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TBB Trier bleibt das Überraschungsteam: Auswärtssieg in Würzburg

TBB Trier bleibt das Überraschungsteam: Auswärtssieg in Würzburg

Dritter Sieg im vierten Auswärtsspiel: Basketball-Bundesligist TBB Trier ist nach dem 69:62-Erfolg am Samstagabend in Würzburg klar auf Playoff-Kurs. Wenn die Punkte denn nach Trier gehen: Die Gastgeber haben wegen einer Trikotpanne Protest gegen die Spielwertung eingelegt.

Als wäre die 62:69 (31:35)-Niederlage für die s. Oliver Baskets Würzburg in eigener Halle gegen den TBB Trier nicht schon niederschmetternd genug gewesen, so musste es sich schon wie blanker Hohn angefühlt haben, als ein Spielmannszug nach dem Ende einer von zahlreichen haarsträubenden Fehlern geprägten Basketball-Bundesliga-Partie auf dem Parkett mit ihrem Tschingdarassa Bum gute Laune versprühen wollte. Den mitgereisten Trierer Fans gefiel das, sie nutzten die musikalische Faschingseinlage, um ihr Team kräftig zu feiern. Und ausgiebig. Noch am Mannschaftsbus empfingen die TBB-Anhänger ihr siegreichen Lieblinge stimmgewaltig. "Das war verdammt wichtig", sagte denn auch Triers Trainer Henrik Rödl, "denn ich halte Würzburg für eine der heimstärksten Teams der Liga. In dieser Halle, vor diesem Publikum zu bestehen, das ist alles andere als einfach." Die Würzburger aber sind nicht wiederzuerkennen, der Vorjahres-Halbfinalist ist in diesen Tagen, die geprägt sind von der Terminhatz zwischen EuroCup-Wettbewerb und Bundesliga, ein Schatten früherer, erfolgreicher Tage. "So", fasste es Trainer Marcel Schröder zusammen, "kannst du kein Spiel gewinnen. Das alleine auf die Reisestrapazen zu schieben, wäre nicht in Ordnung. Wir müssen uns schleunigst etwas einfallen lassen." Oder hoffen. Denn die s. Oliver Baskets haben die Partie nur unter Protest bestritten, die Spielwertung wird ein Fall für die BBL-Justitiare. Die Trierer hatten ebenso wie die Würzburger in weißen Trikots auflaufen wollen - und damit reichlich Verwirrung gestiftet. "Es ist klar geregelt, dass wir daheim in Weiß spielen", sagte Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler später. Die Würzburger aber schlüpften letztlich dann doch ins Auswärts-Rot, weil "wir schlicht und ergreifend überhaupt nur ein Trikot haben", sagte Rödl ziemlich überrascht von der Panne. Zwanzig Minuten dauerte es, ehe die roten Hosen und die dazu passenden Hemden der s. Oliver Baskets organisiert waren, die Partie begann mit reichlich Verspätung - und geht am Grünen Tisch in die Verlängerung. "Wir hätten, so meine ich die Statuten zu kennen, erst gar nicht antreten müssen", sagte Schröder. Sein Team spielte doch - eben unter Protest, was Rödl nach dem phasenweise unansehnlichen Match als "peinlich" bezeichnete: "Ich kenne mich damit nicht aus. Ich bin in Trier für vieles, aber nicht auch noch für die Trikots zuständig. Aber am besten sage ich dazu jetzt gar nichts mehr. Wer weiß, was da entschieden wird und was da noch auf uns zukommt". Die Liga, das ist nicht neu, hat schließlich immer mal Überraschungen parat.Es bleibt also abzuwarten, ob es beim verdienten Trierer Sieg bleibt, der schon fast historische Züge hatte - was man Rödl auch schnell anmerkte, als der nach der Partie in dem kargen Presseraum auf die ebenso wenig erquickliche Statistik blickte und sich verwundert die Augen rieb: Auch ihm, dem Routinier, dürfte es noch nicht vorgekommen sein, mit einer Mannschaft ein Spiel ins Ziel zu bringen, die sich sage und schreibe 27 (!) Ballverluste in 40 Minuten leistet. Würzburg hatte die orangefarbene Kugel "nur" 21 Mal leichtfertig verdaddelt. Es war der einzige "Sieg" für die Mainfranken in dem für beide so ernüchternden Zahlenwerk - 34 Prozent Trefferquote aus dem Feld, nur zehn von 23 Freiwürfen verwandelt. "So kannst Du kein Spiel gewinnen", wiederholte sich Schröder, während Henrik Rödl die nackten Zahlen auch so erklärte: "Beide Teams ähneln sich in ihrem Stil. Beide agieren bisweilen wild. Und sie wollen aggressiv verteidigen. Irgendwie müssen wir das in der einen oder anderen Phase schlichtweg besser gemacht haben." Volltreffer. So einfach kann Basketball bisweilen sein.
Es war vom Sprungball weg der Gast von der Mosel, der die Partie diktierte, der nach vier Minuten 8:2 führte und dessen Vorsprung gegen Ende des ersten Viertels fast aufgebraucht war (18:17). Wenigstens hielten die TBB-Korbjäger ihre Balance, während die Würzburger eine Berg- und Talfahrt hinlegten - und zur Pause kein Kapital aus den da schon 17 Ballverlusten des TBB schlagen konnten (31:35). "Das ist mehr als nur der Körper, das ist der Kopf", befand Baskets-Coach Marcel Schröder, während Henrik Rödl seinem Team zumindest einen "großen Kampfgeist" bescheinigte, was sich am besten in den Augen von Jermaine Bucknor ablesen ließ. Der frühere Würzburger zeigte an alter Wirkungsstätte in der mit 3140 Zuschauern mal wieder ausverkauften s. Oliver Arena unglaublich viel Biss, er wollte diese Partie unbedingt gewinnen, er wollte seinem einstigen Arbeitgeber beweisen, wozu er in der Lage ist, wenn er denn gelassen wird: Am Ende standen elf Punkte und fünf Rebounds auf dem Konto des kanadischen Ex-Nationalspielers, dessen Blick so auffällig zielgerichtet war - nur Andreas Seiferth (14 Punkte) hatte öfter für Trier getroffen, Barry Stewart brachte es ebenso wie Bucknor auf elf Zähler.Und in all dem fehlerbehafteten Durcheinander waren es die Moselstädter, die sich in den wirklich wichtigen Momenten etwas besser zu konzentrieren wussten: Zwölf Punkte brachten die Rödl-Schützlinge so zwischen sich und die Hausherren im Schlussabschnitt. Beim 60:48 und nur noch acht Minuten auf der Uhr war die Messe gelesen, der Rest war der krampfhafte Würzburger Versuch, noch etwas umzubiegen, was sich schlicht nicht umbiegen ließ. Trier blieb weitgehend souverän an der Freiwurflinie (67 Prozent) - und Rödl fand in den Auszeiten am Ende stets das richtige Rezept, die Baskets auf Distanz zu halten. "Wir sind froh über diesen Sieg und stolz", sagte Rödl, dem jetzt nur noch eine Zitterpartie bevorsteht: die am Grünen Tisch. Würzburg: Anderson (17/1), McKinney (15/3), Little (10/0), McIntosh (6/1), King (5/1), Boone (4/0), Stuckey (3/0), Jacobson (2/0), Henneberger (0/0), Kleber (0/0), Clay (0/0).Trier: Seiferth (14/1), Stewart (11/3), Bucknor (11/1), Harper (9/0), Linhart (6/0), Howell (6/0), Chikoko (5/0), Saibou (4/0), Doreth (3/1), Mönninghoff (0/0).Schiedsrichter: Matip, Rodriguez, Bejaqui. Zuschauer: 3.140 (ausverkauft).