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Moogs Mission: "Kult" statt "Söldner"

Moogs Mission: "Kult" statt "Söldner"

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Treveri Basketball AG, Ralph Moog, hat in einem offenen Brief Stellung bezogen zur Situation beim in die Schlagzeilen geratenen Basketball-Bundesligisten TBB Trier. Moog ermuntert Fans, Sponsoren und Team, alles zu tun, damit Basketball in Trier wieder zum "Kult" werde.

Trier. (wir/AF) Die Vorfälle rund um die TBB GmbH und die Treveri Basketball AG haben das Image des Basketball-Bundesligisten nicht eben gefördert - erst der Vorwurf der Unterschriften-Fälschung, dann eine variierende Anzahl von Zeugen, zuletzt die Entlassung von Lothar Hermeling, einstiger AG-Vorstand und kurzzeitiger Marketing-Manager. Im offenen Brief bezieht AG-Aufsichtsrats-Chef Ralph Moog Position. Nach seiner Einschätzung stand der Profi-Basketball in Trier vor einigen Monaten vor dem Aus: "Bundesliga-Basketball in Trier hatte keine Zukunft."

Zum einen finanziell, zum anderen sportlich und konzeptionell. Moog erkannte "Söldnercharakter" bei einigen Spielern, andererseits hätten Nachwuchsspieler "nie eine realistische Chance" gehabt. Inzwischen gebe es eine völlig andere Situation.

Die neu gegründete Treveri Basketball AG - Träger der BBL-Lizenz - habe insgesamt 63 Gesellschafter. Darunter fallen auch die sogenannten Fan-Aktionäre. Moog spricht von einer "bestehenden und funktionierenden Struktur von Unterstützern". Es gebe ein "einzigartiges sportliches Konzept" um den neuen Trainer Henrik Rödl.

Die Affäre um eine angeblich gefälschte Unterschrift unter einem Vertrag von Ex-Spieler Brian Brown habe dem Projekt "großen Schaden zugefügt". Moog habe nicht davon ausgehen können, dass er sich mit "Vorwürfen krimineller Machenschaften im direkten Umfeld" auseinandersetzen müsse: "Ich habe zu jeder Zeit meine Entscheidungen und die zu treffenden Maßnahmen im Sinne der beteiligten Menschen zuerst an der Güterabwägung gemessen und erst dann an der möglichen Öffentlichkeitswirksamkeit. Für manche mag das unprofessionell sein. Ich aber stehe dazu und würde das immer wieder genauso machen."

Moog beschreibt einen schleichenden Abwärtstrend in den vergangenen Jahren. Die finanziellen Probleme - die letzte veröffentlichte Bilanz (Geschäftsjahr 2007/08) weist einen Verlust von mehr als 1,6 Millionen Euro aus - seien in der Zeit entstanden, als Investoren aus Luxemburg in der Verantwortung waren. Die Sportinvest S.A. mit Sitz in Luxemburg hatte in der Saison 2003/04 die TBB GmbH übernommen. Allerdings nicht, wie Moog fälschlich schreibt, von der "insolventen Herzog-Telekom-Basketball". Hauptgesellschafter waren seinerzeit vielmehr die Stadt Trier über die Castel GmbH und die Firma Goldbeck, Bauherr der Arena Trier. Das von Moog angesprochene Insolvenzverfahren, eng verknüpft mit dem Niedergang des Hauptsponsors Herzogtel, war dagegen bereits in der Saison 2001/02 gelaufen.

Wichtigster Gesellschafter der Sportinvest S.A. ist Graham Wilson (inzwischen im Aufsichtsrat der Treveri Basketball AG). An der Spitze des operativen Geschäfts der TBB GmbH stand Lothar Hermeling. Die Gesellschaft hätte spätestens am 30. Juni die Bilanz für das Geschäftsjahr 2008/09 veröffentlichen müssen. Dies ist nicht geschehen.

Inzwischen gibt es die TBB GmbH gar nicht mehr. Laut Handelsregister sind nach einem Beschluss vom 9. Juni 2010 der Name, der Firmensitz und der Geschäftszweck geändert worden. Aus der TBB GmbH wurde die Sport Invest Germany GmbH mit Sitz in Trier (HRB 4638, eingetragen am 15. Juli). Neuer Unternehmensgegenstand: "Die Entdeckung, Förderung, kommerzielle Entwicklung und Vermarktung von Sporttalenten im Profibereich sowie das Management von Sportprofis." Als Geschäftsführer der neuen GmbH eingetragen ist Lothar Hermeling, von dem sich die Treveri AG vergangene Woche getrennt hatte.

Das Dossier über die Unterschriften-Affäre