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Ricky Harris: Von wegen Ersatzmann

Ricky Harris ist bislang der beste Punktesammler bei der TBB Trier. Der Vertrag des Aufbauspielers läuft aber nur noch zwei Wochen. Harris trifft am Sonntag mit der TBB auf Alba Berlin. TV-Foto: Marek Fritzen
Ricky Harris ist bislang der beste Punktesammler bei der TBB Trier. Der Vertrag des Aufbauspielers läuft aber nur noch zwei Wochen. Harris trifft am Sonntag mit der TBB auf Alba Berlin. TV-Foto: Marek Fritzen
Trier. Eigentlich war Ricky Harris nur der Ersatzmann für den verletzten Laurynas Samenas. Harris sollte eine Lücke füllen. Vorübergehend. Doch mittlerweile ist er viel mehr im Basketball-Bundesliga-Team von Henrik Rödl: Er ist der Topscorer. Doch in zwei Wochen endet sein Vertrag. Marek Fritzen

Von Trier nach Paris sind es ungefähr 400 Kilometer. Die Strecke ist mit dem Auto locker in fünf Stunden zu machen - wenn es gut läuft. Ricky Harris weiß das. Er kennt den Weg. Zweimal ist er ihn gefahren. Einmal hin, einmal zurück um genau zu sein. 400 Kilometer sind für Harris nicht der Rede wert. Der 27-Jährige kommt von der US-Ostküste, da ist man andere Distanzen gewöhnt. Harris sagt: "Das Ganze war eine spontane Idee." Er grinst. Es ist ihm anzumerken, dass er diese Geschichte gerne erzählt. Er wartet kurz, dann sagt er: "Ich war mir ziemlich sicher, dass dieses Geburtstagsgeschenk meiner Freundin gut gefallen würde."
Ricky Harris spielt seit September für die TBB Trier. Geplant war das nicht. Erst als sich Laurynas Samenas im ersten Training der Saisonvorbereitung am Schienbein verletzte und der Verein nach einem flexiblen und erfahrenen Ersatz für den Litauer suchte, fiel die Wahl auf den Mann aus Massachusetts. "Trier hat sich sehr um mich bemüht, da war für mich schnell klar, dass ich zusage", erinnert sich Harris. "Ich wollte die Chance nutzen, auch um mich in der Liga zu zeigen und mehr Spielzeit zu sammeln, als zuletzt in Würzburg." Bis April war Harris für Absteiger Würzburg in der Bundesliga aktiv, seitdem vereinslos. Bis Mitte November steht er in Trier unter Vertrag.Überraschung für die Freundin


Für die Moselstädter kam der 1,85 Meter große Guard bisher in allen sechs Saisonspielen zum Einsatz und erzielte dabei zwölf Punkte im Schnitt. Die Notlösung ist damit der beste Schütze im Team von Henrik Rödl - niemand anders punktet so hochprozentig wie der Mann mit der Trikotnummer 5.
Die Nummer trägt er seit der Zeit im Universitäts-Basketballteam von Massachusetts, für das unter anderem auch Quakenbrücks Brandon Thomas und der Ex-Bonner Tony Gaffney aktiv waren. Er hat die Trikotnummer seitdem überall getragen. Bei seinen Stationen in der Ukraine, in Litauen, auch in Bologna und jetzt bei der TBB.
Trier gefalle ihm sehr, erzählt er. Er sagt es nicht einfach so, weil er das halt sagen muss. Man nimmt es ihm ab, eben weil er Sachen erzählt wie: "Mich fasziniert die Geschichte der Stadt. Sie ist die älteste Stadt Deutschlands, da steckt so viel Historisches drin - als ich die Porta Nigra zum ersten Mal gesehen habe, war ich total beeindruckt." Der 27-Jährige interessiert sich sehr für Geschichte. Er habe das "ein wenig von seiner Freundin. Sie hat mich dazu gebracht."
Seine Freundin, die er stets "my girl" nennt, ist gerade für ein paar Wochen aus den Staaten zu Besuch in Trier. "Das war die perfekte Möglichkeit für die Überraschungsfahrt."
An ihrem Geburtstag vor ein paar Tagen (das Team hatte an diesem Tag trainingsfrei) habe er sie morgens einfach ins Auto gesetzt und sei mit ihr los - ab auf die Autobahn, mal eben für einen Tag nach Paris, in die Stadt der Liebe. "Sie ahnte gar nichts und war total begeistert, als wir da waren, die Überraschung ist gelungen."
Das sei halt einer der Vorteile von Trier. "Die Stadt ist sehr schön und man ist außerdem schnell in anderen tollen Städten wie zum Beispiel Paris."
Mit ein Grund dafür also, über das Vertragsende Mitte November hinaus an der Mosel zu bleiben? "Ich möchte nichts ausschließen." Vorstellen könne er sich das durchaus, "aber ich kann dazu momentan noch nichts sagen". Was sagt TBB-Vorstand Sascha Beitzel zu dem Thema? "Wir denken darüber nach, Ricky zu halten. Es ist nichts unmöglich. Wir sind aber noch nicht in konkreten Verhandlungen."
Würde Harris bleiben, müsste ein anderer Ausländer im TBB-Kader pro Spiel zuschauen, da die BBL nur sechs Ausländer im Spieltagsaufgebot akzeptiert.
Harris, den sein Coach Henrik Rödl in den höchsten Tönen lobt ("Er ist enorm wichtig für das Team"/"Es war keine einfache Situation für ihn zu Beginn, doch er hat sich sehr gut eingebracht"), sieht seine bisherigen Saisonleistungen selbst übrigens äußerst kritisch: "Ich bin nicht zufrieden. Es geht immer noch etwas mehr. Man darf nie zufrieden sein."
Gegen Alba Berlin am Sonntag (17 Uhr/Arena Trier) müsse vom gesamten Team aber wieder viel mehr kommen als bei der schwachen Vorstellung in Crailsheim. Nur dann habe man eine Chance gegen den Tabellenführer. Eben ganz nach seinem Motto: "The more you give, the more you get" - je mehr du investierst, desto mehr erreichst du!