Was Basketballstar Zipser mit der Region verbindet

Kostenpflichtiger Inhalt: Basketball : Was Basketballstar Paul Zipser mit der Region Trier verbindet

Mit 16 Jahren debütierte er in der 2. Bundesliga, mit 22 wechselte er in die NBA: Paul Zipser ist eines der größten deutschen Basketballtalente. Nun bereitet er sich mit dem Nationalteam in Trier auf die WM vor und berichtet von einer überraschenden Verbindung in die Region.

Ist ja nicht so, als seien die Geschichten, die Paul Zipser aus der  NBA, aus Spanien oder aus der Bundesliga zu erzählen hat, nicht schon spannend genug. Der Mann hat mit seinen 25 Jahren schließlich schon so viel erlebt, wie andere Akteure in drei Karrieren nicht. Aber die Geschichte, die der Nationalspieler da am Donnerstagabend in der Arena Trier auspackt, die ist ein Kracher – kurioser geht’s wohl kaum.

Paul Zipsers Lebenslauf liest sich wie ein Basketballtraum: 2010 Debüt in der zweiten Basketball-Bundesliga für Heidelberg. Da ist er 16 Jahre alt. 2013 wechselt das Mega-Talent zum FC Bayern München in die Bundesliga. 2015/16 folgt die Wahl zum besten deutschen Nachwuchsspieler der Bundesliga. Fast logisch dann der nächste Schritt: Im Sommer 2016 zieht es den jungen Mann auf die andere Seite des Atlantiks: Zipser unterschreibt bei NBA-Club Chicago Bulls, dem Ex-Club von Basketballgott Michael Jordan. Der junge Deutsche trägt fortan die Trikotnummer 16, kommt auf knapp 100 Einsätze für die Bulls. Einziges Manko: seine Verletzungsanfälligkeit. Sie verhindert lange den ganz großen Durchbruch, und trägt auch Schuld daran, dass Zipser 2014 beim Bundesliga-Titelgewinn der Bayern zum Zuschauen verdammt ist. Nach einer weiteren Station in Spanien bei  San Pablo Burgos ist Zipser nun zurück in Deutschland, läuft ab der neuen Saison wieder für den FC Bayern München auf. „Nach meinen vergangenen beiden Jahren, die für mich nicht optimal verlaufen sind, bin ich einfach froh, wieder die Chance zu bekommen, Euroleague zu spielen in München“, erzählt Zipser am Donnerstag in der Arena. Die Trainingseinheit mit der Nationalmannschaft ist da gerade zu Ende gegangen. Der 25-Jährige – Badelatschen, schwarzes Trainingsshirt, Basketballshorts – steht am Spielfeldrand, nimmt sich viel Zeit für Fragen. Seine Antworten sind lang und unterhaltsam, lesen sich beispielsweise so: „Ich habe noch Ziele, die ich in meiner Karriere erreichen will – dafür ist der FC Bayern perfekt, denn ich will jetzt auch mal eine richtige Deutsche Meisterschaft holen, was ich zwar schon mal gepackt habe, jedoch ohne mitwirken zu können aufgrund meiner Verletzung.“ Das Ziel, das schiebt er hinterher, sei definitiv die Rückkehr in die NBA. „Ich glaube aber, dass das noch nicht in den nächsten zwei Jahren passieren wird, aber danach werden wir mal sehen, wie ich mich entwickle und wie mein Körper durchhält.“

Die Gedanken daran hat Paul Zipser momentan allerdings erst mal beiseitegeräumt. Denn aktuell gibt’s für den 2,03-Meter-Mann nur eins: die Vorbereitung auf die WM 2019 in China. Genau aus diesem Grund gastiert Zipser seit Wochenbeginn mit der  Nationalmannschaft in Trier und trifft am Sonntagabend (18 Uhr/Arena Trier) im ersten Härtetest auf Schweden. „Die Stimmung im Team ist super, wir mögen uns sehr, es gibt auch einige dicke Freundschaften.“ Die Mannschaft fahre mit großen Zielen zur WM, wolle sich dort unbedingt für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio qualifizieren. 

Übrigens, die Bedingungen, das betont Zipser, die seien in Trier wirklich sehr gut, optimal, um sich konzentriert auf das Turnier vorzubereiten. Von der Stadt allerdings, da habe er – genau wie seine Kollegen – in den vergangenen Tagen noch nicht viel sehen können.  Trainingseinheiten und all das, was noch so zu einer Vorbereitung gehört, ließen das nicht zu.

Ist öfter mal in der Region zu Besuch: Paul Zipser. Foto: picture alliance/dpa/Ina Fassbender

Schade eigentlich, denn Zipser würde sich bestens als Stadtführer für seine Teamkollegen anbieten. Denn der Mann kennt sich aus in der Region, war in der Vergangenheit schon unzählige Male in der Stadt, wie er am Donnerstagabend mit einem breiten Grinsen erzählt.

Der Grund: Zipser hat Verwandte in Trier. Und es wird noch besser: „Meine Eltern kommen aus Wittlich, sind später fürs Studium beide nach Mainz gegangen. Aber auch meine Großeltern kommen aus Wittlich. Ich bin eigentlich jedes Jahr mal hier in der Region auf Familienbesuch“, erzählt der 25-Jährige und setzt noch einen drauf: „Letztes Jahr bin ich auch endlich mal wieder auf der Wittlicher Säubrennerkirmes gewesen.  Da war ich als kleines Kind zwei-, dreimal – dann leider Ewigkeiten nicht mehr.“ Schule und Basketballkarriere, so erzählt er, hätten dies lange verhindert. „Der Kirmes-Termin Ende August ist halt für einen Basketballer ein beschissener Zeitpunkt, denn zu dieser Zeit befindet man sich immer mitten in der Vorbereitung.“

Aber, wenn Zipser nicht zur Verwandtschaft kommt, kommt die Verwandtschaft halt zu Zipser: Fürs Testspiel in Trier am Sonntag gegen die Skandinavier hat sich jede Menge Unterstützung angekündigt: „Viele Freunde und Verwandte werden da sein“, sagt der Nationalspieler. Dann grinst er, der Mann, der ein Stück Wittlich in die große weite Basketballwelt getragen hat.

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