Rollstuhlbasketball-Star Dirk Passiwan über Tokio 2020 und die Dolphins-Saison

Rollstuhlbasketball : Nach Tokio 2020 ist Feierabend

Das Ticket für die Paralympics in Tokio in der Tasche, die Bundesligasaison vor Augen: Dirk Passiwan vom Rollstuhlbasketball-Bundesligisten Doneck Dolphins Trier über den neuen Kader und einen Wunsch für Tokio 2020.

Am Montagabend kehrte er von der EM aus Polen zurück – und am Dienstag stand für Dirk Passiwan schon wieder das erste Training in Trier an. Die Zeit ist schließlich knapp für den Rollstuhlbasketball-Nationalspieler und sein Team, die Doneck Dolphins.

Erst mal noch die Eindrücke sacken lassen von der Europameisterschaft: Auf Platz vier landete die deutsche Auswahl, mit ein bisschen Glück wäre auch ein bisschen mehr drin gewesen, sagt Passiwan. Aber das wichtigste Ziel wurde erreicht: Deutschland hat sich für die Paralympics 2020 in Tokio qualifiziert. Für Passiwan werden es die vierten nach Peking, London und Rio sein – die sportlichen Höhepunkte hat er sich auch auf den linken Oberarm tätowieren lassen. Die Aussicht auf Tokio war auch der Grund, warum Passiwan noch mal ins Nationalteam zurückkehrte – nach seinem zwischenzeitlichen Rücktritt. Im Januar wird zwar erst nach einem Auswahlcamp darüber entschieden, wer mitdarf. Aber wenn keine Verletzung dazwischenkommt, ist der 42-Jährige gesetzt. „Die Qualifikation war das wichtigste. Bei den knappen Niederlagen gegen Spanien und die Türkei hatten wir ein bisschen Pech, aber ansonsten war es ein sehr gutes Turnier“, sagt Passiwan, der auch klar sagt: „Die Paralympics in Tokio werden mein letztes großes Turnier.“

Seine Qualitäten hat er schließlich wieder mal bewiesen: In Polen schaffte er es ins Allstar-Team. Insgesamt wurde er zweitbester Punktesammler des ganzen Turniers hinter seinem Teamkollegen Aliaksandr Halouski. „Für mich persönlich lief es sehr gut bei der EM. Mir sagten einige, ich wäre so gut wie noch nie“, sagt Passiwan, der mit 4,5 Punkten klassifiziert und im Alltag nicht auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

Rundum perfekt wäre der Tokio-Trip, wenn auch seine Partnerin und Dolphins-Teamkollegin Nathie Ebertz mitkönnte: Auch sie hatte sich als EM-Dritte mit dem deutschen Damen-Team für die Paralympics qualifiziert – sie muss aber noch stärker um ihren Platz im Team kämpfen als Dirk Passiwan. Nathie Ebertz wird in dieser Saison zum ersten Mal in der Bundesliga Gelegenheit bekommen, auf sich aufmerksam zu machen. Nach dem Abschied von Mariska Beijer – die Niederländerin wechselte nach Hannover – wird sie eine wichtige Rolle beim Trierer Bundesligisten einnehmen. Es ist nicht die einzige Veränderung im Dolphins-Kader: Neuer „Lowpointer“ ist Lukas Jung (mit 1,0 Punkten klassifiziert), der 2013 mit der deutschen U23 Weltmeister wurde. Zuletzt spielte er beim Zweitligisten Heidelberg, zuvor in Wiesbaden. Jung wird den Platz von Matthias Heimbach einnehmen, der in seine Heimat Augsburg zurückgekehrt ist. Neu bei den Trierern sind zudem Junioren-Nationalspieler Patrick Dorner (21, Sabres Ulm) und Marc Reitenbach (24), der seine ersten Erfahrungen beim PSC Pforzheim gemacht hat. Der 4,5-Punkte-Spieler war bisher zwar nur in der Oberliga im Einsatz, Reitenbach konnte Passiwan aber im Training überzeugen. Dorner darf zudem schon zu Saisonbeginn mit einigen Einsatzzeiten rechnen, weil Diana Dadzite wegen der Para-Leichtathletik-WM in Dubai bis November nur sporadisch eingesetzt werden kann. Die Dolphins feiern ihre Saisoneröffnung mit Vorstellung des neuen Kaders mit einem Testspiel gegen Lahn-Dill am Samstag, 21. September (18 Uhr). Um Punkte geht es dann erstmals am Samstag, 28. September, in der Uni-Halle gegen Zwickau. Die Zielsetzung für die Saison ist klar: „Wir wollen es unter die ersten sechs schaffen – und damit in die Playoffs.“ Noch mal unter die besten vier zu kommen, wie in den vergangenen Jahren, das werde mit dem neu formierten Team aber sehr schwierig. Nicht nur, weil die RSB Thuringia Bulls und Lahn-Dill im Normalfall eine Klasse für sich sind. „Aufsteiger Rahden hat eine sehr gute Mannschaft. Und auch Hannover ist mit Mariska noch stärker geworden“, sagt Passiwan.

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