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Hoch oben wird aus einem Fremden ein Freund

Hoch oben wird aus einem Fremden ein Freund

Der eine hat einen Schlaganfall überstanden, der andere hat ein transplantiertes Herz: Gemeinsam sind der Trierer Peter Schermann und Elmar Sprink nun über die Alpen geradelt.

Mayrhofen/Riva/Trier Der Transalp - die Überquerung der Alpen mit dem Fahrrad - wäre für Peter Schermann dieses Jahr wohl kein Thema gewesen. Elmar Sprink hätte der Trie rer wohl auch nicht kennengelernt, wäre da nicht der Ostermontag gewesen, der zum vielleicht einschneidendsten Tag in Schermanns Leben wurde.
Er hatte sich mit einem Freund zum Training verabredet, als er ein komisches Gefühl im linken Ohr bemerkte. "Ich dachte, ich hätte einen Zug bekommen", berichtet der 29-Jährige. Doch plötzlich war seine ganze linke Körperhälfte gelähmt. Schermann konnte nicht richtig sprechen. Als sein Freund, ein ehemaliger Rettungssanitäter, eintraf, ging es ganz schnell: "Er hat sofort den Notarzt gerufen."
Statt auf seiner Trainingsstrecke fand sich Schermann - durchtrainiert, 1,90 Meter groß, 76 Kilo schwer, Körperfettanteil zwischen acht und neun Prozent und Nichtraucher - im Krankenhaus wieder. Die Diagnose: Schlaganfall. "Am Anfang war nicht klar, ob ich mich wieder richtig bewegen kann", erinnert er sich. Vom Leistungssportler zum Pflegefall? "Ich habe immer daran geglaubt, dass es wieder wird", sagt Schermann. Ein Arzt habe ihm erklärt, dass er einfach Pech gehabt hatte. Aber auch Glück. Bis zu seinem 26. Lebensjahr spielte Schermann Basketball, unter anderen in der Ober- und Regionalliga. Dann sattelte er auf Radsport und Triathlon um. Seine gute körperliche Verfassung habe noch Schlimmeres verhindert, glaubt Schermann. Schnell saß er wieder im Fahrradsattel. "An ein paar Stellen muss ich aber noch kämpfen", sagt der Volkswirt, der in Luxemburg bei einer Versicherung arbeitet. So regeneriere er langsamer als zuvor. Der Schlaganfall habe ihn geerdet, sagt Schermann. "Jetzt habe ich auch die andere Seite kennengelernt."
Und mit Elmar Sprink einen Mann, der eine noch schwerere Krankheit überwunden hat. Nach einer Herztransplantation im Jahr 2012 bestreitet der 45-Jährige wieder Ironman-Triathlons und ist über die Alpen gelaufen.
Wenige Tage vor dem Transalp (siehe Info) schien für Sprink das Unternehmen, als erster Athlet mit einem transplantierten Herz das Mountainbike-Etappenrennen zu bewältigen, zu scheitern. Sein Teampartner war erkrankt. Doch durch den gemeinsamen Radsponsor kam der Kölner mit Schermann in Kontakt. Die Chemie stimmte, das Team Herzrasen 2.0 war geboren.
Sportlich wurde der Transalp für den Trierer nicht zur riesigen Herausforderung. "Ich konnte es mehr genießen, als wenn ich einen richtigen Renneinsatz für mein Team Embrace the World gehabt hätte", sagt Schermann. Er unterstützte den 16 Jahre älteren Sprink, zog ihn an zwei Tagen in den steilsten Anstiegen mit.
Obwohl sich Sprink und Schermann erst kurz vor dem Rennen kennenlernten, harmonierten sie hervorragend. Sprink: "Ich bin mit einem Fremden losgefahren und mit einem Freund angekommen."Extra: TRANSALP - EINE TORTUR ÜBER 540 KILOMETER


Eine Alpenüberquerung gehört für Ausdauersportler weiterhin zu den großen Abenteuern. Der MTB-Transalp, der vom Mountainbike-Magazin Bike veranstaltet wird, gilt als eines der härtesten Etappenrennen der Welt. In diesem Jahr führte er über sieben Tage von Mayrhofen in Österreich nach Riva am Gardasee. Auf rund 540 Kilometern waren 18 185 Höhenmeter zu überwinden. Elmar Sprink und Peter Schermann belegten in der Altersklasse der Masters den 73. Platz unter 125 Teams (Gesamtfahrzeit: 36:49,43 Stunden). (teu)