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Mönchengladbach
Borussia will "das Maximale" herausholen

Mönchengladbach. Rein statistisch hat Borussia am Samstag gute Chancen, mal wieder einen Sieg in der Bundesliga zu landen. Gegen Hertha BSC Berlin, das in den Borussia-Park kommt, wurden sieben der letzten acht Spiele gewonnen. Karsten Kellermann

Es gehört schon ein gewisser Trotz dazu, wenn die Berufsfußballer in Mönchengladbach noch von Europa träumen. Schließlich scheint es seit dem vergangenen Spieltag und dem 0:0 in Mainz, als spreche man über eine Reise zum Mond. "Ich glaube weiter an Europa", stellte dennoch Stürmer Raffael klar. Und Verteidiger Jannik Vestergaard wies darauf hin, dass erst zum Schluss abgerechnet werde. Zwölf bis 15 Punkte brauchen die Borussen sicherlich, und dies garniert mit viel Zutun der Konkurrenz, wenn es noch etwas werden soll. Weswegen Trainer Dieter Hecking nun riet, derlei Denkansätze zu verwerfen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: "Es geht darum, gegen Hertha ein richtig gutes Spiel zu machen und zu gewinnen", sagte er mit Blick auf das heutige Heimspiel gegen Berlin.

Für die Borussen wird der Rest der Saison auf gewisse Weise zum Charaktertest. Lassen sie die Geschichte einfach auslaufen? Oder bleiben sie unter Spannung? Das sollte tunlichst passieren, denn es geht auch darum, nach vorn zu schauen - und schon erste Erkenntnisse mit Blick auf die neue Saison einzusammeln.

Am Montag, 16. April, ist die Jahreshauptversammlung im Borussia-Park. Die Debatten rund um den Klub lassen vermuten, dass da von Seiten der Fans einiges auf den Tisch kommen wird in der Südkurve des Stadions. Der Ton in Leserbriefen und in den sozialen Netzwerken ist harsch. Borussia muss sich rüsten für die Zukunft, um nicht längerfristig im Mittelmaß zu versinken. Wie schnell so etwas passiert, hat sich an anderen Standorten gezeigt. Weswegen in den kommenden Wochen alles auf den Prüfstein kommen sollte, die Arbeit des Trainers ebenso wie die des Teams. Dass Ergebnisse der Leitfaden sein werden, liegt in der Natur des Dinge.

Es ist nicht alles schlecht im Staate Borussia, sicher nicht, aber eben bei weitem auch nicht alles gut. Borussia spielt eine historisch schlechte Rückrunde und es haben sich diverse Problemzonen aufgetan, die abgearbeitet werden müssen. Wie die aberwitzige Verletztensituation, die viel zu schmale Torausbeute, die Tatsache, dass die Borussen wieder oft schwächelten, wenn es darauf ankam. Borussia muss sich auf Herz und Nieren durchleuchten und vielleicht die eine oder andere Neuausrichtung andenken.

Trainer Hecking und Manager Max Eberl arbeiten längst an Plänen für die neue Spielzeit - "das beginnt schon, wenn eine Saison anfängt", sagte Hecking. Die Verlängerung seines Vertrages ist derzeit kein Gesprächsthema, jedoch ist das Papier auch noch bis 2019 datiert. "Ich sehe daher keine Eile", sagte Hecking gestern. Auf dem Rasen können in den letzten sechs Spielen durchaus Zukunftsansätze probiert werden - im Ernstfallmodus. Das kann sehr hilfreich sein, zumal jetzt das Lazarett überschaubarer geworden ist und somit mehr Möglichkeiten bestehen (wenngleich Spieler, die lange fehlten, sicher noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind, siehe Raffael vor einer Woche in Mainz).

Es geht darum, etwas anzubieten, wie im letzten Heimspiel gegen Hoffenheim (3:3). Dem aber folgte der enttäuschende Auftritt in Mainz, der gar nichts von der erhofften Aufbruchstimmung hatte. So gab es erneut ein nicht eingehaltenes Versprechen. Die Borussen müssen es sich verdienen, trotzig sein zu dürfen. "Wir wollen das Maximale herausholen aus den sechs Spielen", sagte Hecking. Das sollte ein guter Eindruck sein, gepaart mindestens mit einem einstelligen Tabellenplatz.