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Reiten, schießen, locker bleiben

Reiten, schießen, locker bleiben

Ein Leben zwischen Basketball, Computern, Rennstrecken und Familie: Sascha Beitzel (40), der einzige Vorstand des Basketball-Bundesligisten TBB Trier, sagt im TV-Porträt, wofür sein Herz schlägt.

Trier/Föhren. "Immer locker bleiben". Das gibt Sascha Beitzel in seinem Internet-Profil als Lebensmotto aus. Immer locker bleiben, geht das überhaupt?
"Nicht immer, aber ich versuche es zumindest", sagt der 40-Jährige. Er trifft den TV-Reporter im Casino am Flugplatz Föhren, nur die Landebahn und ein paar Hundert Meter trennen ihn von seiner Firma, dem Computer-Dienstleister IT-Haus. Dort hat er gemeinsam mit seinen drei Geschäftsführer-Kollegen die Verantwortung über 160 Mitarbeiter. Einer seiner Geschäftsführer-Kollegen ist ebenfalls bei der Treveri Basketball AG aktiv, Ingo Burggraf sitzt im Aufsichtsrat.
"Es wird ganz eng bleiben"


Locker bleiben, das klappt bei seiner anderen Leidenschaft, der TBB, nicht immer. Etwa in der Schlussminute beim dramatischen Heimsieg gegen Bayern München am Samstag. "Das war nichts für schwache Herzen", findet Beitzel. Aber im Kampf um den Klassenerhalt war der Sieg bitter nötig. Ähnlich werde es am Samstag aussehen, wenn die TBB im Heimspiel gegen Phoenix Hagen auf einen direkten Konkurrenten trifft. "Es ist alles ganz eng unten. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir erst am letzten Spieltag wissen werden, wer absteigen wird." Zumal Konkurrenten wie Ludwigsburg in dieser Spielzeit andere finanzielle Möglichkeiten haben als Trier, was auch die aktuelle Verpflichtung von Power Forward Matt Howard vom europäischen Spitzenclub Piräus demonstriert. Sportlich kann Beitzel das wenig beeinflussen, die Rahmenbedingungen für die nächste Saison - möglichst die 23. in der Bundesliga in Folge - aber schon. So häufen sich beim gebürtigen Kröver derzeit die Sponsorentermine. Er kennt die andere Seite: Dass er vor Jahren als Sponsor zur TBB kam, lag an der Hartnäckigkeit des damaligen Managers Lothar Hermeling ("Er hat nicht lockergelassen"). Der orange Ball war Beitzel zumindest nicht fremd, die Begeisterung war schnell entfacht. "Ich habe selbst Basketball gespielt, in Bernkastel-Kues und Kröv. Da war ich Center. Aber das ist schon eine ganze Weile her."
Inzwischen ist er sportlich auf ganz anderem Terrain unterwegs: Entweder beim Reiten ("Ich habe gemeinsam mit meiner Schwester ein Pferd") oder auch als Rennfahrer: Beitzel betreibt mit einem Kollegen den kleinen Rennstall BSR Sports, der mit zwei Porsche GT3 regelmäßig an Rennen teilnimmt.
Firmenchef statt Sanitäter


So kamen im vergangenen Jahr auch die TBB-Spieler in den Genuss, als Beifahrer im 431-PS-Boliden über den Nürburgring zu brettern. Manchmal zieht es Beitzel auch bei Schwarzenborn in den Wald - zum Jagen. Bei dem Programm dürfte sich die Familie nicht über zu viel Sofa-Rumhängen beklagen können. Der 40-Jährige lebt mit seiner Freundin und ihren beiden Kindern im Salmtal.
Dass der Mann mit dem blonden Pferdeschwanz zur Führungsposition bei einem Proficlub wird, war bei der ursprünglichen Berufsplanung nicht abzusehen. "Ich wollte Rettungssanitäter werden. Als das nicht geklappt hatte, habe ich bei einer IT-Firma im Vertrieb angefangen, später das Fachabitur nachgeholt - und mich dann 1998 mit meinen drei Kollegen selbstständig gemacht." Das sind noch heute die gleichen wie damals, auch wenn die Firma seitdem massiv gewachsen ist. Personelle Kontinuität und konstantes Wachstum - das steht auch bei der TBB auf dem Wunschzettel. Eine gute Basis dafür wäre der Klassenerhalt. "Immer locker bleiben" wird es allein nicht richten - aber schaden kann es nichts.
Extra

Der nächste TBB-Gegner: Die Trierer Fans sind sich einig - der Sieg gegen Bayern München war schön und wichtig, aber im nächsten Heimspiel am Samstag gegen Phoenix Hagen (20 Uhr, Arena) geht es um noch mehr. Die Westfalen haben einen Sieg mehr auf dem Konto als Trier, das Hinspiel ging zudem mit 83:78 an die "Feuervögel". Das heißt: Die Trierer Basketballer können mit einem Sieg mit mehr als fünf Punkten Differenz dank des dann gewonnenen Direktvergleichs am Kellerkonkurrenten vorbeiziehen. Der Hagener Cheftrainer Ingo Freyer ist ein alter Bekannter von Triers Coach Henrik Rödl - beide spielten einst gemeinsam bei Alba Berlin. AF