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Hermeling geht - und bleibt!

Hermeling geht - und bleibt!

Lothar Hermeling ist von seinem Vorstandsposten beim Basketball-Bundesligisten Treveri Basketball AG zurückgetreten. Er soll aber als Marketing- und Vertriebsmanager beim Club bleiben. Hermelings Beurlaubung wurde zugleich aufgehoben. Viele Fragen blieben bei der gestrigen Pressekonferenz der TBB aber unbeantwortet.

Trier. Vor fünf Wochen hat sich Lothar Hermeling als Vorstandsmitglied der Treveri Basketball AG beurlauben lassen.

Zur Pressekonferenz kam Hermeling damals nicht. Es ging um den Verdacht der Unterschriften-Fälschung unter einem Spieler-Vertrag im Januar. Hermeling war nicht unmittelbar beschuldigt, stand aber als damaliger Geschäftsführer der GmbH in der Verantwortung. Die gestrige Pressekonferenz erlebte Hermeling live mit, wenn auch nicht vom Podium aus. Sollte heißen: Hermeling ist wieder an Bord. Er trete aber - wie es heißt auf eigenen Wunsch - vom Vorstandsposten zurück und wird nun Marketing-Chef.

Hermeling hat laut Aufsichtsrat die zur "Aufklärung der Sachlage angekündigten Aktivitäten" unternommen. Die anwaltliche Prüfung habe ergeben, dass die Beurlaubung aufgehoben werden könne. Laut dem Aufsichtsratsvorsitzenden Ralph P. Moog sei Hermeling "im Zusammenhang mit dieser Affäre kein Vorwurf" zu machen. Es gebe für den Aufsichtsrat keine Notwendigkeit "zu weiteren Äußerungen": "Wir betrachten die Sache als erledigt." Die Staatsanwaltschaft ermittelt indes weiter.

Viele Fragen blieben unbeantwortet. Auf die Frage, ob die AG über den Stand der staatsanwaltlichen Ermittlungen informiert sei, antwortete Moog: "Über den Stand der Dinge wissen wir nichts." Moog bestätigte auf Nachfrage, dass der am 30. Juli in der Pressekonferenz angekündigte Entlastungszeuge inzwischen eine Aussage gemacht habe. Laut Moog gibt es sogar zwei Zeugen. Was die beiden Personen ausgesagt hätten, wisse er. "Aber es ist nicht unsere Aufgabe, in der Öffentlichkeit darüber zu diskutieren." Die Trierer Justizbehörden, die nach wie vor wegen des Verdachts der Urkundenfälschung ermitteln, wissen von den Zeugen-Aussagen nichts. Der Leitende Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer antwortete auf TV-Nachfrage: "Nein, es gibt in diesem Ermittlungsverfahren keine Entlastungszeugen."

Keine Aufklärung gab die TBB darüber, wo die verschwundenen Original-Verträge mit Spielern geblieben sind. Nach diesen hatte die Staatsanwaltschaft bei einer Durchsuchung der TBB-Geschäftsräume vergeblich geforscht. Ob Hermeling während seiner Beurlaubung für die AG Verhandlungen mit Sponsoren oder Verträge perfekt gemacht habe, wisse er nicht. Moog: "Er hatte keinen offiziellen Auftrag."

Klarer wurden die Statements, als es um die zukünftige Aufgabenverteilung in der Führungsebene ging. Moog: "Es gibt mit Sascha Beitzel nur noch einen Vorstand, der damit allein vertretungsberechtigt ist." Die sportliche Organisation liege bei Headcoach Rödl und Geschäftsstellenleiter Haasenritter.

Meinung

Schweigen statt Aufklärung

Aufklärung - das hat sich die Treveri Basketball AG im Zuge der Manipulations-Vorwürfe auf die Fahne geschrieben. Spätestens seit der gestrigen Pressekonferenz ist klar, dass das nur ein lauwarmes Wörtchen war. Der Wahrheit letzter Schluss soll nun sein: Lothar Hermeling räumt den Vorstandsposten, bleibt aber im Marketing und Vertrieb an Bord. Zweite Reihe statt vorderster Front. Damit sei die Sache vom Tisch, die Beurlaubung auch, Hermeling sei völlig rehabilitiert. Und wer jetzt nicht sofort Lust auf Eierkuchen bekommt, so mag man glauben, ist ein notorischer Miesmacher. Dabei hätte die Beantwortung einfacher Fragen schon geholfen, die Akte womöglich zuzuschlagen: Wer sind die angeblichen Zeugen? Warum sind die Original-Dokumente verschwunden? Keine Auskunft - und das bei einer Pressekonferenz zu diesem Thema. Für die TBB AG soll die unappetitliche Unterschriften-Affäre nun beendet sein. Das ist aber reines Wunschdenken. Zumal die staatsanwaltlichen Ermittlungen längst nicht abgeschlossen sind. Mit dieser halbherzigen Darbietung, gepaart mit Schweigen und immer noch unbeantworteten Fragen, hat die TBB an ihrer Glaubwürdigkeit gekratzt. Immerhin ist schon klar: Es wird nicht die letzte Pressekonferenz zum Thema gewesen sein. a.feichtner@volksfreund.de