1. Sport
  2. Basketball

TBB-Trainer Henrik Rödl: "Die Liga ist so stark wie nie“

TBB-Trainer Henrik Rödl: "Die Liga ist so stark wie nie“

Der Trainer im TV-Interview über die abgelaufene Saison, die Kaderplanung und die neue Leistungsdichte in der Basketball-Bundesliga.

Die TBB Trier war in der Hinrunde 2012/13 das große Überraschungs-Team - als Tabellensiebter. Mancher träumte von der ersten Playoff-Teilnahme seit neun Jahren. Vor Saisonende musste noch um den Klassenerhalt gebangt werden, bevor Platz zwölf feststand. Wie fällt Ihr Fazit aus? Henrik Rödl: Wenn man die Saison analysiert, muss man sie mit den Zielen vergleichen, die wir uns gesetzt haben. Der Tabellenplatz und die Playoffs sind nicht die großen Themen unseres Programms. Was wir uns auf die Flagge schreiben, ist die Entwicklung der Spieler. Das ist der Trierer Weg. Da gibt es wieder einige sehr schöne Geschichten: Wir haben mit Andi Seiferth jemanden als Starting-Center etabliert, der erst sein zweites Jahr in der Bundesliga spielt. Dazu haben wir einen jungen Backup-Center, Vitah Chikoko, der ebenfalls seine erste komplette BBL-Saison gespielt hat. Auch Bastian Doreth war zuvor nie in der Verantwortung. Oder nehmen wir Mathis Mönninghoff - er kam aus dem College, hatte keinerlei BBL-Erfahrung und hat sich nun in der Liga bewiesen. Wir haben ihnen das Vertrauen gegeben, natürlich aber auch erwartet, dass wir das zurückbekommen. Was waren Ihre Highlights der Saison? Rödl: Da gab es einige. Etwa die Heimsiege gegen Oldenburg und Bayern München. Und natürlich auch das Heimspiel gegen Bayreuth im Dezember, bei dem meine Vertragsverlängerung in Trier bekannt gegeben wurde. Das war ein sehr emotionaler Moment. Nach der starken Hinrunde rutschte Ihr Team in eine kleine Krise, vor allem auswärts ging kaum noch was. Woran lag es? Rödl: Es gab Phasen, in denen es nicht so gut lief. Das ist der Fluch im Segen: Man kommt mit einer jungen Mannschaft immer mal in Situationen, in denen es schwierig wird. Dann merkt man, dass das junge Leute sind, die auf dem Niveau noch nicht so viel gespielt haben. Es fehlt eben an Erfahrung und Konstanz. Das muss man unserem Programm nachsehen. Andere Mannschaften - die teilweise mehr Erfahrung im Team haben - kennen das auch. Bei einer jungen Mannschaft bekommt das nicht weg. Bereitete Ihnen die Niederlage im letzten Heimspiel gegen Tübingen schlaflose Nächte? Rödl: Das war für alle eine sehr aufregende Zeit. In Retrospektive war es toll zu sehen, wie die Mannschaft reagiert. Es spricht aber für die Mannschaft, was sie danach für ein Wahnsinnsspiel in Frankfurt abgeliefert hat. Wir haben eine sensationelle Hinrunde gespielt, das hat sich dann in der Rückrunde etwas ausgeglichen. Auch, weil die Qualität in der Liga so groß ist. Ihr Team kam personell wieder sehr gut durch die Saison - ohne schwere Verletzungen, fast ohne Ausfälle… Rödl: Wir sind sehr gut aufgestellt und hatten auch in meiner dritten Saison in Trier ganz wenige Verletzungen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen liegt es an der sehr guten medizinischen und physiotherapeutischen Arbeit. Die Mannschaft ist im konditionellen Bereich fit und kann die hohen Belastungen aushalten. Wir brauchen sehr viel Energie für das Spiel, das ich verlange. Es liegt sicher zudem auch am Alter der Spieler und daran, dass wir weniger Spiele haben als etwa Berlin oder Bamberg. Und ein bisschen Glück gehört dazu. Aber dass etwa Verletzungen aus Ermüdungserscheinungen überhaupt nicht vorgekommen sind, ist ein Lob für unser Programm. Das Team wird sich in der neuen Saison verändern, bei vielen Spielern sind die Verträge ausgelaufen. Wie ist der aktuelle Stand in punkto Kader 2013/14? Rödl: Vitah Chikoko und Jermaine Bucknor haben noch einen Vertrag. Auch Mathis Mönninghoff wird bleiben, das war schon relativ schnell nach meiner Vertragsverlängerung in Trier klar. Bei Luka Buntic haben wir die Option gezogen, er entwickelt sich gut. Wir versuchen, ein Gerüst zu halten. In der vergangenen Saison haben wir starke und gute Charaktere reingebracht. Das ist auch das Ziel für das nächste Jahr. Wer soll denn unbedingt bleiben? Und wer steht nicht so weit oben auf der Prioritätenliste? Rödl: Wir stehen noch ganz am Anfang. Ich werde nicht sagen, wen ich halten will und wen eher nicht - das ist nicht gut für die Mannschaft. Wichtig ist, dass wir die richtigen Charaktere bekommen. Dass wir Spieler haben, die sich hier beweisen können. Wer sind denn die richtigen Leute für den "Trierer Weg"? Und wie sind die Aussichten, sie auch zu bekommen oder zu halten? Rödl: Wir bieten in Trier ein sehr interessantes Angebot. Ich habe den Eindruck, dass wir finanziell so gut dastehen wie letztes Jahr, vielleicht sogar etwas besser. Ich weiß gar nicht, wie viele Damoklesschwerter über dem Club hingen, als ich in Trier angefangen habe. Das hat sich total beruhigt. Auch der Zuschauerzuspruch war aktuell so groß wie noch nie. Das wird sich vielleicht etwas auf das Budget auswirken. Klar ist, dass wir uns keine Schaffartziks (Anm. der Red.: Nationalspieler, Alba Berlin) kaufen können. Aber Spieler, die an der Schwelle stehen, die merken sich Trier. Diejenigen, die wir holen, müssen auch funktionieren. So war es in dieser Saison: Unsere zweite Fünf war in jeder Hinsicht unsere große Stärke. So hat Nate Linhart eine phänomenale Saison gespielt. Aber selbst er hat nur 28 Minuten auf dem Feld gestanden. Es macht den Unterschied, wenn man zweite Fünf hat, die neue Impulse setzen kann. Wie sieht es denn bei Nate Linhart aus? Er war in seinem zweiten Jahr bei der TBB überragend, defensiv wie offensiv. Gibt es eine Chance, ihn zu halten? Rödl: Alle wissen, dass sich Nate hier sehr wohl fühlt. Alle wissen aber auch, dass er auf jeder Liste steht - natürlich auch auf der Liste der Fans. Wenn andere Mannschaften ihn nicht wollen, sind sie selbst schuld. Wir werden versuchen, was wir können. Aber ich schätze die Chancen im Moment nicht besonders hoch ein. Nate Linhart ist ein Riesentyp, der als Galionsfigur für das steht, was ich auf dem Feld sehen will - in punkto Einsatz und Ausstrahlung. Ich sehe viel von dem, wie ich früher gespielt habe, in ihm. Er hat zu unserem Programm extrem gut gepasst. Im Trainerstab gibt es einen Neuzugang - mit dem bisherigen Teamkapitän Dragan Dojcin, der das JBBL-Team übernehmen soll. Was erwarten Sie von ihm?
Rödl: Es war mein großer Wunsch, dass Dragan Dojcin in Trier bleibt. Ich glaube, es ist für das Programm super, wenn wir Spieler mit einer solchen Aura und Vita für den Jugendbereich gewinnen können. Er ist jemand, der den Leuten gerne sein Wissen und seine Erfahrung weitergibt. Wir werden ihn vielseitig einsetzen. Auch bei Positionsveränderungen: Wenn wir wie geplant Vitah Chikoko auf der Power-Forward-Position einsetzen wollen, dann gibt es keinen besseren Mann als Dragan für die Aufgabe. Es ist ein Riesengewinn, ihn ins Programm zu integrieren. Das gilt auch für Josip Bosnjak, der auch hauptamtlich dabei sein wird und der immer die richtige Ansprache findet - er ist ein absolutes Trainertalent. Ich bin froh, solche Leute zu haben. Wie sehen Sie die Entwicklung in der Basketball-Bundesliga?
Rödl: Ich glaube, es gibt keine Sportart, in der die Liga in kurzer Zeit so einen Sprung gemacht hat. Die Leistungsdichte war noch nie so hoch wie jetzt - und sie könnte noch steigen. Die BBL ist aktuell die zweitsolideste in Europa nach der ACB (Anm. spanische Liga). Wenn mir das jemand vor fünf Jahren vorausgesagt hätte, hätte ich ihn ausgelacht. Das liegt natürlich auch an der Wirtschaftskrise, da ist in anderen Ländern viel weggebrochen. Das hat die BBL enorm aufgewertet - die Leute wollen nach Deutschland. Wer wird denn in diesem Jahr Meister?
Rödl: Keine Ahnung. Aber das ist ja schon eine Aussage. Die Bamberger waren am Ende der Normalrunde nicht mehr so solide, auch bedingt durch Verletzungen. Von daher ist es so offen wie noch nie. Beste Chancen hat die Mannschaft, die jetzt einen Lauf bekommt. Wer im Viertelfinale Bayern - Alba weiterkommt, dürfte auch gute Aussichten haben. Interview: Andreas Feichtner

Basketball-Kolumne "Auszeit": Schwindel