicht besser, wenn wir jammern, und auch nicht, wenn wir den Kopf in den Sand stecken.“

Fest steht: Die Pleite ist eine mit Folgen. Durch die siebte Heimniederlage im zwölften Spiel rutscht das Held-Team aus den Playoff-Rängen, belegt jetzt nur noch Rang 10 – das Saisonziel Playoffs, es gerät immer mehr in Gefahr.

Geschäftsführer Achim Schmitz hatte vor dem Nürnberg-Spiel gefordert:  „Da steht nicht nur das Trainerteam unter Druck, sondern die ganze Mannschaft  – das muss gewonnen werden, egal wie!“ Und was nun? Am Sonntag betont Schmitz auf Volksfreund-Anfrage: „Wir werden das in Ruhe analysieren, uns Gedanken machen – und die Gedanken gehen in Richtung: wie kriegen wir das aus den Köpfen raus.“ Denn: „Uns ist klar, dass das eine Kopfsache ist.“ Der Wille sei da beim Team, „die sitzen nach dem Spiel in der Kabine, lassen die Köpfe hängen, sind sprachlos – sie wollen schon, kriegen es aber nicht umgesetzt“. Heißt also: Chefcoach Christian Held sitzt auch beim Spiel in Schalke am Sonntag auf der Bank? Dazu Schmitz: „Gegen Schalke ist Christian Held dabei – davon gehe ich ganz stark aus.“ Dann fügt der Unternehmer hinzu: „Wir haben einen Weg eingeschlagen, in dem wir deutschen Spielern Chancen geben wollen. Dazu gehört auch unser Cheftrainer Christian Held als junger deutscher Trainer. Wir haben jetzt eine Phase, in der es nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen – und daran müssen wir alle gemeinsam arbeiten.“

Er glaube, so betont Schmitz, weiterhin an die Playoffs. Doch was würde es für den Club bedeuten, wenn es nichts wird mit dem vierten Playoff-Einzug in Serie? „Wenn wir sie verpassen sollten, fehlt uns Geld. Das würde zwar keinen finanziellen Crash für den Club bedeuten, uns nicht umbringen. Aber dann müssten wir in der kommenden Saison den Spieleretat runterschrauben, oder wir könnten die Strukturen nicht so weiter ausbauen, wie wir es eigentlich planen – man müsste alles auf den Prüfstand stellen.“

Übrigens: Einen kleinen Lichtblick gibt es am Samstagabend dann doch  noch: Kyle Dranginis steht nach monatelanger Verletzungspause überraschend für ein paar Minuten auf dem Feld.

Statistik

Punkte TR: Lewis 20, Smit 3, Bucknor 12, Hennen 4, Schmitz 3, Grün 4, Gloger 8, Joos 16 – Viertelstände: 21:21/35:45/51:63/70:86 – Beste Schützen Nürnberg: Pongo 20, Kent 16 – ZS: 2213

Am kommenden Sonntag (18 Uhr) treten die Gladiators Trier auswärts beim Drittletzten Schalke 04 an. Das nächste Heimspiel ist für Freitag, 1. März, terminiert. Dann geht’s um 20 Uhr gegen Kirchheim.

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