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Wurde das Hygienekonzept bei den Eisbären Bremerhaven nicht eingehalten?

Basketball : Verwunderung nach Gladiators-Sieg: Spiel? Erstklassig! Hygienekonzept? Naja ...

Beim Sieg der Römerstrom Gladiators in Bremerhaven sorgt das Hygienekonzept für Verwunderung. Sieht so sicherer Sport aus?

Beginnen wir diesen Text ganz nüchtern mit der wichtigsten Tatsache: Die Römerstrom Gladiators Trier haben am Mittwochabend für eine Überraschung gesorgt und in der 2. Basketball-Bundesliga gegen den Mitfavoriten auf den Titel, die Eisbären Bremerhaven, gewonnen (105:92). Normalerweise würde man da den Blick direkt auf das nächste Spiel richten. Aber naja, Sie haben das böse Wort mit „n“ selbst gelesen: normalerweise.

Denn in Zeiten von Corona, Lockdown, Berufsverboten und Co. sind die roten Zahlen, die am Ende einer Partie auf der Anzeigetafel leuchten, nicht alles, was zählt. Wichtig ist auch immer, dass das Spiel epidemiologisch sicher, also mit minimalster Ansteckungsgefahr, vonstatten geht. Daran wiederum dürften bei einigen Zuschauern (die das Spiel selbstverständlich nur im Stream verfolgen konnten) Zweifel bestehen. Was war los?

 Während der Trierer Matt Freeman mit 19 Punkten einer der besten Moselaner gegen Bremerhaven war, wunderten sich einige Zuschauer über Personen, die nah am Spielfeld saßen. Erlaubt das das Hygienekonzept der Liga?
Während der Trierer Matt Freeman mit 19 Punkten einer der besten Moselaner gegen Bremerhaven war, wunderten sich einige Zuschauer über Personen, die nah am Spielfeld saßen. Erlaubt das das Hygienekonzept der Liga? Foto: TV/Simon Engelbert

Das Spiel: Wir sollten positiv beginnen. Der Sieg gegen die Eisbären Bremerhaven war die vielleicht beste Gladiators-Leistung der bisherigen Saison. Die Moselaner zeigten sich vom Start weg stark verbessert und nutzten aus, dass sie – bis auf die Langzeitverletzten – recht breit aufgestellt waren. „Wir haben das erste mal mit einer Vierer-Rotation aus ProA-Spielern unter dem Korb gespielt“, resümiert Headcoach Marco van den Berg. Diese bestand aus Austin Wiley, Rob Nortmann, Matt Freeman und Jonathan Dubas. Der Vorteil dieser Rotation: Jeder der Akteure brachte seine speziellen Fähigkeiten in die Partie ein. Wiley überzeugte mit starker Offensive und Defensive am Ring, war bei der Schlusssirene mit 22 Punkten und acht Rebounds bester Trierer. „Er kann noch viel mehr“, warnt sein Coach kommende Gegner vor. Nortmanns Einsatz und Dubas’ Erfahrung und Ruhe wurden vom ebenfalls stark scorenden (19 Punkte) Matt Freeman komplettiert.

Ein weiteres sehr positives Zeichen: Triers Jungspunde zeigen keinerlei Scheu vor wichtigen Würfen. So kam der erst 20-Jährige Vincent Hennen Anfang des dritten Viertels zu zwei starken Dreiern, der 21-Jährige Jonathan Almstedt wenig später zu einem weiteren. Mut, den Marco van den Berg mit Verweis auf einen seiner bekanntesten Landsleute würdigt: „Johan Cruyff hat mal gesagt: ‚Wenn du nicht schießt, kannst du nicht treffen’“, so der Niederländer. Ein sehr starkes Trierer drittes Viertel entschied die Partie.

Die Kritik: Die Partie konnte nicht in der eigentlichen Heimstätte der Eisbären Bremerhaven ausgetragen werden, weil diese zu einem Impfzentrum umgebaut wurde. Als Ausweichstätte dient das Trainingscenter, das keine Tribünen bietet. Was einige Zuschauer wunderte: Direkt hinter dem Korb saßen mehrere Personen in unmittelbarer Nähe zu den Spielern (siehe Foto). Dieser Bereich wird laut des Hygienekonzeptes der Liga als „Zone 1“ bezeichnet und reicht von der Linie drei Meter nach außen. Eine TV-Anfrage bei der Liga am Donnerstag ergab, welche Personen in „Zone 1“ erlaubt sind: Trainer, Betreuer, Teamarzt, Schiedsrichter, Kampfgericht und Scouting sowie gegebenenfalls Mitarbeiter der Nationalen Anti Doping Agentur. In Ausnahmefällen dürfen sich auch Personen wie Sanitäter oder Feuerwehr in diesem Bereich aufhalten. Fotografen und Journalisten haben keinen Zugang zu „Zone 1“

Welche Aufgabe die Personen (die FFP2-Masken trugen, wenn auch teils unter der Nase) hinter dem Korb in Bremerhaven hatten, können wir nicht sicher sagen. Fest steht: Ein Mann trug eine Kamera, zwei saßen mit Stift und Papier dort, wo bei Basketballspielen normalerweise Pressevertreter sitzen. Eine Frau hielt ein Mikrofon.

Die Reaktionen: Christian Krings ist Geschäftsführer der 2. Basketball-Bundesliga. Auf Volksfreund-Nachfrage bezog er am Donnerstag Stellung zur Situation in Bremerhaven. Auf die konkrete Frage, ob in Bremerhaven gegen das Hygienekonzept verstoßen wurde, antwortete er: „Dieses Spiel werden wir jetzt analysieren und analysieren, was gut lief und wo gegebenenfalls nachgebessert werden muss.“

Die Liga überprüfe jede Halle, bevor diese zum Spielbetrieb freigegeben werde. „Im Nachgang werden die Spiele auf die Einhaltung der Richtlinien und Absprachen kontrolliert und gegebenenfalls bei Verstößen geahndet“, so Krings. Dass die Halle nicht geeignet sei, um das Konzept einzuhalten, verneint er: „Im Rahmen der Hallenabnahme wurde selbstverständlich auch die Möglichkeit zur Einhaltung der Abstände geprüft und da die Halle von der Liga freigegeben wurde, besteht auch die Möglichkeit zur Einhaltung der geforderten Abstände.“