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Rödl und die Sehnsucht nach dem Neuanfang

Rödl und die Sehnsucht nach dem Neuanfang

Ein Aushängeschild des deutschen Basketballs heuert in Trier an: Bundesligist TBB Trier hat Alba-Berlin-Ikone Henrik Rödl (41, Alba-Nachwuchskoordinator) als Trainer an die Mosel gelockt. Er wird Nachfolger von Aaron McCarthy, dessen Vertrag ausgelaufen war.

Manchmal dauert es, bevor man bekommt, was man will. Es können auch mal 22 Jahre vergehen. "Ich wollte Henrik Rödl schon als Spieler nach Trier holen. Das war 1988, noch in der zweiten Liga", erinnert sich Wolfgang Esser, damals TVG-Trainer. Rödl, gerade 19 Jahre alt, bereits Nationalspieler und ein Riesen-Talent, zog es aber nach North Carolina ans College. Dort blieb er bis 1993, heiratete zwischenzeitlich seine amerikanische Frau Susan. Und schloss sich dann für 17 Jahre Alba Berlin an. Erst als Spieler, dann als Trainer. Nun ist er in Trier gelandet. Gestern wurde er bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Eine große Aufgabe erwartet ihn; eine, die er mit "Haut und Haaren angehen" will. Das Konzept der Treverer mit dem Fokus, die Talente besser zu fördern, passe "wie die Faust aufs Auge", sagt Rödl. "Es gibt hier eine Sehnsucht nach einem Neuanfang, ein wirklicher Wille, etwas Neues aufzubauen."

Der sportliche Beirat - speziell Rainer Loch und Esser - hatte Rödl ins Gespräch gebracht. Marketing-Chef James Marsh hat den Kontakt gesucht. "Das war schon clever", sagt Rödl. "Mit James habe ich ja schon in der Jugend-Nationalmannschaft gespielt." Beide kennen und mögen sich schon seit über 20 Jahren. Beide spielten ähnliche Positionen und waren exzellente Verteidiger.

Die Verpflichtung von Rödl ist der wichtigste Baustein im Konzept der TBB. Das Weitere wird folgen. Etwa, wie der Kader aussehen soll. Wer außer Maik Zirbes, Alex Andreev und Samy Picard im nächsten Jahr in Trier spielen wird, ist offen. Ungeklärt ist auch noch, wer sein Co-Trainer wird (Rödl: "Ich habe da Vorstellungen, aber die werden noch besprochen"). Zu hohe Erwartungen wollen die Trierer nicht schüren. Gute Talentförderung brauche Zeit. Man müsse Geduld haben, bevor man mit Erfolgen rechnen dürfe. Zumal der Etat niedriger ausfallen wird als im Vorjahr (1,75 Millionen statt 2,0 Millionen Euro). Rödl spricht von "nachhaltiger Spielerentwicklung".

Für den Aufsichtsratsvorsitzenden der Treveri-AG, Ralph P. Moog, war es mehr als nur eine profane Trainersuche. "Wir brauchten den richtigen Mann für unser sportliches Gesamtkonzept." Dass Rödl der richtige ist, da hat Moog keinen Zweifel: Er spricht von einer "Idealbesetzung". Rödl, der auch losen Kontakt zu den Artland Dragons hatte, fiel die Entscheidung nicht allzu schwer. Seine Familie hat sich Trier angeschaut, gab "grünes Licht" für den Umzug von der Spree an die Mosel. Bei Alba, wo Rödl zuletzt Nachwuchs-Koordinator war, hinterlässt er eine Lücke. Welchen Stellenwert Rödl in Berlin genießt, dokumentiert die Einschätzung der "Berliner Morgenpost" zu seinem Abgang: "Es ist, als würde man ein A, das L oder das B aus dem Namen Alba Berlin heraustrennen."

Rödl beginnt seine Arbeit offiziell am 1. Juli. Den Sommer wird er mit der Familie überwiegend in den USA verbringen. Die Arbeit beginne aber ab sofort, sagt er. "Wir müssen ja eine komplett neue Mannschaft zusammenstellen."

HINTERGRUND: Henrik Rödl (41) zählt zu den erfolgreichsten deutschen Basketballern. Der zwei Meter große Flügelspieler wurde mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister 1993, 2002 wurde er an der Seite von Dirk Nowitzki WM-Dritter. Rödl beendet seine Spielerkarriere nach elf BBL-Jahren bei Alba Berlin im Jahr 2004. Dort feierte er 2006 als Cheftrainer auch den Pokalsieg. Rödl machte 178 Länderspiele. Damit liegt er in der ewigen Rangliste auf Platz drei hinter Femerling und Gnad. Henrik Rödl und seine Frau Susan haben zwei Kinder, Leah (12) und Elias (7). (AF)

Meinung : Top-Mann für Trierer Konzept
Die Trierer Basketballer haben sich in den vergangenen Monaten viel Kritik anhören müssen: Der Manager, die Spieler, die Trainer - eigentlich alle, die mit dem Club in irgendeiner Weise zu tun haben. Vieles davon war berechtigt. In der Außendarstellung hakte es, sportlich auch. Umso erfreulicher ist es, dass sich die Trierer wieder positiv ins Gespräch bringen. Erst gab es grünes Licht von der Liga - die Lizenz für ein weiteres Jahr in der Basketball-Bundesliga (BBL). Und mit Henrik Rödl ist am Freitag ein Cheftrainer verpflichtet worden, der glaubhaft für das steht, was die Trierer in Zukunft anpeilen: einer, der auf ein tragfähiges Nachwuchskonzept setzt, in dem die Talente nicht nur als Trainingspartner und Bankwärmer eine Rolle spielen sollen. Einer, der selbst Führungsspieler war und der ein Renommee hat wie kaum ein anderer Basketballer im Land. Rödl wird in Trier zwar nicht einmal ansatzweise die Möglichkeiten haben, wie er sie einst als Cheftrainer bei Alba Berlin hatte. Aber er kann etwas bewegen. Dass sich ein in der BBL begehrter Trainer und einstiger Top-Spieler wie er überhaupt für die Provinz entscheidet, spricht für das Konzept und für die Clubführung. Die Tatsache, dass Rödl in Trier anheuert, dürfte für manches Talent ein Argument sein, ebenfalls an die Mosel zu wechseln. Das macht Lust auf mehr! a.feichtner@volksfreund.de