| 19:39 Uhr

Funkel will die positive Stimmung erhalten
Fortunas Vorsprung schrumpft

Der stark abstiegsbedrohte 1. FC Heidenheim ist beim 3:1-Sieg willensstärker und leidenschaftlicher als der schwache Spitzenreiter der 2. Bundesliga. Die Düsseldorfer liegen nur noch vier Punkte vor dem Drittplatzierten Kiel. Patrick Scherer

Der stark abstiegsbedrohte 1. FC Heidenheim ist beim 3:1-Sieg willensstärker und leidenschaftlicher als der schwache Spitzenreiter der 2. Bundesliga. Die Düsseldorfer liegen nur noch vier Punkte vor dem Drittplatzierten Kiel.

Rouwen Hennings stapfte wütend in die Kabine. Der Stürmer von Fortuna Düsseldorf diente als Sinnbild einer sportlichen Krise. Hennings hätte Fortuna Düsseldorf in Führung schießen können, oder besser: müssen. Aber er schoss freistehend daneben. In der entscheidenden Phase im Kampf um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga fehlt Fortuna die nötige Kaltschnäuzigkeit – und in Teilen auch der Wille. Nach dem 1:3 (0:1) beim stark abstiegsbedrohten 1. FC Heidenheim, der dritten Niederlage in Folge, ist der einst komfortable Zehn-Punkte-Vorsprung auf den Relegationsplatz auf vier Zähler geschrumpft. "Wir haben die defensive Stabilität verloren", analysierte Fortunas Trainer Friedhelm Funkel. "Trotzdem freue ich mich richtig auf die letzten vier Spiele."

Funkel will mit aller Macht die positive Stimmung erhalten. Heidenheims Trainer Frank Schmidt lobte die Körpersprache seiner Mannschaft. Auch Funkel bekundete, er habe am Auftreten seiner Elf nichts auszusetzen. Während man geneigt war, Schmidt vorbehaltlos zu folgen, sah das bei Funkels Aussage anders aus. Besonders in der ersten Halbzeit kauften die Hausherren den Düsseldorfern mit geschicktem Zweikampfverhalten und guter Organisation im Defensivverbund den Schneid ab.

Nach 20 Minuten stand es dann auch 0:1 aus Sicht der Fortuna. Florian Neuhaus ließ Niko Gießelmann auf der linken Abwehrseite allein, Marc Schnatterer flankte in die Mitte, und Robin Bormuth schoss Marcel Sobottka an. Der Ball rollte dem Heidenheimer Nikola Dovedan vor die Füße, der nur noch vollenden musste. Ein halbes Eigentor. Kurz zuvor hatte Takashi Usami die Gelegenheit gehabt, Düsseldorf in Führung zu bringen. Der Japaner zirkelte den Ball aber aus 18 Metern am Pfosten vorbei. Bei der herausragenden Schusstechnik Usamis ist davon auszugehen, dass er sieben von zehn solcher Versuche im Tor unterbringt. Funkel erhöhte später bei der Chance von Hennings sogar: "Den macht Rouwen in neun von zehn Fällen rein." Genki Haraguchi hatte den Ball dem Torjäger mustergültig serviert. Doch Hennings schob das Spielgerät am Pfosten vorbei. Es wäre das 2:1 gewesen und vielmehr noch: Es wäre womöglich die Wende im Spiel gewesen.

Fortuna kam besser aus der Pause

Denn Fortuna zeigte nach dem Seitenwechsel zunächst eine merkliche Steigerung. Die dritte Großchance innerhalb von nur fünf Minuten nutzte Usami zum Ausgleich. Diesmal schlenzte er den Ball sehenswert in den Winkel. "Eigentlich sind wir dann am Drücker. Doch dann gibt es einen Genickschlag nur fünf Minuten später", erklärte Niko Gießelmann.

In der Tat war das 2:1 der Heidenheimer ein Wirkungstreffer. Der völlig indisponierte Jean Zimmer ließ sich über seine rechte Seite vorführen. Maximilian Thiel flankte in die Mitte, und Dovedan köpfte völlig alleingelassen ein. Fortuna versuchte es noch einmal mit mehr oder minder halbherzig vorgetragenen Angriffen, doch als der eingewechselte Kevin Lankford die Defensive allein schwindlig spielte und Kevin Kraus volley zum 3:1 ins Tor traf, war die Niederlage besiegelt.

Dass die Stamm-Innenverteidigung sowie Kapitän Oliver Fink fehlten, wollte Stellvertreter Adam Bodzek nicht als Ausrede verstanden wissen: "Das ist doch alles Quatsch. Wir reden die ganze Saison davon, dass wir einen breiten Kader haben, dann muss das auch in dieser Besetzung funktionieren." Warum es das nicht tat, konnte er auch nicht erklären: "Es ist schwierig zu sagen. Wir müssen vorne einfach die Dinger reinhauen und hinten wieder besser stehen." Klingt simpel.

Damit muss Fortuna dringend am nächsten Sonntag gegen den FC Ingolstadt (13.30 Uhr) wieder beginnen. Zumindest, wenn der Aufstieg in die Bundesliga Realität werden soll. Gestern jedoch blieben alle Protagonisten bei der offiziellen Sprachregelung: Platz eins bis sechs wäre ein voller Erfolg.