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"So professionell war der Club noch nie aufgestellt"

"So professionell war der Club noch nie aufgestellt"

Bevor die Gladiators Trier am Sonntag Kirchheim zum zweiten Playoff-Duell empfangen (17 Uhr/Arena Trier) hat der TV mit drei Gladiators-Fans über Playoff-Erinnerungen, Trierer Klüngel und einen möglichen Aufstieg gesprochen.

Frau Kordel, Herr Radermacher, Herr Schmoll, können Sie sich eigentlich noch an die letzte Playoff-Auswärtsfahrt in der Bundesliga erinnern?Birgit Kordel: Oja, sehr gut sogar. Das war 2004 nach Bonn. Schlimme Erinnerungen werden da bei mir wach, denn wir wurden dort extrem verpfiffen. Am Ende der Serie sind wir an Bonn gescheitert. Alexander Schmoll: Also es lässt sich festhalten, es ist auf jeden Fall sehr lange her und umso schöner, dass wir jetzt mal wieder in den Playoffs sind - auch wenn es eine Liga tiefer ist, aber Playoffs sind Playoffs ... (lacht).Was macht denn den Reiz der Playoffs aus?Schmoll: In die Playoffs kommt nicht jeder - um es dahin zu schaffen, muss man in der Saison etwas geleistet haben. Und das haben unsere Spieler auf jeden Fall. Die haben gekämpft bis zum Umfallen, solch einen Kampf hat man selbst unter Trainer Henrik Rödl nicht oft in Trier gesehen. Kordel: Das ist ein echtes Team, jeder kämpft für jeden, das hatten wir seit Jahren nicht mehr. Hätten Sie zu Saisonbeginn gedacht, dass es für die Playoffs reicht?Kordel: Ganz tief im Inneren habe ich es natürlich gehofft, aber ausgesprochen habe ich es nicht. Denn da war auch immer noch ein Stück Ungewissheit und Angst, nicht vielleicht doch gegen den Abstieg spielen zu müssen. Schmoll: Am Anfang hätte das keiner gedacht, aber das Team ist zusammengewachsen, dadurch wurde es möglich. Dass es nun tatsächlich in der ersten Saison schon erreicht worden ist, ist ein toller Erfolg für Marco van den Berg und das Team. In der Vorrunde gab es noch viele Aufs und Abs - in der Rückrunde hat sich die Mannschaft deutlich konstanter präsentiert, auch auswärts - wie kommt das?Kordel: Marco van den Berg hat einen Riesenanteil daran. Er sagte bereits vor Saisonbeginn, dass das Team am Ende der Saison den besten Basketball spielen wird. Er hat recht behalten.Schmoll: Die Startprobleme sind aber auch dadurch zu erklären, dass wir durch die Verletzungen von Alex Engel und Simon Schmitz keinen etatmäßigen Aufbauspieler hatten. Nach der Rückkehr von Schmitz und dem Transfer von Kwadzo Ahelegbe hat sich die Mannschaft gefestigt. Trotz sehr spannender Heimspiele und insgesamt elf Heimsiegen ist das Zuschauerinteresse in der Arena eher mau - wo sehen Sie die Gründe dafür?Schmoll: Für die Leistungen, die die Spieler abliefern, ist der Zuschauerschnitt viel zu gering.Kordel: Sehe ich genauso.Schmoll: Wenn man sich aber mal ansieht, wie viele zahlende Zuschauer in der 1. Bundesliga zu den Spielen gekommen sind und wie viele zahlende Zuschauer jetzt kommen, wird deutlich, dass wir da fast gleich sind. Denn in der 1. Bundesliga kamen viele Fans immer nur durch Freikarten in die Arena. Ich denke ganz einfach, dass es in Trier nicht viel mehr als rund 2000 Basketballbegeisterte gibt, die auch unter den aktuellen Zweitliga-Bedingungen Basketball schauen wollen und nicht bis zum letzten Tag vor einem Spiel abwarten, ob sie nicht doch noch irgendwo eine Freikarte abgreifen können. Als treue Fans haben Sie in den letzten fast 20 Jahren schon viele Vereinsnamen, Manager, Geschäftsstellenmitarbeiter und Spieler kommen und gehen sehen - was unterscheidet den neuen Club Gladiators von seinen Vorgängern?Schmoll: Wir haben ein Riesenglück mit dieser Geschäftsstelle: So professionell wie jetzt war der Club in den letzten 25 Jahren noch nie aufgestellt. Dieser Profi-Basketballclub wurde in der Vergangenheit nicht wie ein Proficlub geführt, sondern wie ein ‚Vereinchen‘ im Trierer Klüngel nach dem Motto: ‚Das haben wir schon immer so gemacht‘.Radermacher: Stimmt, bloß nichts Neues probieren, alles wie immer.Schmoll: Mit Michael Lang ist die notwendige Professionalität nach Trier gekommen. Mit ihm kann hier eine vernünftige Basis nach der Katastrophe im letzten Jahr gelegt werden, um in drei oder vier Jahren in die Bundesliga zurückzukehren. Kordel: Der Verein muss sich nun erstmal einen sauberen Namen machen, eine Rückkehr in die Bundesliga in diesem Jahr käme viel zu früh. Es ist sehr wichtig, dass Michael Lang seinen Vertrag vor kurzem verlängert hat. Wie eng ist die Zusammenarbeit zwischen Fans und Club?Schmoll: Der Austausch ist groß. Wir von Fastbreak schauen eigentlich wöchentlich in der Geschäftsstelle vorbei. Der Club kommt auch immer wieder auf uns zu. Es ist eine ganz andere Art der Kommunikation im Vergleich zur Vergangenheit. In den vergangenen Monaten gaben die Gladiators immer wieder bekannt, dass ihnen noch mehrere Tausend Euro im Etat fehlen - wie beunruhigend sind solche Nachrichten?Kordel: Dadurch, dass der Club früh genug mit den Zahlen nach außen gegangen ist, war es kein Schock. Man hat den Eindruck, dass sie das im Griff haben und genau wissen, was sie tun. Nicht wie im letzten Jahr, als die TBB uns Fans plötzlich im Frühling vor vollendete Tatsachen gestellt hat. Radermacher: Man hat jetzt einfach als Fan das Gefühl, ganz nah dran zu sein. Bei der TBB hatte man eher den Eindruck, dass sie ihr Ding machen wollten und wir als Fans sollten unseres machen.Schmoll: Michael Lang sagt auch immer ganz deutlich: ‚Ohne euch geht es nicht‘.Kommen wir nochmal zu den Playoffs - haben Sie das Gefühl, dass Kirchheim den Gladiators liegt? In der Hauptrunde gab's einen Sieg und eine Niederlage gegen die Schwaben …Kordel: Man darf aber nicht vergessen, dass damals weder Kwadzo Ahelegbe noch Simon Schmitz dabei waren. Im Rückspiel sah das Ganze ja schon viel besser aus. Ich denke, wir haben gute Chancen, gegen Kirchheim weiterzukommen. Schmoll: Wenn keiner von uns einen richtig schlechten Tag besitzt, dann haben wir eine Chance. Wie lautet das Ziel für die Playoffs?Radermacher: Natürlich ins Finale zu kommen. Wir sind Fans, wir dürfen träumen … (lacht).Und was passiert, wenn die Gladiators sportlich tatsächlich den Aufstieg schaffen sollten?Schmoll: Aus wirtschaftlicher Sicht wäre es das Unvernünftigste überhaupt, aufzusteigen. Das muss jeder einsehen, egal wie sehr er sich den Aufstieg wünscht. Kordel: Frühestens in drei oder vier Jahren ist der Aufstieg möglich.Schmoll: Wir müssen das Vertrauen in der Region erstmal weiter ausbauen, vorher geht da nichts in Richtung Bundesliga. mfrExtra

Die Gladiators Trier empfangen am Sonntagnachmittag um 17 Uhr die Kirchheim Knights zum zweiten Viertelfinal-Playoffduell in der Arena Trier. mfr Extra

Fastbreak Trier e.V. ist mit über 300 Mitgliedern der größte Trierer Basketball-Fanclub. Alexander Schmoll (32) ist seit 2000 dabei und seit 2011 als erster Vorsitzender im Amt. Auch Birgit Kordel (45) ist "seit vielen Jahren" Mitglied. Sascha Radermacher (41) gehört ebenfalls zum Fastbreak-Vorstand und verfolgt den Trierer Basketball seit Jahren. Am Sonntag vor dem Gladiators-Heimspiel treffen sich die Fastbreak-Mitglieder zur Jahreshauptversammlung im Presseraum der Arena, Eingang Herzogenbuscher-Straße. Los geht's um 15 Uhr. mfr