Wieder nichts – Gladiators verlieren Playoff-Spiel zwei

Basketball : Wieder nichts – Gladiators verlieren Playoff-Spiel zwei (Fotos)

Es hat nicht gereicht: Die Römerstrom Gladiators Trier haben auch das zweite Playoff-Viertelfinale gegen die Nürnberg Falcons verloren. Woran das lag, warum es vor dem Spielbeginn stehende Ovationen gab und wieso der Trierer Trainer nach Spielende deutliche Worte wählt.

Es fängt so gut an am Mittwochabend. Stehende Ovationen, Trommelwirbel, donnernde Fanrufe von den Rängen. Der Anlass: Jermaine Bucknor erhält vor Spielbeginn einen Pokal. Der Trierer Publikumsliebling wurde von den Basketballfans in Deutschland zum beliebtesten Spieler der ProA-Saison gewählt. Doch als der Routinier knapp zwei Stunden später kurz vor Spielende mit dem fünften Foul vom Feld muss, da ist klar: Dieser Abend wird kein guter für die Römerstrom Gladiators Trier. Die zweite Playoff-Niederlage der Trierer gegen die Nürnberg Falcons ist da so gut wie fix – und kurz darauf ist sie Gewissheit. Die Gladiators unterliegen mit 72:84 (36:35).

Im Gegensatz zum Playoff-Auftakt am Samstag kommt Trier nicht gut ins Spiel. Offensiv fehlt das Tempo. Es dauert fast drei Minuten, bis die Gladiatoren durch Stefan Ilzhöfer zu den ersten Punkten kommen (2:6). Das Team von Trainer Christian Held leistet sich viele Ballverluste, kassiert Fastbreak-Punkte und sieht auch in der Reboundarbeit schlecht aus. Immer wieder angeln sich die Gäste durch Robert Oehle oder Ishmail Wainright Offensiv-Rebounds. Nach einem weiteren und einem anschließenden Dreier durch Jackson Kent (4:13) ist der Fehlstart nach knapp fünf Minuten perfekt – Christian Held nimmt die erste Auszeit. Es ist ein Time-Out, das wirkt: Danach kommen die Herren in Grün besser in Fahrt, agieren angeführt von Jermaine Bucknor defensiv aggressiver und offensiv zielstrebiger. Die Folge: ein Trierer 9:0-Lauf (13:13).

Doch dann tritt der Basketball erst mal in den Hintergrund. Es wird ruppig. Auf dem Programm: Geschubse, Gemecker, viele Ballverluste (allein Trier mit sieben in den ersten zehn Minuten), hier ein Technisches Foul gegen Christian Held, da ein Unsportliches Foul gegen Nürnbergs Sebastian Schröder und diverse andere Fouls. Was dagegen fehlt: Spielfluss. Mit einem knappen Trierer Rückstand geht’s dann in die zweiten zehn Minuten (16:18).

Auch danach geht’s zunächst mehr um Fouls als um Punkte. Gleich zu Beginn der zweiten zehn Minuten kassieren Johannes Joos und Ishmail Wainright nach einem Tête-à-Tête die nächsten beiden Technischen Fouls. Schlecht für die Gladiatoren: Joos steht nach 17 Minuten bereits bei drei Fouls. Das Spielende wird der 24-Jährige - genau wie Kevin Smit, Jermaine Bucknor und Kelvin Lewis - nach dem fünften Foul nur noch von der Bank aus mitansehen.

Bis zur Pause geht’s dann jedenfalls auch mal wieder um Basketball in der Arena. Es ist ein enges Spiel mit leichten Vorteilen für die Franken. Nürnberg trifft bei weitem nicht mehr so gut wie in Spiel eins, aber auch Trier hat aus der Distanz – bis auf Kelvin Lewis – nur wenig Glück. Offensiv kriegen die Trierer keinen Speed in ihre Ballbewegungen. Die Falcons schaffen es erneut, das Spiel der Held-Jungs zu verlangsamen. Trier ist engagiert, kommt jedoch häufig nur über Einzelaktionen wie beispielsweise durch den starken Jermaine Bucknor zu Punkten.

Es sieht nach einem knappen Halbzeitrückstand aus – bis der Herr aus Luxemburg noch einen auspackt: Thomas Grün drückt von der Dreierlinie ab, trifft und wird gefoult, erhält auch noch einen Bonus-Freiwurf. Auch den legt der 24-Jährige in den Korb, wodurch er sein Team mit einer 36:35-Führung in die Pause schickt.

Doch Trier kann den Schwung nicht mit in die zweite Halbzeit nehmen. Bereits nach gut zwei Minuten nimmt Christian Held genervt die nächste Auszeit. Da liegt sein Team nach einem Korbleger von Wainright mit sieben Zählern hinten (38:45). Trier ist  defensiv nicht wach, erlaubt den Gästen immer und immer wieder Offensiv-Rebounds. Vorne fehlen die Lösungen. Nürnberg dagegen tritt clever auf. Beispielhaft: Stefan Ilzhöfer versucht den Ball auf Till Gloger zu legen. Der kann den Ball nicht aufnehmen. Nürnberg schnappt sich die Kugel. Ein, zwei schnelle Pässe und Juwan Parker trifft (50:60 aus TR-Sicht). Mit einem 54:62-Rückstand geht’s in die letzten zehn Minuten.

Dort gerät der Gäste-Sieg nicht mehr ernsthaft in Gefahr. Trier findet nie zu seinem schnellen Teambasketball vom Ende der Hauptrunde, verstrickt sich immer wieder in Einzelaktionen. Einer der Besten: Rupert Hennen. Der 21-Jährige setzt Akzente. Doch am Ende verliert Trier auch Playoff-Viertelfinale Nummer zwei und braucht nun am Freitag in Nürnberg (19.30 Uhr) einen Sieg. Sonst ist die Saison zu Ende.

Nach dem Spiel analysiert Gladiators-Trainer Christian Held: „Wir haben es nicht geschafft, offensiv den Ball zu bewegen: 18 Ballverluste und nur neun Assists – das hat uns wehgetan.“ Auch die Reboundarbeit seines Teams kritisiert der 30-Jährige: „16 abgegebene Offensiv-Rebounds sind zu viel.“ Das zusammen sei der Schlüssel für den „verdienten Nürnberger Sierg“ gewesen, findet Held, um sich dann noch mit ein paar Worten den Schiedsrichtern zu widmen. „Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, und da muss sich die Liga auch Gedanken machen“, setzt der Coach an: „Wenn ein Schiedsrichter hier ankommt und ein falsches Hemd zu einem Playoffspiel trägt, dann frage ich mich, wie so etwas sein kann. Dann kann er aus meiner Sicht nicht vorbereitet und konzentriert sein. Ein Hemd mit dem alten Liga-Logo – das kann nicht passieren.“ Und Held legt nach: „Wenn ein Schiedsrichter dann gleich im ersten Viertel bei einem Offensiv-Foul zwei Freiwürfe geben will, dann frage ich mich, wo die Schiris mit dem Kopf sind.“ Das seien Sachen, findet der Trierer Chefcoach, die nicht passieren dürften. „Wenn man etwas ernsthaft betreibt, dann geht das nur, wenn man sich entsprechend vorbereitet – und ganz offensichtlich war das heute nicht der Fall, zumindest wirkte es deutlich anders – aber am Ende des Tages müssen wir uns an die eigene Nase fassen.“

Nichtsdestotrotz sei er sehr stolz auf sein Team. „Man sieht einfach, dass uns gerade offensiv der Kopf fehlt in der entscheidenden Phase. Einer, der Ruhe reinbringt. Die Jungs, die auf dem Feld sind, die tun alles, gehen deutlich über ihre Schmerzgrenze, aber Nürnberg ist da einfach cleverer und abgezockter.“

Abschenken will Christien Held die Playoffs jedoch noch lange nicht. Er betont: „Solange irgendeine Chance besteht, werden wir nicht aufgeben.“

Punkte Trier: Lewis 19, Smit 3, Bucknor 13, Hennen 11, Schmikale 1, Grün 8, Ilzhöfer 2, Gloger 12, Joos 3 - Viertelstände: 16:18/36:35/54:62/72:84 - ZS: 3369

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