Interview mit Gladiators-Trier-Chef Achim Schmitz vor dem Saisonbeginn

Römerstrom Gladiators vor dem Start : Gladiators legen los: „Wir wollen in die Playoffs!“

Vor dem Saisonauftakt gegen Karlsruhe am Samstag (19.30 Uhr, Arena) spricht der Gladiators-Geschäftsführer darüber, warum die 1. Basketball-Bundesliga für Trier momentan kein Thema ist und wieso er bald kürzertreten wird. Zudem verrät er, was er von der neuen Saison erwartet – und dann ist da noch ein eindringlicher Appell.

Herr Schmitz, Sie gehen bereits in Ihre fünfte Saison als Geschäftsführer der Gladiators Trier: Immer noch top motiviert?

Achim Schmitz: Auf jeden Fall. Warum fragen Sie?

Weil ein ehemaliger Angestellter von Ihnen, Ex-Gladiators-Coach Marco van den Berg, wie man hört mittlerweile auch Motivationsseminare veranstaltet. Das ist also keine Option für Sie und die Gladiators?

Schmitz: Achso. Ja, davon habe ich gehört. Aber nein, das brauchen wir nicht (lacht). Nein, nein ich habe keine Motivationsprobleme, um Gottes Willen. Ich habe den Job damals begonnen, weil ich wieder etwas aufbauen wollte im Trierer Profi-Basketball. Ich wollte nicht nur, dass wir uns sportlich, sondern auch strukturell weiterentwickeln. Aber ich habe auch immer gesagt, dass ich das nicht ewig machen werde. Wir haben jetzt gute Leute an Bord mit Andre Ewertz und Christian Held. Wir wollen den Club dauerhaft auf breitere Füße stellen.

Sie haben Andre Ewertz erwähnt: Er ist seit dieser Saison ebenfalls Geschäftsführer, dennoch haben Sie den Hut auf: Wird er die Rolle auf lange Sicht alleine übernehmen?

Schmitz: Ich trage keinen Hut! Aber wir werden den Club langfristig auf der Führungsebene weiter umstrukturieren.

Heißt was?

Schmitz: Konkretes kann ich dazu noch nicht sagen: Nur so viel: Es wird noch in dieser Saison passieren. Ob wir das dann zum Saisonende verkünden werden oder erst zur neuen Saison steht noch nicht fest.

Klingt geheimnisvoll. Können Sie denn zumindest verraten, ob Sie für diese Saison noch im Amt bleiben?

Schmitz: Kann ich noch nicht sagen. Was ich verraten kann, ist, dass ich dem Club auf jeden Fall erhalten bleibe.

Inwiefern hat Ihr Job als Firmenchef einer Baufirma in Sehlem damit zu tun, dass Sie bei den Gladiators kürzertreten wollen?

Schmitz: Das spielt eine große Rolle. Ich habe mich 2014 selbstständig gemacht und bei null angefangen. Mittlerweile haben wir stark expandiert, haben 30 Mitarbeiter. Das spannt mich sehr ein. Mein Unternehmen ist das, wovon ich lebe. Basketball  ist mein Hobby – daher war es von Beginn an klar, dass ich nicht ewig als Geschäftsführer der Gladiators tätig sein werde.

Das letzte ProA-Pflichtspiel liegt fast ein halbes Jahr zurück: Was haben Sie aus der vergangenen Saison gelernt?

Schmitz: Fakt ist: Wir konnten in den Playoffs nicht mehr dagegenhalten. Wir wollten, aber wir konnten nicht mehr – weil viele dazu körperlich nicht mehr in der Lage waren. Das hatte Gründe.

Welche?

Schmitz: Unter anderem die vielen Verletzten. Dadurch erhielten viele Spieler mehr Spielzeit als sie eigentlich hätten bekommen dürfen. Die Mannschaft war einfach platt am Ende. Wir mussten einen riesigen Kraftakt hinlegen, um überhaupt in die Playoffs zu kommen. Im Sommer haben wir die Verletzungen der vergangenen Saison mal analysiert und daraus spezielle Trainingsmodelle für einzelne Spieler entwickelt, um das in Zukunft zu vermeiden. Auch wenn man sagen kann, dass bestimmte Verletzungen einfach nicht zu vermeiden sind.

Dennoch gab’s zuletzt schon wieder immense Verletzungsprobleme: Stefan Ilzhöfer, Kilian Dietz, Till Gloger …

Schmitz: Von immensen Verletzungsproblemen würde ich nicht sprechen. Stefan hat sich ein Band im Fuß gerissen, der ist wieder im Aufbautraining. Er ist hochgesprungen, auf dem Fuß eines anderen Spielers aufgekommen und umgeknickt. So etwas passiert, das lässt sich eben schwer vermeiden. Till hatte ein paar Rückenbeschwerden. Das ist auch ein Stück weit normal in der Vorbereitung. Es sind harte Trainingseinheiten, da passiert natürlich auch mehr, als wenn sich die Spieler im normalen Spielrhythmus befinden.

Trotzdem sorgen ein, zwei Verletzte schnell für Engpässe im dünn besetzten Kader…

Schmitz: Wir haben uns bewusst für diesen Kader entschieden, weil wir auch ein anderes Spielsystem spielen wollen, was auch aus der Analyse der vergangenen Saison herrührt.

Wie soll das aussehen?

Schmitz: Wir wollen eine schnelle, aggressive Mannschaft haben, die gut verteidigt und jede Menge Power besitzt.

Also setzen Sie bewusst auf wenige Big Men im Kader?

Schmitz: Genau, so ist es. Es gibt wenige Mannschaften in der ProA, die groß aufgestellt sind. Das ist eine allgemeine Entwicklung in der Liga. Aber klar ist auch: Wir werden als Team Zeit brauchen, um das neue System zu verinnerlichen.

Dennoch die Frage: Warum waren Sie in diesem Sommer so verhalten auf dem Transfermarkt nach den Abgängen von Kelvin Lewis, Johannes Joos und Luka Buntic?

Schmitz: Das war eine bewusste Entscheidung und hat auch mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre zu tun, in denen wir immer gezwungen waren, im Laufe der Saison noch nachzuverpflichten. Zudem investieren wir auch in noch professionellere Club-Strukturen.

Sie meinen unter anderem, dass Sie seit Sommer mit Dr. Peter Bieg erstmals in der Gladiators-Geschichte auch einen hauptamtlichen Manager für Kommunikation und Marketing eingestellt haben?

Schmitz: Ja, genau, zum Beispiel.

Wie sieht denn der Etat aus in der kommenden Saison?

Schmitz: Da planen wir mit derselben Größenordnung wie im vergangenen Jahr.

Also zwischen 1,1 und 1,2 Millionen Euro?

Schmitz: Ja.

In den vergangenen Jahren haben wir häufiger über die sogenannten Altlasten gesprochen, die den Club von Beginn an belasten. Konnten die zuletzt verringert werden?

Schmitz: Nein. Das liegt unter anderem daran, dass wir in der vergangenen Saison nur ein Playoff-Heimspiel und somit auch weniger Einnahmen hatten.

Die liegen daher nun in welcher Größenordnung?

Schmitz: Sie werden ein wenig gestiegen sein, liegen schätzungsweise im niedrigen sechsstelligen Bereich.

Das klingt besorgniserregend, insbesondere deswegen, weil Sie in den vergangenen Jahren dabei waren, diese Altlasten Stück für Stück abzubauen.

Schmitz: Nein, das ist nicht besorgniserregend. Im Sport ist nicht alles planbar. Wenn wir im vergangenen Jahr eine Playoff-Serie mit drei, vier Heimspielen hingelegt hätten, wären wir clean gewesen. Aber so hatten wir länger laufende Spielerverträge und lediglich Einnahmen aus einem einzigen Playoff-Heimspiel gegen Nürnberg.

In der vergangenen Saison zierte Club-Namenssponsor SWT auch die Trikotbrust: Gibt es da in der neuen Spielzeit einen anderen, neuen Trikotsponsor?

Schmitz: Wir arbeiten daran. Es gibt jedoch noch nichts Spruchreifes zu verkünden. Die Sponsorensuche gestaltet sich derzeit generell sehr schwierig.  

Inwiefern?

Schmitz: Wir liegen derzeit noch zwölf bis 13 Prozent unter dem, was wir im vergangenen Jahr an Cash-Sponsoren hatten. Das ist nicht ungewöhnlich für diese Zeit. Aber es sind auch leider wieder einige dabei, die abgesprungen sind. Diese Lücke muss nun auch erst mal wieder geschlossen werden.

Dabei gibt es doch mögliche potente Geldgeber in der Großregion …

Schmitz: Ja, wir haben auch viele Fans in der Halle, die in ihren Unternehmen Positionen mit Entscheidungsgewalt innehaben. Man kommt mit den Leuten ins Gespräch, sie sind auch begeisterte Basketballfans – zu einem Sponsoring kommt es dann am Ende jedoch nicht, weil etwa beispielsweise die Gesellschafter des jeweiligen Unternehmens das Sponsoring nicht wollen. Das macht es halt einfach unheimlich schwierig. Daher mache ich mir schon darüber Gedanken, wie das Ganze denn in den kommenden Jahren weitergehen soll.

Wie meinen Sie das?

Schmitz: Die ProA wächst jedes Jahr, auch unser Spieleretat steigt jährlich um 15 bis 20 Prozent. Das Ziel der Gladiators war mal, wieder BBL-fähig zu werden. Aber im Sponsoring treten wir seit zwei Jahren auf der Stelle. Wenn es Profisport in Trier in Zukunft weiterhin geben soll, muss etwas passieren. Uns fehlen größere Sponsoren.

Wird denn in Sachen Sponsoren-Akquise von Seiten Ihres Clubs genug getan?

Schmitz: Definitiv, wir tun alles, was möglich ist. Wir kennen die Firmen, aber es ist sehr schwierig, die großen Unternehmen als Sponsoren zu gewinnen. Vor einigen Jahren hieß es: Sportstadt Trier. Wenn man sich das heute anschaut – die Eintracht in der Oberliga, die Miezen gibt’s nicht mehr und wir kommen auch nicht richtig voran – dann muss man sich eingestehen, dass davon nicht viel geblieben ist.

Wünschen Sie sich mehr Unterstützung von der Stadt?

Schmitz: Ich wünsche mir von der gesamten Region mehr Unterstützung. Wir, als Unternehmer aus der Region, müssen endlich anfangen auf das stolz zu sein, was wir haben und dieses dann auch unterstützen. Vielerorts wird der Sport unterstützt, weil er gesellschaftlich eine sehr große Rolle einnimmt. Jeder klagt zum Beispiel über Fach­arbeitermangel. Da frage ich: Wie will man denn Fachkräfte in die Region lotsen, wenn man denen außerhalb der Arbeit in Sachen Sport oder Kultur nicht viel bietet? Nur, um hier zu arbeiten, kommt sicherlich keiner. Auch die Bekanntheit und das Image der Region und der Stadt werden durch den Sport positiv national nach außen getragen. Wir entwickeln unsere Unternehmen in der Region weiter. Warum sollten wir dann nicht auch vor Ort den Profisport mit all seiner Strahlkraft in der Region fördern? Frei nach dem Motto: Aus der Region für die Region.

Klingt gut …

Schmitz: Ja, denn schauen wir doch mal in die Historie: Wir sind mit den Gladiators immer Sechster geworden nach der Hauptrunde, haben aber auch immer mehr Geld gebraucht, um Sechster zu werden. Die Liga wächst weiter und wir müssen aufpassen, dass wir den Anschluss nicht verlieren, sonst spielen wir irgendwann gegen den Abstieg.

Aber die BBL kann man sich abschminken?

Schmitz: Die Bundesliga ist in den kommenden Jahren überhaupt kein Thema. Wenn nicht irgendein Großsponsor oder mehrere größere Sponsoren bei uns einsteigen werden, weiß ich nicht, wie das funktionieren soll.

Nach all dem Negativen: Was macht Ihnen dennoch Mut für die neue Saison?

Schmitz: Es ist ganz und gar nicht alles negativ. Der Basketball ist Sportart Nummer eins in der Region. Unsere Spiele wurden in der vergangenen Saison von durchschnittlich 2 800 Zuschauern in der Arena verfolgt. Erfolgreich und professionell in der zweiten Bundesliga zu spielen, empfinde ich definitiv nicht als negativ. Wir werden eine gute Saison spielen, davon bin ich überzeugt. Wir haben einen guten Kader zusammen und sagen ganz klar: Wir wollen in die Playoffs. Wir setzen voll auf die Unterstützung unserer Fans! Zudem sollte man hier einen Blick auf unsere Nachwuchsarbeit richten. Das, was dort aktuell passiert, ist mehr als positiv und nur lobenswert zu erwähnen. Mit viel Herzblut wird hier eine hervorragende Arbeit geleistet. Wir spielen mit beiden Nachwuchsmannschaften erstmals seit Beginn der Gladiators in den beiden höchsten Spielklassen, der Junioren-Basketball-Bundesliga sowie der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga. Auch sind wir mit hauptamtlichen Trainern unter der Woche in den Grundschulen der Region unterwegs und führen zahlreiche AGs durch. Das alles bildet eine tragende Säule für die Zukunft des Trierer Basketballs.

Interview: Marek Fritzen

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