1. Sport
  2. Basketball

"Ich kann keine Wunder vollbringen"

"Ich kann keine Wunder vollbringen"

Offiziell tritt Henrik Rödl seinen Dienst in Trier am 1. Juli an. Wie sich der Wechsel zur Treveri Basketball AG ergab, hat der neue Trainer des Bundesligisten bereits in der Pressekonferenz vor Wochenfrist erläutert. Im TV spricht er über die Beweggründe.

Berlin. "Ich war an einem Punkt angelangt", sagt der 41-jährige Henrik Rödl, "an dem ich für mich etwas ändern wollte, wenn ich in der Entwicklung als Trainer nicht auf der Stelle treten will." Die Überlegungen, welche Optionen es für ihn geben könnte, begannen schon vor Monaten. Und mit jedem Tag, mit jeder Woche, reifte der Gedanke, etwas anderes machen zu wollen, zum Entschluss.

"Genau zu diesem Zeitpunkt hat mich James Marsh kontaktiert." Mit Marsh, lange Jahre Spieler in Trier und zuletzt Co-Trainer, hatte er in der Junioren-Nationalmannschaft gespielt. "Er ist ein Vertrauter", sagt Rödl, "da gibt es eben direkt einen Draht, der sich bei Fremden erst nach einer gewissen Zeit bildet. Oder auch nicht." Weil das, was Marsh zu unterbreiten hatte, "passte wie die Faust aufs Auge", wurden die Gespräche schnell intensiver. "Es gab auch ein paar lose Kontakte mit anderen Interessenten", gibt der Wahlberliner zu, "aber als diese Anfragen kamen, waren die Gespräche mit den Verantwortlichen in Trier schon so weit gediehen, dass ich mich damit nicht mehr ernsthaft beschäftigt habe."

Die Vorbereitung die Saison hat für ihn natürlich längst begonnen. Neben der Wohnungssuche ("Ich glaube, wir haben das Richtige für uns gefunden") steht auf dem privaten Sektor vor dem Umzug auch noch ein ganz wichtiger Punkt für die beiden Kinder Leah (zwölf Jahre) und Elias (acht) auf dem Programm. "Wir müssen die geeignete Schule für sie finden."

Rödl: Bin überwältigt von der positiven Resonanz



Für den Nachwuchs des Trainers ist der Umzug ein Einschnitt, gravierender als für ihre Eltern.

"Wir haben zwar jetzt viele Jahre in der Millionenmetropole Berlin gewohnt, aber meine Frau Susan kommt aus einer Kleinstadt in den USA, und ich bin bekanntlich aus Offenbach. Da ist der Wechsel in diese schöne und gemütliche Stadt kein Problem." Das Schwerste für die Kinder sei, "dass sie aus ihrem Freundeskreis gerissen werden. Sie werden eine längere Zeit der Anpassung brauchen. Aber das werden wir schaffen."

Der einzige deutsche Basketballer, der jemals amerikanischer Collegemeister wurde, ist von der Resonanz und den positiven Reaktionen, die er erfahren hat, "schier überwältigt".

Er weiß auch, dass diese grenzenlose Zustimmung ein Risiko birgt: "Ich kann keine Wunder vollbringen. Und das, was wir, die Entscheidungsträger der AG, der sportliche Beirat und die Jugendtrainer, vorhaben, erfordert Geduld."

Rödl freut sich über den Rückhalt und das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird, "aber wenn ich mir die Reaktionen in den Medien anschaue, wird mir schon etwas mulmig". Denn Fakt ist: "Wir haben derzeit keine Mannschaft. Wir haben nur Maik Zirbes, Alexander Andreev und Samy Picard. Das Team, das die Basis unserer langfristigen Planung ist, muss ich erst zusammenstellen."

Er wird viele Spieler beobachten, viele Gespräche führen, um eine sportlich und menschlich harmonierende Gruppe zu bilden. "Wenn es optimal läuft, haben wir alle zusammen, wenn wir im August mit der Saisonvorbereitung beginnen." Namen habe er schon im Kopf, "aber es hilft ja nichts, wenn ich mich jetzt oute. Denn es gibt keinerlei Garantie, dass wir die Wunschspieler auch bekommen." Ob zu dem neuen Team auch der eine oder andere Akteur der bisherigen Mannschaft gehört, ist offen: "Wenn es passt, warum nicht?"