| 20:35 Uhr

Was macht eigentlich .. Don Beck?

Zwei nationale Titel haben die Trie rer Basketballer gewonnen - und bei beiden Pokalsiegen (1998 und 2001) hieß der Cheftrainer Don Beck. Den 58-jährigen Amerikaner zog es nach seinem Trier-Abschied 2002 nach Oldenburg, Belgien, in die Niederlande, inzwischen trainiert er einen Proficlub in Tokio. Aber seine Heimat hat er an der Mosel gefunden.

Herr Beck, Sie sind in New York aufgewachsen und trainieren inzwischen ein Basketball-Team in Japan, Toyota Alvark. Seit dem Sommer wohnen Sie aber wieder in Trier. Das liegt nicht gerade auf dem Weg, oder?
Don Beck: Ich bin zwar in New York geboren, habe aber mehr Zeit in Kalifornien verbracht. Aber inzwischen lebe ich seit fast 18 Jahren in Deutschland. Erst in Trier, dann seit 2002 in Oldenburg. Von dort aus bin ich gependelt. Jetzt wollte ich eben mit der Familie - mit meiner Frau und den zwei Töchtern (Anm.: 16 und 22 Jahre alt) nach Trier zurück. Meine Frau ist aus der Region. Trier ist eine wundervolle Stadt. Hier fühlen wir uns zu Hause. Ich fahre aber noch öfter nach Kalifornien, um Freunde und Verwandte zu besuchen.
Zuerst aber geht es für Sie am Samstag wieder nach Osten, in ihre zweite Saison nach Tokio. Wie sind Ihre Erfahrungen bisher?
Beck: Vieles ist komplett anders. Das fängt damit an , dass nur zwei Nicht-Japaner im Kader stehen dürfen, und es darf jeweils nur ein Ausländer auf dem Feld stehen. Eine dieser Postitionen besetzt bei mir Jeff Gibbs (Anm. der Red.: legendärer BBL-Spieler, eine Ulmer Legende). Mehr als die Hälfte meiner Spieler versteht auch kein Englisch, da muss der Assistent als Übersetzer ran. Auch die Spielweise und das System sind völlig anders. Wir spielen meistens an einem Wochenende zwei Mal gegen das gleiche Team. Wir haben zum Beispiel auch keine feste Heimarena - das heißt wir spielen in verschiedenen Arenen in Tokio. Was die Trainingsbedingungen angeht, ist aber alles vom Feinsten.
Wie ist das Niveau der Liga?
Beck: Ich denke, die vier besten Teams wären auch in der Bundesliga wettbewerbsfähig.
Am Dienstag musste die japanische Nationalmannschaft aber in Trier mit einigen ihrer Spieler eine deutliche Niederlage hinnehmen (79:97)…
Beck: Das war grausam, wirklich schlecht. Ich habe die Idee, im nächsten Jahr mit meinem Team, Toyota Alvark, nach Trier zu kommen. Beim Nationalteam hatte ich aber den Eindruck, dass viele Spieler mental noch im Flugzeug saßen. Ich weiß, dass sie individuell viel mehr können.
Wie war Ihr Eindruck von der TBB Trier?
Beck: Für die kurze Vorbereitungsphase sah das schon richtig gut aus. Ich habe das Team schon letztes Jahr im November und Dezember gesehen. Das, was Henrik Rödl in der letzten Saison geleistet hat, war die beste Trainerarbeit in Trier seit vielen, vielen Jahren. Das war zum ersten Mal wieder eine Mannschaft, die die Erwartungen wirklich übertroffen hat. Da hat Rödl exzellente Arbeit geleistet. Ich hoffe, dass das so erfolgreich weitergeht. Das ist ja auch nicht uneigennützig. Wenn man acht Jahre harte Arbeit in etwas gesteckt hat, will man nicht erleben, dass es irgendwann abwärtsgeht.
Sie haben aus Ihrer Zeit als Trie rer Trainer von 1994 bis 2002 noch einen sehr guten Ruf, nicht nur wegen der beiden Pokaltitel. Wie sind Ihre Erinnerungen?
Beck: Es waren tolle Jahre. Wir haben mit kleinem Budget sehr viel erreicht - nicht nur die Pokalsiege. Wir haben uns in den europäischen Wettbewerben gut geschlagen und haben ja auch oft die Play-offs erreicht. 1998 hatten wir auch eine echte Chance gehabt, Deutscher Meister zu werden.
Woran ist es gescheitert?
Beck: Keith Gray und Bernard Thompson, zwei unserer wichtigsten Spieler, hatten damals einen Autounfall, der sie außer Gefecht gesetzt hatte. Danach hatten wir etwas den Faden verloren.

Sie wurden mit Trier Pokalsieger, später auch in den Niederlanden, zudem wurden Sie Trainer des Jahres. Ein nationaler Meistertitel fehlt Ihnen aber in der Sammlung. Wie stehen die Chancen, dass sich das noch ändert?
Beck: Ich will immer um Titel spielen, Pokaltitel und Meisterschaften. Das ist auch mit Toyota Alvark unser Ziel. Als nach Fuku shima die Saison abgebrochen wurde, waren wir gerade von Platz zwei auf drei abgerutscht.
Wo waren Sie, als die Erde bebte?
Beck: Wir waren in Nagoya , etwa 600 Kilometer südlich von Fukushima. Dort haben wir das Beben gespürt, aber welche Auswirkungen es hatte, haben wir erst im Fernsehen gesehen. Die Basketball-Saison wurde dann beendet, das war auch richtig so.
Hat sich Japan nach Fukushima verändert?
Beck: Eine solche Tragödie hat immer Einfluss auf ein Land. Es gibt eine Tendenz, dass alle Kernkraftwerke früher oder später abgeschaltet werden. Wie ich die Japaner kennengelernt habe, werden sie dafür aber schneller eine Energielösung finden, als wir uns das bisher vorstellen. Wenn ein Land so etwas durchmacht und verarbeitet, macht es das auch stärker.
Sie verfolgen auch aufmerksam die deutsche Bundesliga. Wie präsentiert sich die BBL aus Ihrer Sicht?
Beck: Die BBL hat sich auch gut entwickelt. Nur eine Sache hat mich enttäuscht - nämlich die Neuregelung im Pokal, die nur noch den Top-Teams der Liga einen Startplatz im Pokalwettbewerb einräumt. Das ist sehr schade, denn dadurch fallen Außenseiter-Siege komplett weg. Ich bin auch mal gespannt, was aus Bayern München in der nächsten Saison wird. Es ist toll, dass Dirk Bauermann zurück als Trainer in der Liga ist. Er ist ein herausragender Coach und hat so viel erreicht wie kaum ein anderer. Für die Liga und das gesamte Interesse am Basketball wäre es auch gut, wenn sich das deutsche Team für die Olympischen Spiele 2012 in London qualifizieren könnte.

Interview: Andreas Feichtner
(das Interview wurde auf Englisch geführt und übersetzt).

Don Beck wurde am 2. Juni 1953 in New York City geboren. Nach Stationen am Santa Barbara College und der Fresno State University (Kalifornien) heuerte er als Basketball-Cheftrainer in Europa an. Nach einem Jahr in Belgien (Oostende) wechselte er 1994 zum TVG Trier. Beck schaffte es, dass der Club ohne großes Budget über einige Jahre mit den Top-Teams der Liga mithalten könnte. Höhepunkte waren die Pokalsiege 1998 und 2001. Nach der damaligen Insolvenz der Trierer zog es Beck im Jahr 2002 für fünf Jahre nach Oldenburg. Trier schaffte es nach Becks Abschied nur noch ein Mal in die Play-offs. Später arbeitete der Amerikaner erfolgreich bei Euphony Bree (Belgien) sowie in Triers Partnerstadt Den Bosch, wo er niederländischer Pokalsieger und Vizemeister wurde. Seit dem vergangenen Jahr steht Beck in Tokio bei Toyota Alvark für ein weiteres Jahr unter Vertrag. Im Juli 2011 zog er mit seiner Familie von Oldenburg in die Trierer Innenstadt. AF

Zurück in der alten Heimat: Don Beck vor der Porta Nigra.TV-Foto: Andreas Feichtner
Zurück in der alten Heimat: Don Beck vor der Porta Nigra.TV-Foto: Andreas Feichtner