| 20:16 Uhr

Düsseldorf zu Gast in Stuttgart
Als Jürgen Klinsmann die Fortuna abschoss

Jürgen Klinsmann verlässt nach seiner Gala-Vorstellung gegen Fortuna zufrieden den Platz.
Jürgen Klinsmann verlässt nach seiner Gala-Vorstellung gegen Fortuna zufrieden den Platz. FOTO: Imago / Sven Simon
Am Freitagabend gastiert Fortuna in Stuttgart. Der VfB brachte ihr 1986 die bis heute höchste Heimniederlage ihrer Bundesligageschichte bei – 0:7. Mann des Spiels: der 21-jährige Jürgen Klinsmann. Von Bernd Jolitz

Das Hochstemmen des Weltmeisterpokals war für Jürgen Klinsmann damals noch reine Utopie, seine Zeit bei Inter Mailand Zukunftsmusik und das Sommermärchen von 2006, dem er als Bundestrainer vorstand, nicht einmal ein Gedankenspiel. Der Kalender zeigte den 15. März 1986 an, und „Klinsi“ war noch der charmant lächelnde Bäckersbub aus dem schwäbischen Geislingen, der erst 18 Monate zuvor sein Bundesligadebüt für den großen Klub der Region, den VfB Stuttgart, gegeben hatte.

21 Jahre alt war Klinsmann erst, als er der Düsseldorfer Fortuna die bis heute schwärzeste Stunde ihrer Bundesligageschichte bescherte. 7:0 gewannen die Schwaben an jenem ungemütlichen Märznachmittag im noch ungemütlicheren Rheinstadion, das mit 15.000 Zuschauern äußerst spärlich gefüllt war. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Mannschaft des damaligen Trainers Dieter Brei nur eine Woche zuvor beim heutigen deutschen Rekordmeister FC Bayern München mit 3:2 gewonnen hatte. Doch es waren andere Zeiten und andere Stadien damals, die Bundesliga noch nicht das strahlende Premiumprodukt, als als das sie sich heute fühlt.

Klinsmann freilich strahlte trotz Sprühregen und eisigem Wind, denn der spätere Nationalstürmer – der freilich erst 21 Monate später in Brasilien im DFB-Team debütierte – erzielte fünf Treffer gegen Fortunas Torhüter Jörg Schmadtke. Brei wechselte im Verlauf der Partie in Dietmar Grabotin und Günter Kuczinski zwei Abwehrspieler aus, doch der Blondschopf des VfB war von niemandem zu stoppen.

Das erste Tor des Tages überließ Klinsmann allerdings seinem Stürmerkollegen Michael Spies (15.), ehe er neun Minuten vor der Pause auf 2:0 erhöhte und dann zwischen der 47. und der 78. Minute vier weitere Treffer nachlegte. Karl Allgöwer rundete das Geschehen mit dem 7:0 in der 87. Minute ab. Kuriosität am Rande: Bereits das Hinspiel im Neckarstadion hatte der VfB 5:0 gewonnen – seinerzeit ohne Klinsmann-Tor. Am Saisonende retteten sich die Düsseldorfer mit Ach und Krach als Vierzehnte vor der Relegation, stiegen dafür ein Jahr später ab.

Doch ehe nun Fortunas aktuelle Truppe angesichts ihrer Freitag-Aufgabe beim VfB (20.30 Uhr) gänzlich den Mut verliert, sei an das Jahr 1996 erinnert. Da gastierte die unter Aleksandar Ristic aus der Drittklassigkeit zurückgekehrte Fortuna saisonübergreifend zweimal beim VfB und entführte beide Male die Punkte. Als besonders wertvoll erwies sich dabei der 3:2-Erfolg im Mai mit einem Doppelpack von Richard Cyron und dem dazwischenliegenden Treffer von Thorsten Judt, denn Ristics Aufsteiger-Truppe erreichte nicht zuletzt dank dieser wichtigen Punkte als Dreizehnter den Klassenerhalt.

Der zweite Auftritt 1996 in der schwäbischen Landeshauptstadt war ähnlich erfolgreich und für einen spektakulären Zugang Fortunas ein persönlicher Triumphzug. Der Ukrainer Sergej Juran erzielte in der 86. und 89. Minute beide Tore zum 2:0-Sieg beim VfB, was den Abstieg am Saisonende dennoch nicht verhindern konnte. Juran verstand sich zwar im weiteren Saisonverlauf bestens mit seinem russischen Kumpel Igor Dobrovolski, doch kamen beide nur noch sporadisch an ihre sportliche Leistungsgrenze heran.

Der Paradiesvogel aus Luhansk traf nur noch dreimal für Fortuna und kehrte Düsseldorf anschließend den Rücken. Ein kurzes Wiedersehen gab es noch einmal in einem Trainingslager, das Fortuna im türkischen Belek bezogen hatte. Juran war als Trainer von Lokomotive Astana ebenfalls dort – und stand im schneeweißen Jogginganzug an der Seitenlinie.