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Henrik Rödl im Interview: "Die Liga ist stark wie nie"

Henrik Rödl im Interview: "Die Liga ist stark wie nie"

TBB-Trainer Henrik Rödl spricht im TV-Interview über die abgelaufene Saison, die Kaderplanung, die heute beginnende Playoff-Runde und die neue Rolle der Basketball-Bundesliga. Mit dem 44-Jährigen sprach TV-Redakteur Andreas Feichtner.

Trier. Die Arbeit geht auch im Sommer weiter - nur etwas anders als während der Saison, sagt Henrik Rödl: Der TBB-Trainer schraubt derzeit am Kader für die nächste Saison. Der dürfte sich auf mehreren Positionen verändern. Im Interview gibt Rödl einen Ausblick.

Die TBB war in der Hinrunde 2012/13 das große Überraschungs-Team - als Tabellensiebter. Mancher träumte von der ersten Playoff-Teilnahme seit neun Jahren. Vor Saisonende musste aber doch um den Klassenerhalt gebangt werden, bevor Platz zwölf feststand. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Henrik Rödl: Wenn man die Saison analysiert, muss man sie mit den Zielen vergleichen, die wir uns gesetzt haben. Der Tabellenplatz und die Playoffs sind nicht die großen Themen unseres Programms. Was wir uns auf die Flagge schreiben, ist die Entwicklung der jungen Spieler. Das ist der Trierer Weg. Da gibt es wieder einige sehr schöne Geschichten - wie bei Andi Seiferth, Vitah Chikoko, Bastian Doreth und Mathis Mönninghoff.
Was waren Ihre Highlights in dieser Saison?
Rödl: Da gab es einige. Etwa die Heimsiege gegen Oldenburg und Bayern München oder die Auswärtssiege am Ende. Natürlich auch das Heimspiel gegen Bayreuth im Dezember, bei dem meine Vertragsverlängerung in Trier bekanntgegeben wurde. Das war ein sehr emotionaler Moment.
Nach der starken Hinrunde rutschte Ihr Team in eine kleine Krise, vor allem auswärts ging kaum noch was. Woran lag es?
Rödl: Es gab Phasen, in denen es nicht so gut lief. Das ist der Fluch im Segen: Man kommt mit einer jungen Mannschaft immer mal in Situationen, in denen es schwierig wird. Dann merkt man, dass das junge Leute sind, die auf dem Niveau noch nicht so viel gespielt haben. Es fehlt eben an Erfahrung und Konstanz. Das muss man unserem Programm nachsehen.
Bereitete Ihnen die Niederlage im letzten Heimspiel gegen Tübingen schlaflose Nächte? Danach wurde es richtig eng.
Rödl: Das war für alle eine sehr aufregende Zeit. In Retrospektive war es toll zu sehen, wie die Mannschaft reagiert. Es spricht für die Mannschaft, was sie danach für ein Wahnsinnsspiel in Frankfurt abgeliefert hat. Wir haben eine sensationelle Hinrunde gespielt, das hat sich in der Rückrunde ausgeglichen.
Das Team wird sich in der neuen Saison verändern, bei vielen Spielern sind die Verträge ausgelaufen. Wie ist der aktuelle Stand?
Rödl: Vitah Chikoko und Jermaine Bucknor haben noch einen Vertrag. Auch Mathis Mönninghoff wird bleiben. Bei Luka Buntic haben wir die Option gezogen, er entwickelt sich gut. Wir versuchen, ein Gerüst zu halten. In der vergangenen Saison haben wir starke und gute Charaktere reingebracht. Das ist auch das Ziel für das nächste Jahr.
Wer soll denn unbedingt bleiben? Und wer steht nicht so weit oben auf der Prioritätenliste?
Rödl: Wir stehen noch ganz am Anfang. Ich werde nicht sagen, wen ich halten will und wen eher nicht - das ist nicht gut für die Mannschaft. Wichtig ist, dass wir die richtigen Charaktere bekommen. Dass wir Spieler haben, die sich hier beweisen können.
Wer sind denn die richtigen Leute für den "Trierer Weg"? Und wie sind die Aussichten, sie auch zu bekommen oder zu halten?
Rödl: Wir bieten in Trier ein sehr interessantes Angebot. Ich habe den Eindruck, dass wir finanziell so gut dastehen wie letztes Jahr, vielleicht sogar etwas besser. Ich weiß gar nicht, wie viele Damoklesschwerter über dem Club hingen, als ich in Trier angefangen habe. Das hat sich total beruhigt. Auch der Zuschauer zuspruch war so groß wie noch nie. Das wird sich vielleicht etwas auf das Budget auswirken. Klar ist, dass wir uns keine Schaffartziks (Anm. der Red.: Nationalspieler, Alba Berlin) kaufen können. Aber Spieler, die an der Schwelle stehen, die merken sich Trier. Diejenigen, die wir holen, müssen auch funktionieren. So war es in dieser Saison: Unsere zweite Fünf war in jeder Hinsicht unsere große Stärke. So hat Nate Linhart eine phänomenale Saison gespielt. Aber selbst er hat nur 28 Minuten auf dem Feld gestanden. Es macht den Unterschied, wenn man eine zweite Fünf hat, die neue Impulse setzen kann.
Wie sieht es denn bei Nate Linhart aus? Er war in seinem zweiten Jahr bei der TBB überragend, defensiv wie offensiv. Gibt es eine Chance, ihn zu halten?
Rödl: Alle wissen, dass sich Nate bei uns sehr wohlfühlt. Alle wissen aber auch, dass er auf jeder Liste steht - natürlich auch auf der Liste der Fans. Wir werden versuchen, was wir können. Aber ich schätze die Chancen im Moment nicht besonders hoch ein. Nate Linhart ist ein Riesentyp, der als Galionsfigur für das steht, was ich auf dem Feld sehen will - in puncto Einsatz und Ausstrahlung. Ich sehe viel von dem, wie ich früher gespielt habe, in ihm. Er hat zu unserem Programm extrem gut gepasst.

Wie sehen Sie die Entwicklung in der Basketball-Bundesliga?
Rödl: Ich glaube, es gibt keine Sportart, in der die Liga in kurzer Zeit so einen Sprung gemacht hat. Die Leistungsdichte war noch nie so hoch wie jetzt - und sie könnte noch steigen.
Heute beginnen die Playoffs. Wer wird in diesem Jahr Meister?
Rödl: Keine Ahnung. Aber das ist ja schon eine Aussage. Die Bamberger waren am Ende der Normalrunde nicht mehr so solide, auch bedingt durch Verletzungen. Von daher ist es so offen wie noch nie. Beste Chancen hat die Mannschaft, die jetzt einen Lauf bekommt. Wer im Viertelfinale Bayern - Alba weiterkommt, hat gute Aussichten.
Extra

Henrik Rödl (44): Der gebürtige Offenbacher ist seit 2010 Cheftrainer bei der TBB Trier. Im Dezember 2012 hat er seinen Vertrag bis 2016 verlängert. Der 178-fache Nationalspieler wurde als Spieler u.a. Europameister und US-College-Meister 1993 und sieben Mal in Folge Deutscher Meister mit Alba Berlin. Als Alba-Trainer holte er zudem den Pokalsieg 2006. Rödl ist verheiratet und lebt mit Ehefrau Susan und den Kindern Leah und Elias in Trier. Rund um die TBB: Die Jahreskarten für die Saison 2013/14 können ab sofort bestellt werden. Zudem können TBB-Fans künftig Mitglied im Club werden - dazu wird der Treveri Baskets e.V. gegründet. Weitere Infos: tbb-trier.de Playoff-Runde: 4. Mai, Bayern - Alba (17.05 Uhr), Ulm - Artland (19 Uhr), 5. Mai: Oldenburg - Bonn (18 Uhr), Bamberg - Hagen (19.30). AF Die Kolumne "Auszeit" finden Sie auf Seite 19. Das komplette Interview: volksfreund.de/extra