Porträt Sie leben für den Handball

Prüm · Rudi und Ute Engel haben ihre große Begeisterung für den Handball auf ihre beiden Kinder Patrick und Fredericke übertragen. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Prümer Familie in ihrem Sport schon einiges erreicht. Sogar einen internationalen Titel gab es schon.

 Ute und Rudi Engel (im großen Bild) sowie ihre Kinder Patrick und Fredericke eint, dass sie ihre Handball-Laufbahn beim Ski-Klub Prüm begonnen haben. Mittlerweile haben sie aber auch bei einigen weiteren Vereinen ihre Spuren hinterlassen.

Ute und Rudi Engel (im großen Bild) sowie ihre Kinder Patrick und Fredericke eint, dass sie ihre Handball-Laufbahn beim Ski-Klub Prüm begonnen haben. Mittlerweile haben sie aber auch bei einigen weiteren Vereinen ihre Spuren hinterlassen.

Foto: Ute und Rudi Engel

Vater Rudi (64) begann seine Handballlaufbahn als 15-Jähriger beim Ski-Klub (SK) Prüm, schaffte es mit der Mannschaft in der „Blütezeit des Prümer Handballs“ (O-Ton Engel) in den 1980er Jahren bis in die Oberliga und begann bereits als 24-jähriger seine Laufbahn als Übungsleiter. Nach Abschluss seines Studiums im südpfälzischen Edenkoben übernahm der heutige Leiter der Geschäftsstelle Prüm des Finanzamtes Bitburg-Prüm seine ersten Traineraufgaben, erwarb mit 28 Jahren die B-Lizenz und war dann eine gefühlte Ewigkeit für die Herrenmannschaft des Ski-Klubs in der Abteistadt verantwortlich. Unterbrochen wurde die Prümer Zeit von einem dreijährigen Gastspiel in Neuerburg (1998 bis 2001). Seit 2001 war er wieder für die Geschicke der  Prümer Mannschaft verantwortlich. Zugleich trainierte Engel bis 2013 einige Jugendmannschaften seines Vereins.

Dann wechselten Vater und Sohn nach Bitburg. Anlass war die Qualifikation des TV Bitburg für die RPS- Oberliga der B-Junioren. Dieses Projekt hatte aber keine Zukunft, und somit stand 2014 ein gravierender Einschnitt im Handballleben der Familie Engel an: Filius Patrick wechselte zur Turnerschaft Bendorf an den Rhein, Vater und Tochter schlossen sich dem TV Arzheim/Moselweiß an.

In den Koblenzer Stadtteilen stand Rudi Engel von 2014 bis ‘19 unter Vertrag, coachte dort von der C-J bis zur A-Jugend-Oberliga. Ab der Spielzeit 2019/20 stieg Engel dann bei den Herren des TV Bitburg ein, belegte in der ersten, von Corona geprägten Saison den dritten Platz in der Rheinlandliga. „Es hat sich leider nicht so entwickelt, wie wir uns das alle vorgestellt haben“, begründete Engel damals die Entscheidung, in der Bierstadt aufzuhören. Hier endet auch zunächst die Vereinstätigkeit des Handballcoachs, der aber weiterhin seiner Trainertätigkeit in den Verbänden mit großen Enthusiasmus nachgeht:

Ab 2008 war er als Basis-Stützpunkttrainer und ab 2011 als Verbands-Stützpunkttrainer Mosel/Eifel und Hunsrück/Nahe verantwortlich. 2013 übernahm Engel dann die Funktion des Jahrgangstrainers und wurde 2015 Verbandstrainer der männlichen Jugend im Handballverband Rheinland. Seit dieser  Zeit gehört Engel auch zum Präsidium der Handball-Landesarbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. „Es war schwierig, in dieser Zeit Beruf, Familie und den Handball unter einen Hut zu bekommen. Das hing und hängt auch heute noch mit den großen Entfernungen zusammen. Viele Lehrgänge und Trainingseinheiten spielen sich in Koblenz, Mainz und in der Pfalz ab“, berichtet Engel.

Seit vergangenem Jahr haben sich die Strukturen auf Rheinland-Pfalz-Ebene professionalisiert. „Wir haben mittlerweile zwei hauptamtliche Trainer.  Damit sind aber Trainingshäufigkeit und -umfang noch größer geworden. Es bleibt weiterhin für mich ein zeitintensives Geschäft“, sagt der Prümer.  Ein Hoffnungsschimmer für die Region sei das Landesleistungszentrum in Wittlich: „Das muss jetzt mit Leben gefüllt werden, zumal voraussichtlich ab 2023/24 die Vereinigung der Verbände Rheinland, Pfalz und Rheinhessen kommt. Bis dahin gilt es, entsprechende Strukturen aufzubauen, um Einbrüche zu vermeiden.“

Seine Ehefrau Ute (56) spielte ebenfalls in der Jugend und im Seniorenbereich für den SK Prüm, hatte früh einen Faible für das Training mit den Allerkleinsten und übernahm so 2003 die Minis und E-Jugend des Eifel-Vereins. Ab 2007 wurde die Nachwuchsgewinnung durch die Kooperation Schule/Verein stark forciert. Sie setzt sich auch besonders dafür ein, dass der SK Prüm weiterhin möglichst viele Mannschaften aufbieten kann. Auch auf Funktionärsebene ist sie engagiert. Die gelernte Bankkaufrau ist seit Schatzmeisterin des Vereins RLP-Handball.

Kein Wunder, dass den Kindern der Engels die Liebe zum Handball in die Wiege gelegt wurde: Sohn Patrick (24) fing als Sechsjähriger mit dem Handballspielen an, spielte bis zum Ende der C-Jugend-Zeit in Prüm und wurde bereits damals in die Rheinlandauswahl berufen. Dann wechselte er nach Bitburg, spielte ein Jahr in der Oberliga B-Jugend, um anschließend nach Bendorf in die Jugend-Oberliga zu wechseln. In dieser Zeit erfolgte auch die Berufung in die Rheinland-Pfalz-Auswahl. Später schloss sich Engel junior dem TV Bitburg an und spielte hier in der RPS-Oberliga und Rheinlandliga. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er Inhaber der C-Lizenz, wurde Stützpunkttrainer des Handballverbands Rheinland. 2018 leistete er seinen Bundesfreiwilligendienst beim Deutschen Handballbund in Dortmund ab, begann dann sein Sportstudium an der Sporthochschule Köln. Im vergangenen Jahr ging Patrick Engel zu Düren 99 und übernahm dort nach sechs Spieltagen das Amt des Spielertrainers in der Oberliga Mittelrhein. In der Saison 21/22 war er zudem noch Jugendtrainer beim Longericher HC und ist seit März Inhaber der B-Lizenz. Seit Juli 2022 steht er als Co-Trainer der Bundesliga-A-Jugend und der U23 von Bayer Dormagen unter Vertrag.

Die 21-jährige Fredericke wiederum spielte wechselte nach ihrer Prümer Zeit zum TV Arzheim-Moselweiß in die Oberliga C-Jugend und spielte dort bis einschließlich A-Jugend. Während dieser Zeit nahm die Auswahlspielerin auch an DHB-Sichtungslehrgängen teil. Mit 17 Jahren wechselte sie zur HSG Wittlich in die Oberliga und stieg mit der Mannschaft in die 3. Liga auf.

Seit 2018 ist sie Stützpunkttrainerin und trainierte von 2018 bis ‘20 die D-Jugend in Prüm. Nach dem Abitur vor gut zwei Jahren am Regino-Gymnasium in Prüm begann sie ihr Sport- und Biologiestudium in Köln. Studienbedingt wechselte sie 2021 von der HSG Wittlich zum 1. FC Köln und spielt dort derzeit in der 3. Liga. Im vergangenen Jahr nahm sie zudem am Qualifikationsturnier zur Europameisterschaft der Hochschulen in Hamburg teil und wurde mit der deutschen Mannschaft Sieger. Vor wenigen Wochen war sie ebenfalls Teilnehmerin an den Europameisterschaften der Hochschulen im polnischen Lodz und belegte hier mit dem Team den fünften Platz. 

„Die Fahrten unserer Kinder in den Jugendklassen in den Koblenzer Raum waren schon zeitaufwändig. Bis zu 60.000 Kilometer haben meine Frau und ich runtergespult, um die Kids zu ihren dreimal wöchentlichen Trainingseinheiten und Spielen zu chauffieren. Dazu kamen noch die Sichtungen auf Rheinland-Pfalz-Ebene“, sagt Rudi Engel. Doch die langen Fahrten hatten auch Positives mit sich gebracht: „Auf der 120 Kilometer langen Fahrt nach Koblenz haben wir sicher mehr von den Kindern erfahren, als dies im ‚normalen‘ Tagesablauf der Fall gewesen wäre.“ Alles habe man in dieser Zeit dem Handball untergeordnet. „Doch das haben wir gerne getan“, betont Engel. Seine Frau und er seien stolz darauf, was die Kinder erreicht hätten. Wichtig sei ihm immer gewesen, dass die Kinder „alles freiwillig auf sich nehmen und Spaß am Sport haben. Hätte uns eines unserer Kinder signalisiert, dass die Lust nicht mehr vorhanden ist, hätten wir das Ganze sofort beendet. Doch das war nie der Fall.“

 Fredericke Engel

Fredericke Engel

Foto: Fredericke Engel
 Patrick Engel

Patrick Engel

Foto: Patrick Engel

In zwei Jahren geht Engel in den Ruhestand. Dann endet das Berufsleben. Doch der „Handballfanatiker“, Trainer und Funktionär will seinem Sport darüber hinaus noch lange erhalten bleiben.

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