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Interview Andreas Seiferth
„Toll, dass sich der Profi-Basketball in Trier wieder so aufgerappelt hat“

 Bis 2014 in Grün-Weiß, heute in Gelb-Schwarz: Der frühere Trierer Andreas Seiferth kehrt am 23. März an die Mosel zurück.
Bis 2014 in Grün-Weiß, heute in Gelb-Schwarz: Der frühere Trierer Andreas Seiferth kehrt am 23. März an die Mosel zurück. FOTO: willy speicher (wsp), WILLY SPEI
Trier. Zum Allstar-Day am 23. März kehrt der frühere Trierer Bundesligaspieler Andreas Seiferth an die Mosel zurück. Grund genug, ihn mal anzurufen und mit dem 29-Jährigen über eine Wohnung in Top-Lage, eine ganz besondere Kneipe, Kontakte nach Trier und seine Chancen auf die WM-Teilnahme im Sommer zu sprechen. Von Marek Fritzen
Marek Fritzen

(mfr) Der Mann kennt sich aus an der Mosel: Von 2011 bis 2014 hat Andreas Seiferth für die TBB Trier in der Basketball-Bundesliga gespielt. Über die Stationen Quakenbrück und Bayern München landete der 29-Jährige 2016 bei Bundesligist medi Bayreuth. Bei den Franken gehört er seitdem zu den Leistungsträgern. In zwei Wochen kehrt der 47-fache Nationalspieler mal wieder zurück an die Mosel. Der Anlass: Der BBL Allstar-Day am 23. März in der Arena Trier. Im Gespräch mit Volksfreund-Redakteur Marek Fritzen spricht der 2,09-Meter-Mann über Karneval, Restaurants in Trier, seinen Bruder und eine schon fest eingeplante Beule am Kopf.

Karneval ist gerade zu Ende gegangen – wild gefeiert?

Andreas Seiferth: Ich selber nicht, nein, nein. Wir hatten zwei Spiele. Eins an Karnevalsfreitag, eins am Sonntag. Deswegen ist Karneval in diesem Jahr komplett an mir vorbeigegangen.

Wurde denn in Bayreuth überhaupt gefeiert?

Seiferth: Schon, ja. Am Sonntag gab’s einen Umzug in der Stadt.

Als gebürtiger Berliner haben Sie sicher ohnehin nicht viel mit Karneval am Hut, oder?

Seiferth: Och doch, ich mag das schon – allein aus dem Grund, weil meine Freundin aus Köln kommt. Da muss ich natürlich – wenn es irgendwie geht – an Karneval immer mit (lacht). Aber dieses Jahr ist sie allein nach Köln zum Feiern gefahren.

Ein Spektakel der anderen Art steht am 23. März in Trier an – zwar ohne Kostüme, dafür aber mit jeder Menge Show: der Allstar-Day. Wissen Sie eigentlich, wie oft Sie schon als Allstar nominiert worden sind?

Seiferth: (überlegt) Ich glaube fünf Mal … doch ja, ich bin zum fünften Mal dabei. Zweimal während meiner Trierer Zeit, und nun zum dritten Mal als Bayreuther.

Was bedeutet Ihnen solch eine Teilnahme?

Seiferth: Eine Nominierung ist ein tolles Zeichen. So geschätzt zu werden als eines der nationalen Aushängeschilder, das ist eine schöne Sache. Aber was noch viel wichtiger ist: Ich freue mich einfach, endlich mal wieder nach Trier zu kommen und dort zwei entspannte Tage zu verbringen.

In den vergangenen Jahren gab’s beim Allstar-Game zwischen Team international und Team national meist nur einen Sieger: Neun von zehn Duellen hat Team international gewonnen – warum ist das so?

Seiferth: Gute Frage …

Nehmen die Internationalen das ernster?

Seiferth: Es gab so ein paar Duelle in den vergangenen Jahren, bei denen man das Gefühl schon hatte, ja. Das besaß keinen Allstar-Day-Charakter mehr: Da wurde der Druck von der ersten Minute an richtig hochgehalten. Aber in diesem Jahr haben wir von Team national uns mit Center John Bryant ja einen von Team international geklaut – vielleicht klappt’s auf diese Weise mit einem Sieg für uns (lacht).

     Seit 2016 spielt Andi Seiferth für Bayreuth in der Bundesliga.
Seit 2016 spielt Andi Seiferth für Bayreuth in der Bundesliga. FOTO: picture alliance/dpa / Swen Pförtner

Können Sie sich eigentlich schon so richtig auf den Allstar-Day freuen oder liegt der Fokus momentan vollkommen auf der Bundesliga mit den drei schweren Duellen gegen Gießen, Jena und Frankfurt?

Seiferth: Der Allstar-Day ist schon noch ein gutes Stück weit weg für mich, das muss ich zugeben. Die Bundesligaspiele gehen natürlich vor, gerade in unserer aktuellen Situation.

Sie haben Anfang des Jahres mit Bayreuth sechs Niederlagen in Serie kassiert, belegen aktuell nur noch Rang elf – es läuft nicht wirklich rund. Woran liegt das?

Seiferth: Es ist eine echte Achterbahnsaison für uns. Wir sind durchwachsen gestartet, hatten dann eine lange Siegesserie und im Anschluss die gerade angesprochenen sechs Niederlagen. Es läuft einfach nicht so harmonisch wie in den beiden Jahren zuvor, in denen wir es jeweils in die Playoffs geschafft haben.

Wie erleben Sie die Stimmung im Umfeld des Clubs?

Seiferth: Es ist schon emotional. Die Messlatte liegt nach den beiden vergangenen Jahren höher bei den Fans.

Also erwarten die Anhänger den Playoff-Einzug?

Seiferth: Ja, definitiv. Bei der Niederlage gegen Ludwigsburg am vergangenen Wochenende hat man das deutlich gemerkt, da kam was zurück von den Rängen …

Es wurde gepfiffen?

Seiferth: Ja. Aber das ist eben auch der Preis der emotionalen Halle, die uns auch schon zu vielen Siegen gepusht hat. Da ist es natürlich auch normal, dass die Fans – wenn’s mal nicht so läuft – auch ihren Unmut zeigen.

 Andreas Seiferth hat bisher 47 Länderspiele absolviert.
Andreas Seiferth hat bisher 47 Länderspiele absolviert. FOTO: dpa / Nicolas Armer

Sie werden im Sommer 30 Jahre alt: Ist das so ein Zeitpunkt, an dem Sie sagen: Jetzt will ich auf jeden Fall nochmal was anderes sehen?

Seiferth: Nein, nein, so denke ich nicht. Ich fühle mich sehr wohl hier in Bayreuth, mein Vertrag läuft noch eine weitere Saison bis Sommer 2020. Wenn ich mich dann immer noch so wohlfühle und die Perspektive stimmt, wir weiterhin international spielen, kann ich mir durchaus vorstellen, noch länger hier zu bleiben.

Nochmal zur 30: Ist das für Sie eine besondere Marke, oder interessiert Sie das gar nicht?

Seiferth: (lacht) Ehrlich gesagt, denke ich da nicht darüber nach. Viel mehr mache ich mir Gedanken, wie ich meine Geburtstagsfeier im Sommer gestalte und wen ich einladen werde …

Das klingt gut. Nur es gibt ja schon immer wieder Menschen, die mit so einem runden Geburtstag auch Probleme haben …

Seiferth: Stimmt, aber ich sage mir: Man ist immer so alt, wie man sich fühlt. Bei 30 ändert sich ja nur die Zahl, alles andere bleibt gleich. Aber wer weiß: Vielleicht sehe ich das anders, sobald ich dann tatsächlich 30 bin.

Schauen wir mal auf Trier: Sie haben zwischen 2011 und 2014 für die TBB gespielt – denken Sie noch häufig an die Zeit zurück?

Seiferth: Auf jeden Fall. Trier war eine sehr, sehr wichtige Station für mich. Dort habe ich meinen Fuß in die Tür der Bundesliga bekommen, dort bin ich zum Nationalspieler geworden. Ich finde es schade, dass ich so selten die Chance habe, zurück nach Trier zu kommen, weil es für mich nie wirklich auf dem Weg liegt.

Wissen Sie noch, wann Sie zuletzt in Trier waren?

Seiferth: Das war glaube ich zum Länderspiel gegen Luxemburg.

Im August 2014 – aber Sie waren danach noch mal mit einem Club in der Arena Trier zu Gast …

Seiferth: Dann muss es mit Quakenbrück gewesen sein.

Genau, stimmt. Im Oktober 2014, Sie gewannen bei der TBB Trier mit 80:73 …

Seiferth: Ach ja, ich erinnere mich. Ich muss echt sagen, ich habe gerne dort gelebt. Zuerst hatte ich eine Wohnung in Ruwer. Das war sehr schön, nur ein bisschen ruhig da draußen.

Das heißt, Sie sind da nicht lange geblieben?

Seiferth: Nein. Als eine Wohnung in der Nähe des Park-Plaza-Hotels in der Innenstadt frei wurde, bin ich dorthin gezogen – Top-Lage. Ich war viel in der Stadt unterwegs, öfter in der Kartoffelkiste essen. Gibt’s die eigentlich noch?

Ja, die gibt’s noch …

Seiferth: Ah schön. Im Wirtshaus am Kornmarkt war ich auch häufiger. Am Allstar-Wochenende werde ich mir mal ansehen, was sich in der Stadt alles so verändert hat. Ich freue mich drauf.

Verfolgen Sie eigentlich, was die Gladiators in der ProA derzeit so machen?

Seiferth: Da mein Bruder Martin (aktuell in Paderborn, zuvor in Heidelberg und Chemnitz, Anm. d. Red.) in der ProA spielt, weiß ich schon Bescheid, was dort so passiert. Wir sprechen nach jedem seiner Spiele. Und gerade im vergangenen Jahr hat sich Martin mit Heidelberg im Playoff-Viertelfinale gegen die Gladiators ja eine richtig packende Serie geliefert.

Wie schätzen Sie die Gladiators ein?

Seiferth: Aus der Ferne sieht das ganz gut aus. Die Arena ist gut besucht, der Erfolg ist auch einigermaßen da. Es freut mich wirklich, dass sich der Profi-Basketball in Trier nach der Insolvenz 2015 wieder so aufgerappelt hat.

Haben Sie momentan noch Kontakt zu aktuellen Trierer Spielern?

Seiferth: Ab und zu schreibe ich mal mit Luka Buntic. Wenn ich nun nach Trier komme, freue ich mich ganz besonders auf das Wiedersehen mit Jermaine Bucknor. Mit „Buck“ habe ich ja zwei Jahre lang bei der TBB gespielt.

Schauen wir mal auf die Nationalmannschaft: Unter Bundestrainer Henrik Rödl gehörten Sie in der erfolgreichen WM-Qualifikation zum Kader. Nach starken Leistungen hat Deutschland seit langem mal wieder die WM-Quali gepackt. Was ist möglich bei der WM im Sommer in China?

Seiferth: Erst mal müssen wir die Gruppenauslosung abwarten. Aber grundsätzlich halte ich das Viertelfinale für realistisch. Schon in der Qualifikation haben wir sehr souverän gespielt, auch wenn wir bei weitem nicht alle Spieler dabei hatten. Fest steht: Wenn wir mal alle Leistungsträger an Bord haben, sind wir schwer zu schlagen.

Viele Experten behaupten, die aktuelle Mannschaft sei die talentierteste seit Jahrzehnten – stimmt das?

Seiferth: Das müsste man mal die vorigen Generationen fragen (lacht) …

Aber Sie als Teil der Mannschaft: Was sagen Sie dazu?

Seiferth: Von der Breite her könnte man momentan sicherlich zwei oder drei konkurrenzfähige Nationalteams aufstellen. Allein die Tatsache, dass wir aktuell sieben NBA-Spieler haben, ist schon beeindruckend. Wir sind auf jeder Position mehrfach besetzt, auch unterm Korb.

Was aber gerade auch für Sie persönlich zum Problem werden könnte. Die Konkurrenz auf der Center-Position ist immens.  Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, bei der WM tatsächlich im Kader zu stehen?

Seiferth: Dabei zu sein in China, wäre die Krönung für mich. Aber ich weiß, dass es schwer wird. Um ehrlich zu sein, gehe ich momentan davon aus, dass es für mich nicht reichen wird, wenn alle fit sind.

Was für Sie aber schon auch eine große Enttäuschung bedeuten würde, oder?

Seiferth: Ich hätte da sicherlich keinen Groll, würde mich freuen, dabei mitgeholfen zu haben, dass es das Team zur WM gepackt hat. Wirklich: Ich wäre nicht beleidigt oder so, sondern würde die Spiele von zu Hause aus am Fernseher verfolgen und den Jungs die Daumen drücken.

Die Handball-WM hat Anfang des Jahres halb Deutschland in ihren Bann gezogen. Basketball hingegen scheint immer ein wenig unter dem Radar zu laufen – auch große Turniere werden in Deutschland oft nicht von einer großen Öffentlichkeit wahrgenommen. Wird sich das in naher Zukunft ändern?

Seiferth: Stimmt, die öffentliche Wahrnehmung des Basketballs ist momentan leider sehr gering. Aber ich bin der Meinung, dass sich das nur über Erfolge – speziell der Nationalmannschaft –  ändern kann. Wir hatten bei der Heim-EM 2015 die große Chance, für Furore in Deutschland zu sorgen. Aber durch das Vorrunden-Aus haben wir das nicht geschafft. Sollte es nun in China sportlich gut laufen, wird sich das sicherlich ändern. Gelingt es außerdem, den Kern des Teams über Jahre hinweg zusammenzuhalten, sodass sich die Gesichter der Spieler – verbunden mit Erfolgen – bei den Zuschauern etablieren können, wird auch Basketball öffentlich deutlich mehr wahrgenommen werden in Zukunft. Aber nochmal: Es müssen Erfolge her, sonst wird’s schwer mit mehr Aufmerksamkeit.

Zum Abschluss noch mal zurück nach Trier: Gibt’s etwas, das Sie bei Ihrem anstehenden Besuch an der Mosel unbedingt machen wollen?

Seiferth: (lacht) Klar: Mit Aggy bei Rosi „Aom Ecken“ im Maarviertel einen trinken gehen und sich schon beim Reinkommen schön den Kopf am niedrigen Türrahmen stoßen.

Interview Marek Fritzen