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Käse, Kuip und College-Basketball: Gladiator Joey van Zegeren im Porträt

Käse, Kuip und College-Basketball: Gladiator Joey van Zegeren im Porträt

Vor dem Heimspiel der Römerstrom Gladiators Trier gegen Tabellenführer Mitteldeutscher BC hat sich der TV mit Center Joey van Zegeren getroffen. Herausgekommen ist ein Gespräch über Simbabwe, einen berühmten Fußballclub und ziemlich schlechten Käse.

Käse, Kuip und College-Basketball: Gladiator Joey van Zegeren im Porträt
Foto: RÖMERSTROM Gladiators Trier

Irgendwie ist das alles Käse in den USA. Obwohl, eigentlich ja auch wieder nicht - naja, jedenfalls ist es nicht ganz so einfach für einen Niederländer wie Joey van Zegeren in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Problem ist Käse, "oder, was die da so als Käse bezeichnen", raunt van Zegeren.
Der Center der Römerstrom Gladiators Trier hat fünf Jahre in den Staaten gelebt, für die Virginia Tech und die Northwestern University in der höchsten US-Collegeliga NCAA gespielt, und dort eine, wie er sagt, "großartige Zeit" verbracht. Nur ein Problem hatte der Niederländer dort - Käse. "Holländer lieben Käse, das ist nicht nur ein Vorurteil oder so, das trifft echt zu", erzählt der 25-Jährige in seiner ruhigen Art. Die neuen GladiatorenTeil IVJoey van Zegeren
Gouda, oder wie van Zegeren sagt "Chouda", ist sein Lieblingskäse, doch in den USA fehlte davon jede Spur. "Käse kann man in den Staaten vollkommen vergessen. Das meiste dort ist kein echter Käse, sondern irgendwelche künstlichen Produkte, mir schmeckte das nicht." Aus diesem Grund habe er sich manchmal von einem Freund echten Gouda aus der Heimat vorbeibringen lassen, erzählt er lachend.
Seit September spielt Joey van Zegeren an der Mosel. Der Center hat zunächst einen Kurzzeit-Vertrag bis Ende November bei den Gladiatoren unterschrieben, doch er betont: "Wenn es nach mir geht, bleibe ich." Laut Gladiators' Geschäftsführer Achim Schmitz laufen derzeit Gespräch mit van Zegerens Berater. "Wir würden Joey erst mal gerne für zwei weitere Monate halten", erklärt Schmitz.
Mit seiner Statur - 2,08 Meter, 108 Kilogramm - hilft van Zegeren dem Team unter den Brettern weiter, in acht Saisonspielen kommt der Niederländer bisher auf durchschnittlich knapp fünf Rebounds und sechs Punkte pro Partie. "Ich bin derzeit bei rund 80 Prozent meines maximalen Fitnesszustandes angelangt", sagt der Mann mit der Trikotnummer 21. Von Februar bis August dieses Jahres setzte ihn ein Knorpelschaden im linken Knie außer Gefecht. "Es wird besser und besser, ich fühle mich gut." Van Zegeren ist im kleinen ostholländischen Städtchen Hoogeveen aufgewachsen, geboren wurde der Sohn eines Holländers und einer Simbabwerin in Gweru, der sechstgrößten Stadt Simbabwes. "Mein Vater, ein Biologe, hat in Gweru gearbeitet und meine Mutter dort kennengelernt", erzählt er. Mit neun ging es dann für seine Familie in die Niederlande. "Ob ich mich jetzt eher als Holländer oder Simbabwer fühle, kann ich gar nicht sagen", gesteht van Zegeren. "Heimisch fühle ich mich auf jeden Fall in Holland." In Hoogeveen beginnt van Zegeren mit dem Basketball. Sein größerer Bruder bringt ihn dazu. "Mir war das am Anfang viel zu hart", erinnert sich der Hüne, "ich war damals sehr schmächtig und heulte nach den ersten Trainings ziemlich heftig, ich hatte keinen Bock mehr". Diplom in der Tasche
Doch er bleibt am Ball, entwickelt sich großartig und landet später über Zwolle in Rotterdam. Dort - "in einer der schönsten Städte, die ich kenne" (van Zegeren) - spielt er in der U20 und bei den Profis. Die Trainingshalle liegt direkt neben dem Stadion von Fußballclub Feyernoord Rotterdam, de Kuip. "Wenn du Holländer bist, dann musst du Fußball lieben - natürlich tue ich das auch, Feyernoord ist mein Verein, ich war oft dort im Stadion und verfolge sie nach wie vor sehr genau".
Dass van Zegeren dann mit 20 Jahren aufs angesehene US-College Virginia Tech wechselt, hat er zum einen seinem Talent und zum anderen Seth Greenberg zu verdanken, einem langjährigen College-Basketballcoach und berühmten US-Fernsehexperten. Greenberg entdeckt van Zegeren, als der nach seinem Abitur in Holland für ein Jahr an der Canarias Basketball Akademie auf Teneriffa spielt. "Es war immer mein Traum, am College zu spielen, daher war es natürlich eine Riesen-Ehre für mich, als das Angebot der Virginia Tech kam."
Da er körperlich noch viel aufzuholen hat, läuft er in seinem ersten US-Jahr nicht für sein Team auf, trainiert lediglich. In den folgenden drei Jahren entwickelt er sich dann allerdings zum echten Leistungsträger, nach einem fünften College-Jahr an der Northwestern University (normal sind nur vier College-Jahre möglich, doch van Zegerens erstes Jahr wurde nicht gewertet, da er für sein Team nicht zum Einsatz kam, Anm. d. Red.) und seinem Diplom in Internationalem Business ist er nun in Trier gelandet.
"Ich fühle mich wohl, die Stadt fasziniert mich aufgrund ihrer großartigen Geschichte." Und da sei noch was, gesteht der Niederländer, was ihm sehr gut an seiner neuen Heimat gefalle: "Der Gouda hier im Supermarkt, der ist echt klasse", sagt er und fängt herzlich an zu lachen. Extra HeimspielGelingt der fünfte Heimsieg im fünften Heimspiel? Am Sonntag empfängt Basketball-Zweitligist Römerstrom Gladiators Trier Spitzenreiter Mitteldeutscher BC in der Arena Trier (17 Uhr). Der BBL-Absteiger aus Sachsen-Anhalt hat bisher nur ein Saisonspiel verloren und strebt den direkten Wiederaufstieg an. Einer der Stars ist der frühere Bundesligaspieler Sergio Thomas Kerusch (Bremerhaven und Quakenbrück). Bei den Gladiators kann der zuletzt angeschlagene US-Amerikaner Ryan Nicholas spielen. Bis auf Pablo Coro (Schulter) und Thomas Henkel (Knie) sind damit alle Spieler fit.