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Hobby-Model, Klette und harter Arbeiter

Hobby-Model, Klette und harter Arbeiter

Am Sonntag ist der erste Heimsieg in der noch jungen Bundesliga-Saison fällig: Das zumindest kündigt TBB-Aufbauspieler Bastian Doreth vor dem Spiel gegen die "Wundertüte" Frankfurt Skyliners an (17 Uhr, Arena).

Trier. Ein Auswärtssieg, eine knappe Heimniederlage: Die Trie rer Basketballer sind ordentlich in die neue Saison gekommen. Bastian Doreth ist ganz zufrieden. Aber Luft nach oben gäbe es immer. Daran muss man arbeiten. Hart arbeiten.
Doreth trifft den TV-Reporter nach dem Vormittagstraining am Donnerstag. Der Aufbauspieler hat noch nicht genug. "Du findest mich auf einem Fahrrad", simst er. Individual-Training im Fitnessstudio. Aufholen muss der gebürtige Nürnberger, der nur in seiner Heimat das Fränkisch auspackt, eigentlich nichts. Er hatte vielleicht den härtesten Sommer aller TBB-Spieler. In der erfolgreichen EM-Qualifikation des deutschen Nationalteams spielte er eine tragende Rolle. Das bedeutete auch: Der 23-Jährige stieß erst nach dem Länderspiel-Marathon zu seinem neuen Team.
Eingewöhnung, Systeme lernen, Kollegen und Stadt kennenlernen - das sei aber alles kein Problem gewesen. "Ich hatte mich schon öfter mit Henrik Rödl kurzgeschlossen, als ich bei der Nationalmannschaft war. Da ist zwar das eine oder andere neue System dabei, aber das geht recht schnell. Wir sind auch noch in der Findungsphase." Zudem habe er seine neuen Kollegen Mathis Mönninghoff und Andi Seiferth ja schon in der Nationalmannschaft kennengelernt.
Auf der offiziellen BBL-Seite wird der vom FC Bayern München ausgeliehene Doreth als "Shooting Guard" bezeichnet. Aber das ist nicht seine Stamm-Position. "Ich bin ein typischer Point Guard und versuche, durch aggressive Verteidigung ins Spiel zu kommen und dann auch meine Mitspieler in Szene zu setzen." Als Aufbauspieler ist er auch in Trier eingeplant. 20 bis 25 Minuten mit voller Intensität, darauf läuft es hinaus. Die "Klette" nannte ihn die Münchner Presse mal, weil er seinem Gegner keinen Zentimeter Raum lässt.
Nur wenn er mal gemeinsam mit Jarrett Howell auf dem Parkett steht, wird er auf den Flügel ausweichen. Dass Doreth auch aus der Distanz trifft, davon konnten sich die TBB-Fans schon beim Heimspiel gegen Braunschweig überzeugen. Am vergangenen Samstag gab es - unter den Augen von Doreths Vater - nur einen Haken an der Sache: Die TBB verlor knapp.
Am Sonntag wird im Spiel gegen Frankfurt seine Mutter auf der Tribüne sitzen - und einen Heimsieg sehen, wenn es nach ihrem Sohn geht. "Frankfurt ist eine Wundertüte, das hat der Saisonstart gezeigt. Sie haben sehr gute Spieler im Kader, etwa Quantez Robertson. Aber wenn wir unsere Systeme konsequent durchspielen, werden wir unsere offenen Würfe bekommen. Und dann sieht es gut aus mit dem Heimsieg."
Im Sommer hatte Doreth seinen Vertrag bei Bayern München verlängert, zugleich wurde er für ein Jahr nach Trier ausgeliehen. Die Demission des Bayern-Trainers Dirk Bauermann kam für ihn aber nicht allzu überraschend. "Für die Leute, die die Hintergründe kennen, kam das nicht so plötzlich. Aber ich war vom Zeitpunkt überrascht. Bauermann hat mich nach München geholt, er hat mir viel beigebracht und war eine Bezugsperson für mich. Aber ich denke, es war auch an der Zeit für eine Veränderung. Vielleicht war das ein letzter Hallo-wach-Effekt für die Mannschaft. Auch wenn die Saison nicht so gut begonnen hat."
In Trier dreht sich für ihn alles um den Basketball. Welche Hobbys er hat? In München hat Doreth für ein Mode-Label von Freunden gemodelt ("vielleicht im Sommer wieder"). Er verreist gerne. Aber in Trier blickt er auch abends am liebsten auf Parkett. "Ich habe mir ein Abo für die Euroleague zugelegt. Das wird meine Abendbeschäftigung sein."Extra

TBB Trier - Frankfurt (Sonntag, 17 Uhr, Arena)Der Gegner: Die Skyliners zählen nicht mehr zu den absoluten Topteams der Liga - bisher gilt: Das Team von Trainer Muli Katzurin ist unberechenbar. Gegen die Artland Dragons gab es einen Sieg, dafür verlor Frankfurt aber am Mittwoch zu Hause gegen Aufsteiger Mitteldeutscher BC. Das sagt TBB-Trainer Henrik Rödl: "Frankfurt ist ein sehr gefährlicher Gegner, der aggressiv spielt. Sie haben genügend Qualität, um jeden in der Liga zu schlagen. Aber wir hatten viel Zeit zur Analyse und sollten eine gute Chance haben." AF