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Basketball
(Fotos) Sensation im ersten Playoff-Halbfinale: Gladiators Trier gewinnen bei Favorit Crailsheim Merlins

Wahnsinnsspiel in Crailsheim: Gladiators siegen in Spiel 1.
Wahnsinnsspiel in Crailsheim: Gladiators siegen in Spiel 1. FOTO: sjs / Sebastian J. Schwarz / Sebastian J. Schwarz
Crailsheim. Der Wahnsinn hört nicht auf: Basketball-Zweitligist Römerstrom Gladiators Trier hat Playoff-Halbfinale Nummer eins beim großen Favoriten Crailsheim Merlins am Samstagabend mit 87:83 (44:37) gewonnen. Die Gladiatoren zeigten dabei eine unglaubliche Teamleistung. Von Marek Fritzen
Marek Fritzen

So ist er halt, der Marco van den Berg. Da sitzt er in den Katakomben der Arena Hohenlohe in Ilshofen. Wenige Augenblicke zuvor haben seine Römerstrom Gladiators Trier sensationell mit 87:83 (44:37) beim großen Favoriten Crailsheim Merlins gewonnen. Playoff-Halbfinale Nummer eins auswärts geklaut bei einem Team, das in der gesamten Saison bisher kein einziges Heimspiel verloren hat – und was sagt der 52-Jährige: „Ja, war einfach wie ein ganz normaler Tag im Büro.“ Dann muss er lachen. Das nimmt er sich natürlich selbst nicht ab. „Nein klar, das ist natürlich echt ganz wichtig, hier gewonnen zu haben, ich bin sehr froh. Aber wir haben noch nichts erreicht. Es steht nur 1:0.“

Gladiators Trier gewinnen erstes Playoff-Halbfinalspiel FOTO: Sebastian J. Schwarz

Fakt ist: Trier hat mit dem Sieg am Samstagabend einen wohl nur von ganz wenigen Experten erwarteten Clou gelandet – und das mit dieser packenden Viertelfinal-Serie gegen Heidelberg in den Knochen. Doch Marco van den Berg betont: „Ich wusste, dass die Jungs die fünf Viertelfinal-Spiele locker wegstecken. Wir trainieren seit der Saisonvorbereitung dafür, genau jetzt fit zu sein.“

Hat mit den Merlins eine Niederlage einstecken müssen: Ex-Trierer Sebastian Herrera.
Hat mit den Merlins eine Niederlage einstecken müssen: Ex-Trierer Sebastian Herrera. FOTO: sjs / Sebastian J. Schwarz / Sebastian J. Schwarz

Fit und mental frisch – ganz frisch, so wie Thomas Grün 8,1 Sekunden vor Schluss. Da steht der Luxemburger an der Freiwurflinie. Es steht 85:83 für sein Team. Die Merlins sind durch einen starken Schlussspurt wieder herangekommen, haben den zwischenzeitlichen Trierer 18-Punkte-Vorsprung nochmal zum schmilzen gebracht. Und dann steht er da, der Mann mit der Nummer 10. Die Merlins-Fans pfeifen ohrenbetäubend. Doch Grün verwandelt den ersten, und Grün verwandelt auch den zweiten Freiwurf. Das ist der Sieg, denn die Crailsheimer finden im letzten Angriff keine Antwort mehr. Danach feiern die Gladiators mit ihren gut 50 mitgereisten Fans.

Die Stimmung war ausgezeichnet bei den Trierer Fans in Crailsheim.
Die Stimmung war ausgezeichnet bei den Trierer Fans in Crailsheim. FOTO: sjs / Sebastian J. Schwarz / Sebastian J. Schwarz

Rein in die Partie: Es ist ein nervöser Beginn beider Teams. Die Zuschauer in der Arena Hohenlohe sehen in den Anfangsminuten viele Fehlwürfe auf beiden Seiten, insbesondere die Merlins treffen schlecht. Trier dagegen spielt es gut, ist absolut ebenbürtig. Die Jungs von Trainer Marco van den Berg agieren offensiv sehr geduldig, finden immer wieder den seit Wochen in Top-Form spielenden Justin Alston. In den Anfangsminuten erhält der US-Amerikaner allerdings eine Pause, wird in der Starting-Five überraschend durch Luka Buntic vertreten, der es ebenfalls gut macht.

Nach zwei Alston-Punkten führen die Gäste Mitte des ersten Viertels verdient mit vier Punkten (13:9). Auch wenn es am Ende mit einem knappen Rückstand ins zweite Viertel geht (19:20), steht fest: Trier präsentiert sich in der Halle des großen Favoriten stark, zeigt sehenswerten Teambasketball und gestaltet die Partie ausgeglichen.

Auch zu Beginn des zweiten Viertels dasselbe Bild: Die Gladiatoren sind voll im Spiel. Vorne geht’s schnell und einfach – oft genügt ein einfaches Give-and-Go, um zu Punkten zu kommen – und hinten verteidigen sie gut. Weil Crailsheim weiter nicht gut trifft (32 Prozent Trefferquote Mitte des zweiten Abschnitts) und Robert Nortmann vorne die nächsten beiden Punkte erzielt (26:22), nimmt Merlins-Coach Tuomas Ilsalo schon nach drei Minuten im zweiten Viertel die erste Auszeit.

Doch danach geht’s erst so richtig ab aus Trierer Sicht: Nach dem Timeout versenkt der starke Kevin Smit (11 Zähler in Halbzeit eins) den nächsten Dreier. Nach einem folgenden verwandelten Mitteldistanzwurf von Kyle Dranginis führt Trier nach 15 Minuten mit neun Punkten (31:22) – die Gäste sind das bessere Team.

Und es geht immer so weiter: Nach einem Unsportlichen Foul gegen Crailsheims Philipp Neumann darf Justin Alston an die Freiwurflinie. Trotz lauter Pfiffe der aufgebrachten Merlins-Fans versenkt Triers Nummer 1 beide Würfe - und im folgenden Angriff hämmert Kyle Dranginis dem Heimteam auch noch einen Dreier in den Korb (41:30). Triers Vorstellung wird immer beeindruckender.

Trier trifft nicht nur hochprozentig (53 Trefferquote zur Halbzeit), die Gladiatoren ziehen auch immer wieder sehenswert zum Korb und kommen so zu Punkten. Und das, obwohl der Hauptrunden-Tabellenzweite mit Philipp Neumann und Sherman Gay echte Kanten unterm Korb stehen hat.

Weil es die Gäste mit ihrem Wechsel zwischen Mann- und Zonen-Verteidigung schaffen, die Merlins offensiv aus dem Konzept zu bringen, geht die Trierer Halbzeit-Führung völlig in Ordnung (44:37). Es ist eine der stärksten ersten Gladiators-Hälften in dieser Saison. Das ist richtig guter Team-Basketball.

Nur wenige Sekunden sind in Viertel Nummer drei gespielt, da lässt Trier den Ball offensiv super laufen und findet am Ende den freien Kyle Dranginis, der den nächsten Dreier versenkt (47:37). Es wird jetzt ein intensives Spiel, in dem die van-den-Berg-Jungs weiterhin den Takt angeben. Sie spielen es unglaublich sicher. Auch als Crailsheim zeitweise mal herankommt und das Publikum aufkommt, lassen sich die Gäste nicht von ihrem Spiel abbringen. Sie treffen die Dreier aus allen Lagen und was Simon Schmitz da immer wieder im Eins-gegen-Eins gegen Sebastian Herrera oder Michael Cuffee zeigt, ist vom feinsten. Nach genau solch einem Solo von Triers Kapitän und einem anschließenden Dranginis-Dreier beträgt Triers Führung 18 Punkte gut zwei Minuten vor dem Ende des dritten Viertels (65:47).

Die Merlins sind offensiv zu dieser Zeit völlig von der Rolle, treffen schlecht von außen und zeigen selbst von der Freiwurflinie Nerven – so verlegt der Bundesliga-erfahrene Center Philipp Neumann beide Freiwürfe zwei Minuten vor Viertelende.

Herauszuheben aus dieser geschlossenen Trierer Mannschaftsleistung ist auch Jermaine Bucknor. Immer wieder beruhigt der Kanadier das Spiel seines Teams, setzt offensiv wichtige Akzente.

Kurz vor Ende des dritten Viertels kocht die Arena dann, weil für Merlin Philipp Neumann das Spiel nach einem Technischen Foul und dem bereits in der ersten Halbzeit kassierten Unsportlichen Foul beendet ist.

Trier interessiert das wenig. Eiskalt verwandelt Kapitän Simon Schmitz mit dem Viertelende einen Mitteldistanzwurf zur 14-Punkte-Führung (73:59).

Dann folgt das letzte Viertel, auf das Thomas Grün schließlich mit seinen eingangs beschriebenen Freiwürfen den Deckel drauf macht.

Am Ende gibt Triers Coach dann doch noch zu: „Klar, man kann sich schlechtere Halbfinal-Anfänge wünschen, als in Crailsheim zu gewinnen. Jetzt hoffe ich auf 4000 Zuschauer am Dienstag in Trier.“

Trier empfängt Crailsheim am Dienstag zu Spiel zwei in der Arena Trier (20 Uhr). Das Team, das zuerst drei Siege eingefahren hat, steht im Finale und ist somit sportlich aufgestiegen.

Statistik

Punkte Trier: Alston 15, Dranginis 14, Smit 11, Bucknor 18, Schmikale 7, Schmitz 9, Grün 2, Nortmann 7, Shoutvin 4 – Beste Schützen Crailsheim: Gay 16, Herrera 4 –Viertelstände: 19:20/44:37/73:59