Wieso Neuzugang Hubbs doch nicht nach Trier kommt

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Robert Hubbs sollte der einzige Neuzugang der Römerstrom Gladiators Trier in dieser Saison sein. Doch am Sonntag wurde bekannt: der 24-Jährige kommt nicht. Was steckt dahinter, wie reagiert der Club jetzt und was sagt ein Jurist dazu? Wir haben mal nachgehört.

Eigentlich war alles angerichtet: Die Trikotnummer geklärt, die Wohnung besorgt, die Flugtickets gebucht. Eigentlich wäre alles ganz einfach gewesen für Robert Hubbs III, den einzigen Neuzugang der Römerstrom Gladiators Trier. Der 24-Jährige hätte vergangene Woche in Memphis nur in den Flieger steigen und sich gemütlich rüberfliegen lassen müssen nach Frankfurt. Dort hätte ihn ein Gladiators-Mitarbeiter abgeholt und an die Mosel kutschiert – doch es kam anders: Der Flieger landete am vergangenen Mittwoch in Frankfurt, auch der Gladiators-Fahrer stand am Ausgang bereit, doch Robert Hubbs war nicht da. Der US-Amerikaner hatte es sich anders überlegt, war erst gar nicht in den Flieger gestiegen und wird auch nicht für Trier spielen – das bestätigt ein hörbar konsternierter Gladiators Geschäftsführer Achim Schmitz am Sonntag. „Ich habe so etwas noch nicht erlebt“, gesteht der Unternehmer. Nach dem Nicht-Eintreffen am Flughafen sei Hubbs telefonisch zunächst nicht erreichbar gewesen. Auch sein europäischer Spielerberater – speziell US-Amerikaner haben häufig zwei Berater, einen in den Staaten, einen in Europa – sei völlig überrascht gewesen vom Verhalten seines Spielers, so Schmitz. „Später hieß es dann, dass Hubbs von einem externen Agenten in den USA angeblich lukrativere Angebote in Aussicht gestellt bekommen hätte – was da dran ist, weiß ich nicht.“ Was Achim Schmitz dagegen sicher weiß: Robert Hubbs, der zuvor in der ersten norwegischen Liga gespielt hatte, und von dem die Gladiators-Verantwortlichen in den höchsten Tönen geschwärmt hatten, wird niemals für die Gladiators auflaufen.

„Wir prüfen nun, rechtliche Schritte einzuleiten, haben den Fall auch schon bei der Fiba (dem Basketball-Weltverband, Anm. d. Red.) gemeldet.“ Denn, so betont der Geschäftsführer, dem Verein seien durch den geplatzten Transfer bereits Kosten in vierstelliger Höhe entstanden. „Was genau wir davon zurückerhalten, und ob uns darüber hinaus eine Entschädigung zusteht, prüfen wir nun“, sagt Schmitz.

Für Alexander Bergweiler sind Fälle, in denen Profi-Spieler trotz unterschriebenen Vertrags nicht erscheinen, keine Besonderheit. Der Trierer Anwalt ist Experte für Sportrecht und zudem als Spielerberater tätig. Er sagt: „Solche Fälle gibt es häufiger, besonders bei amerikanischen Spielern. In den USA existiert ein sehr großer Spielermarkt mit vielen Akteuren, die vom College gehen und bei keinem Club unterkommen. Dann gibt’s in den Staaten außerdem die unterklassige NBA G-League. Auch dort werden viele Spieler aussortiert, die dann irgendwo unterkommen wollen – daher ist der Druck im System relativ hoch.“

Bergweiler weiter: „Trier kann nun das ständige Fiba-Schiedsgericht anrufen und vorlegen, welche Kosten entstanden sind. Das Gericht muss dem Spieler dann rechtliches Gehör gewähren.“ Leugne Hubbs daraufhin, einen Vertrag in Trier unterschrieben zu haben, gebe es häufig ein mündliches Verfahren. „Das ist aber auch wieder mit Aufwand und Kosten verbunden. Weswegen sich die Gladiators dann fragen müssten, ob sich das überhaupt lohnt.“

Außerdem könne der Club Hubbs auf Schadenersatz verklagen – aber: „Da man das in den USA kaum vollstrecken kann, bringt das meiner Meinung nach nichts.“

Fest steht auf jeden Fall: Robert Hubbs wird vorerst wohl für keinen anderen europäischen Club mehr auflaufen – in Europa wird er nun gesperrt, denn: „Ich gehe davon aus, dass Trier den Spieler gemeldet hat. Mithin kann kein europäischer Club den Spieler bei der Fiba melden, ohne dass Trier intervenieren könnte, so dass der Spieler für den neuen Club keine Spielgenehmigung erhält“, erklärt der Trierer Jurist. In Ländern wie China oder auch in unterklassigen US-Ligen sehe das allerdings schon wieder anders aus.

Den Gladiators bleibt derweil nur die Suche nach einem Ersatz. Schwer genug, schließlich beginnt die Saison bereits Ende September, und auch die anderen Clubs halten die Augen auf. „Wir halten dennoch an unserem Plan fest, mit nur einem Neuzugang in die Saison zu gehen“, erklärt Geschäftsführer Achim Schmitz.

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