„Ich habe gedacht, dass mehr Leute mitanpacken“: Gladiators-Trainer Marco van den Berg über sein erstes halbes Jahr in Trier

„Ich habe gedacht, dass mehr Leute mitanpacken“: Gladiators-Trainer Marco van den Berg über sein erstes halbes Jahr in Trier

Basketball: Gladiators-Trainer Marco van den Berg spricht vor dem Rückrundenstart gegen Paderborn am Samstagabend (20 Uhr/Arena Trier) über sein erstes halbes Jahr in Trier.

Herr van den Berg, Sie sind einem halben Jahr in Trier - wie lebt es sich an der Mosel?
Marco van den Berg: Ich habe mich gut eingelebt, kenne mich schon ganz gut aus. Mein Bruder ist über Silvester zu Besuch. Ihm habe ich eine Ferienwohnung in Kell am Seeangemietet, da komme ich schon ohne Navigationsgerät hin (lacht).

Gab es etwas, was Sie hier in Trier überrascht hat?
MvdB: Ja, da gibt es zwei Dinge, die neu für mich waren. Zum einen die vielen Autos, die in Trier unterwegs sind. Für so eine schöne alte Stadt finde ich das schade. Es wäre gut, wenn es Umgehungen um die Stadt herum geben würde. Innerhalb der City sollten nur Stadtbusse fahren.

Und die zweite Sache?
MvdB: Das ist die abwartende Haltung vieler Menschen im Bezug auf die Gladiators, das hat mich auch überrascht: So nach dem Motto ,das wird ja eh nichts‘. Vor der Saison im Sommer hatte ich das Gefühl, dass Wolli Esser, Josip Bosnjak, die Geschäftsstelle, Henrik Rödl, ich sowie eine kleine Gruppe von Spielern, die zu dem Zeitpunkt schon da waren, hier alleine arbeiten und alle anderen sich das distanziert von außen anschauen. An diese Stimmung musste ich mich gewöhnen.

Hatten Sie damit nicht gerechnet?
MvdB: Aus meiner Zeit als Trainer in Bayreuth hatte ich vor Auswärtsspielen in Trier immer das Gefühl: Oh, das wird ein schwieriges Duell, die Leute dort lieben Basketball, kennen sich aus, stehen hinter ihrem Team. Daher habe ich gedacht bevor ich hier angefangen habe, dass mehr Leute mitanpacken und hinter dem neuen Verein stehen würden - aber das war am Anfang nicht so.

Hatten Sie darüber nachgedacht, die Brocken hinzuschmeißen?
MvdB: Nein, nein, gar nicht, es war halt nur ein bisschen anstrengend, weil ich so viel alleine machen musste. Aber ich liebe meine Arbeit. Ich muss hier auch mal betonen, wie wichtig Henrik Rödls Hilfe war und ist, er hat mir sehr geholfen. Wichtig ist für mich nun, dass sich mehr Leute im Club engagieren - in welcher Form auch immer. Wir brauchen Mitdenker, ich hoffe, dass das Trauma der TBB-Insolvenz jetzt so langsam verarbeitet ist und die Leute sagen: Okay, wir packen mit an. Wir brauchen mehr Unterstützung, ich auch.

Sie haben zwischen 2011 und 2013 bereits einmal in Deutschland gelebt und gearbeitet: Gib es viele Parallelen zwischen Ihrer Bayreuther und Ihrer Trierer Zeit?
MvdB: Nein, die beiden Stationen sind komplett unterschiedlich: Im Wesentlichen deswegen, weil es in Bayreuth komplett neu für mich war, ohne meine Frau und meine Tochter zu leben. Das war sehr schwierig für mich. Jetzt kriegen wir das viel besser hin, auch wenn wir uns nur circa zehnmal pro Saison sehen. Wir sprechen täglich mehrmals miteinander über Facetime, da kann man sich ja auch sehen. Das Wichtigste ist, dass wir das als Familie gut verarbeiten, das funktioniert sehr gut.

Wie sieht es mit sportlichen Unterschieden aus?
MvdB: Wir haben momentan das Pech, dass die deutschen Jungs bei uns noch nicht so viel Einfluss haben im Team. Das hat im Wesentlichen mit den Verletzungen von Simon Schmitz, Alex Engel, Justin Raffington und Kilian Dietz zu tun. Die übrigen deutschen Spieler sind noch nicht so dominant, dass sie ein Team anführen können. In Bayreuth gab es bereits eine Truppe von deutschen Spielern um Simon Schmitz, Nicolai Simon, Peter Zeis, Tom Spöler und Stefan Schmidt, wo die US-Amerikaner wussten: Okay, mit denen muss man rechnen. Genau das ist auch mein Ziel in Trier, aber dafür brauchen wir noch mehr Einfluss von unseren deutschen Jungs.
Nach der Hinrunde belegen die Gladiators Tabellenplatz 10 mit sechs Siegen und neun Niederlagen - wie fällt Ihr Fazit aus?MvdB: Ich hätte gerne zwei der Partien, die wir knapp verloren haben, gewonnen. Doch mal abgesehen davon war es in der Hinrunde mein Ziel, in der Mannschaft eine Niemals-Aufgeben-Mentalität zu schaffen. Ich will Spieler, die sagen: ‚Ich will immer besser werden, an mir arbeiten‘. Das haben wir richtig in die Mannschaft reinbekommen, das ist gut.Woran lag es denn, dass die knappen Spiele meist verloren gingen?
MvdB: Wenn man so ein knappes Spiel spielt und man ist vorne, dann muss man seine Freiwürfe treffen und Ballverluste verhindern. Beides haben wir zu selten geschafft, daher haben wir zurecht verloren. Außerdem fehlte uns oft ein Entscheider, ein Spieler, der das Spiel in engen Phasen an sich gerissen hat. Daher ist es wichtig, dass wir nun für die wichtigen Spiele im Januar auf Kwadzo Ahelegbe zurückgreifen können.

Erfahrung auf dem Feld hätte Aufbauspieler Simon Schmitz bringen können. Doch er laboriert nach wie vor an einer Schambeinentzündung, soll im Februar vielleicht wieder an Bord sein. Hat der Verein das Ausmaß seiner Verletzung unterschätzt?
MvdB: Ich hatte gehofft, dass Simon ab Oktober wieder ins Teamtraining einsteigen könnte. Seine Verletzung hat sich aber viel länger hingezogen. Das stimmt schon.

Im November ist Eric Anderson aus dem Kader gestrichen worden, dafür ist Jack Eggleston gekommen. Schaut man sich die Statistiken der beiden an, sind keine großen Veränderungen zu erkennen. Hat sich der Austausch gelohnt?
MvdB: Ja, es war sehr wichtig, einen Spieler mit Erfahrung zu holen, der von seiner Mentalität aus niemals aufgibt. Jack ist ein Kämpfer, er passt einfach besser ins Team. Er hat die letzten Spiele mit einem kaputten Sprunggelenk gespielt, ich wusste das nicht, aber er hat einfach auf die Zähne gebissen. Wir wollen hier in Trier kein Sprungbrett sein, wo man kurz spielen kann, ein bisschen Spaß hat und dann geht. Jack lebt das vor. Gegen Hamburg war er in ganz entscheidenden Momenten da. Er wird sich weiter ins Team hineinspielen.

Was ist denn in dieser Saison noch möglich?
MvdB: Vieles hängt davon ab, wie schnell wir die Verletzungsprobleme in den Griff bekommen. Wenn alle fit sind, steigt unsere Qualität enorm. Um es in die Playoffs zu schaffen, müssen wir in der Rückrunde neun oder zehn Spiele gewinnen. Es ist eine ausgeglichene Liga - es ist möglich, aber ich kann es nicht versprechen. Aber wenn wir alle an Bord haben, dann sind wir gut genug.

Im Sommer haben Sie die Idee einer Basketball-Academy in Trier vorgestellt, in der junge Spieler ausgebildet werden sollen - wie weit sind die Pläne vorangekommen?
MvdB: Jeder mit dem ich gesprochen habe, war begeistert von der Idee. Die anderen Basketballvereine in der Stadt sehen das ein bisschen anders, aber ich denke da gibt es dennoch Zusammenarbeits-Möglichkeiten. Für mich ist es wichtig, dass wir 2016 anfangen können mit einem Angebot an alle talentierten Basketballspieler in der Region ab zehn Jahren. Das Angebot soll lauten: Ihr könnt bei uns so günstig wie möglich jeden Tag besser werden und bei uns trainieren. Dafür braucht es auch Partnerschaften mit Schulen. Ich habe viele Leute mit dieser Idee begeistert, aber es gibt nach wie vor keine Halle, es gibt auch noch keine finanziellen Mittel für einen Trainer. Für mich ist es einfach wichtig, dass wir dieses Angebot bald geben können. Bei der Organisation und Umsetzung benötige ich allerdings Hilfe.

Ich bin nicht hier in Trier, um nur mein Geld abzuholen und wieder zu gehen: Wir können hier etwas aufbauen und einen neuen Maik Zirbes fördern. In unserer Mannschaft geben wir deutschen Jungs die Chance, sich als Leistungsträger zu etablieren, das werden wir auch in der kommenden Saison wieder so machen.

Also können Sie sich vorstellen, länger in Trier zu bleiben?
MvdB: Klar, aber das müssen die Leute auch wollen. Ich möchte hier etwas aufbauen.

Heimspiel gegen Paderborn

Nach zwei Wochen Winterpause starten die Gladiators Trier am heutigen Samstag in die Rückrunde. Um 20 Uhr empfangen die Gladiatoren dieBaskets Paderborn in der Arena. Das Hinspiel konnte Trier im Oktober mit 72:65 für sich entscheiden. Bei den Gladiators hat Center Kilian Dietz seinen Muskelfaseriss im Oberschenkel auskuriert und steht wieder im Kader. Ob die Spielberechtigung für Neuzugang Kwadzo Ahelegbe (der TV berichtete) pünktlich zum Spielbeginn eintreffen wird, bleibt abzuwarten. Verzichten muss Trier definitiv auf Alexander Engel. Der Aufbauspieler muss erneut an der Hand operiert werden und fällt bis Saisonende aus. Auch für Simon Schmitz kommt das Heimspiel zu früh. Zwar trainiert der 25-Jährige schon mit dem Team, mit einem ersten Einsatz rechnet Trainer Marco van den Berg allerdings erst im Februar. mfr

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