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Serie zum TBB-Jubiläum: Der amerikanische Trainer Don Beck als Glücksfall für die "Germanen"

Trier. Die TBB Trier spielt seit 25 Jahren in der Basketball-Bundesliga. Anlässlich dieses Jubiläums trifft der TV in der Serie "Eins gegen Eins" in loser Folge Menschen, die die 25 Trierer Bundesligajahre mitgeprägt haben. Im zweiten Teil sagt Erfolgstrainer Don Beck (61), warum Trier heute noch sein Lebensmittelpunkt ist - obwohl seine Arbeitsstätte 9000 Kilometer entfernt liegt. Andreas Feichtner

"Wo kommen Sie eigentlich her?" Eine Basisfrage aus dem Smalltalk-Einmaleins an die Zufallsbekanntschaft, wenn das Wetter gerade wenig hergibt. Vielleicht kennt man die Stadt, das Land, war selbst schon mal dort, schnappt sich den Gesprächsfaden. Don Beck kann dann komfortabel nach einer passenden Antwort kramen. Aus New York. Könnte er sagen. Dort ist er aufgewachsen. Oder: aus Kalifornien. Dort lebte und arbeitete er lange, dort hat er viele Freunde und Verwandte. "Ich bin aber nicht mehr so oft da", sagt er. Oder die exotischere Variante für einen Amerikaner: aus Japan. Weil er dort den größeren Teil des Jahres verbringt. Seit 2010 arbeitet der 61-Jährige in Tokio als Cheftrainer beim Profi-Basketballclub Toyota Alvark.

Sein Lebensmittelpunkt ist aber Trier. Genauer gesagt: Tarforst, wo Don Beck mit seiner Frau und den beiden Töchtern (19 und 25 Jahre alt) lebt. "Ich fühle mich sehr wohl hier und werde nicht mehr umziehen", sagt Beck beim Treffen mit dem TV in einem Café in der Trierer Innenstadt. Nur bis morgen ist er noch in der Wahlheimat, dann geht es wieder in den Flieger. "In Japan wird auch über die Weihnachtstage gespielt", sagt er. Im nächsten Jahr soll das 9000-Kilometer-Pendeln wohl zu Ende gehen. "Ich gehe davon aus, dass ich Japan verlassen werde", kündigt er an. Vorstellen kann er sich einen Trainerjob, der nicht allzu weit von Trier entfernt ist. Auch wenn Beck da amerikanisch großzügige Maße anlegt ("irgendwo im Vier-Stunden-Radius").Eins gegen Eins - Teil 2 Die Serie zum TBB-Bundesliga-Jubiläum


Vor etwas mehr als 20 Jahren war Beck zum ersten Mal in Trier, zum Vorstellungsgespräch. Seine überschaubare Europa-Erfahrung: ein kurzes Intermezzo in Ostende. Beck hatte mit Dirk Bauermann aber einen prominenten Fürsprecher, ihn kannte er vom College. "Trier war für mich eine echte Chance", erinnert er sich. Beck nutzte sie. Der TV Germania Trier, die "Germanen", hatten kein gutes Jahr hinter sich. Der russische Coach Juri Selikhov war während der Saison gegangen, Rainer Loch übernahm und schaffte noch den Klassenerhalt. Aber auch Becks erstes Jahr in der Bundesliga war kein Lamettaregen. "Das Team war bereits zusammengestellt, als ich kam. Es war ein eher unterdurchschnittliches Team." In der Normalrunde gelangen nur drei Siege, in der Abstiegsrunde wurde es besser. Auch, weil mit Ex-NBA-Profi Bernard Thompson eine echte Granate zum Team stieß. Den "Iceman" zog es in der folgenden Saison nach Chile, 1996 kehrte er aber nach Trier zurück.

Der TVG war inzwischen auf dem Weg zum deutschen Spitzenteam. "Nach dem ersten Jahr ging es aufwärts. Es war eine tolle Gemeinschaft, nicht nur von den Spielern her, sondern auch im Umfeld, mit Martin Hennen, Michael Raach oder Jürgen Laux, um ein paar zu nennen. Wir haben als Team hart gearbeitet und haben von den Fans in der Mäusheckerhalle unglaublich viel zurückbekommen", erinnert sich Beck. "Es gab nur wenige Teams, die diesen Spirit hatten."

Beck will die erfolgreichsten Bundesliga-Jahre nicht auf die Pokaltitel 1998 und 2001 reduzieren, erst recht nicht auf einzelne Personen. "Wir hatten auch tolle Erfolge in europäischen Wettbewerben, etwa die Siege gegen Saloniki oder Limoges. Oder auch in der Liga, nicht nur gegen Alba Berlin." Und das trotz eines Etats, der im Vergleich mit den Topteams "fast lächerlich gering war" (Beck). Zu den Etablierten wie Carl Brown, Thompson, James Marsh kamen starke Neuzugänge wie Center Marc Suhr (1997) oder Keith Gray (1998).
Beck holte "Charly" Brown später nach Oldenburg, nach den acht gemeinsamen Jahren in Trier. "Ich habe mit ihm mehr Zeit verbracht als mit meiner ersten Frau", scherzt der Trainer, der nach den Pokaltiteln in Trier auch in den Niederlanden (Pokal) und in Japan (Meisterschaft und Pokal) mehrere Titel gesammelt hat. Mit Trier wäre 1998 sogar die Meisterschaft möglich gewesen. Im Playoff-Halbfinale scheiterte Becks Team hauchdünn am Serienmeister Alba.
Mit den Erfolgen in den späten 90ern legte der Club den Grundstein für den Bau der Arena, in der die Trierer Basketballer seit 2003 ihre Heimspiele austragen. Dort war Beck aber nur als Gästetrainer im Einsatz. Don Beck ist vor der Zukunft der TBB nicht bange. "Henrik Rödl ist ein exzellenter Trainer. Und wenn noch etwas an Sponsoring hinzukommt, sind mittelfristig auch wieder die Play-offs drin."Extra

Die Trierer Basketball-Bundesliga-Trainer: 1985 - 1992: Wolfgang Esser - der Bundesliga-Ermöglicher: Ihm gelangen zwei Aufstiege von der Regionalliga bis in die Bundesliga. Nach dem Aufstieg 1990 schaffte es der TVG gleich zwei Mal in die Playoffs. 1992 - Februar 1994: Juri Selikhov. Der Weltmeister von 1967 und Olympia-Bronzemedaillengewinner 1968 mit der Sowjetunion war 1993 zugleich russischer Nationaltrainer. Februar - Mai 1994: Rainer Loch. Er schaffte den Klassenerhalt, trat dann zurück. 1994 -2002: Don Beck. Unter ihm gewannen die Trie rer die bisher einzigen nationalen Titel. 2002/03: Bernard Thompson. Der "Iceman" hatte nach der Insolvenz keine bundesligataugliche Mannschaft, Trier blieb nur dank einer Wildcard in der Liga. August 2003 - Dezember 2007: Joe Whelton (Play-off-Teilnahme 2004) Dezember 2007 - Februar 2010: Yves Defraigne März/April 2010: Aaron McCarthy Seit 21. Mai 2010 (Tag der offiziellen Vorstellung): Henrik Rödl, er prägt den "Trierer Weg". Anmerkung: Bis März 1999 hieß der Club TVG Trier, von 1999 bis Anfang 2002 HerzogTel Trier, seitdem TBB Trier. AF