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Fortuna-Stürmer in der Kritik
Lukebakio bringt alle gegen sich auf

Ringkampf um den Ball: Fortunas Dodi Lukebakio zwischen den Bremern Theodor Gebre Selassie (links) und Davy Klaassen.
Ringkampf um den Ball: Fortunas Dodi Lukebakio zwischen den Bremern Theodor Gebre Selassie (links) und Davy Klaassen. FOTO: Christof Wolff
Fortunas Trainer Friedhelm Funkel ärgert sich in Bremen nicht nur über das 1:3. Das Verhalten seines Stürmers bringt ihn auf die Palme. Von Bernd Jolitz

Friedhelm Funkel hat wegen Fortunas prekärer Lage am Tabellenende der Fußball-Bundesliga Sorgen genug. Umso stärker verhagelte es dem Cheftrainer die Laune, dass er sich am Freitagabend nicht nur um die sportlichen Aspekte der 1:3-Niederlage beim SV Werder Bremen kümmern, sondern auch noch den Kindergärtner spielen musste. „So was geht nicht“, kommentierte Funkel mit Blick auf seinen Angreifer Dodi Lukebakio. „Wir werden ernste Worte mit ihm reden. Nach dem 1:1 muss er den Ball rausrücken, was ist das denn für eine Aktion?“

Funkel, der am Montag 65 Jahre alt wird, ärgerte sich mächtig über das Auftreten des jungen Belgiers, insbesondere nach dessen Ausgleichstreffer. Kurz vor der Pause hatte der 21-Jährige einen Handelfmeter zum 1:1 verwandelt und sich anschließend den Ball geschnappt. Das folgende kurze Gerangel mit Werder-Torhüter Jiri Pavlenka ging ja noch als branchenüblich durch. Dann jedoch liefen die Bremer Spieler Davy Klaassen und Theodor Gebre Selassie auf Lukebakio zu – und in der Folge wurde es richtig munter. Klaassen und Gebre Selassie versuchten, dem Belgier den Ball abzunehmen, dieser klemmte ihn sich im Stile eines Rugbyspielers unter den Arm und lief davon. Dem Bremer Publikum gefiel das ebenso wenig wie den Spielern, und schon war ein zünftiges Handgemenge im Gange.

Für einen alten Sportsmann wie Funkel ein absolutes Unding. „So etwas hat nichts mit Fußball zu tun“, schimpfte der Coach. „Damit provoziert er Gegner, Zuschauer und Schiedsrichter. Das werde ich ihm nicht durchgehen lassen. Er ist ein junger Spieler, der viel zu sehr gehyped wird und noch vieles lernen muss, unter anderem, dass man sich auf dem Platz ganz anders verhalten muss.“

Sein Urteil fiel umso schärfer aus, da er am Freitag auch noch einige weitere Verhaltensweisen Lukebakios mitansehen musste, die ihm keinen Spaß bereiteten, auch wenn Funkel auf diese Mätzchen des Youngsters nicht konkret einging. Aber auch viele Fans haderten mit den ständigen Sturzeinlagen Lukebakios, die längst nicht immer auf Bremer Fouls zurückzuführen waren. Mehrfach blieb er auf dem Rasen sitzen und lamentierte mit großen Gesten, statt sich schnell um den verlorenen Ball zu kümmern.

Vollends auf die Palme brachte das Publikum im Weserstadion die Szene, als sich die Leihgabe des FC Watford lange am Boden hin und her wälzte – um dann übergangslos aufzuspringen und loszusprinten wie ein junges Reh.

Funkel will solche Aktionen nicht länger akzeptieren. „Auch Mitspieler haben sich mit Dodi schon im Guten darüber unterhalten“, berichtete der Trainer. Auf die Nachfrage, wie der Angreifer derlei Anmerkungen von Coach und Kollegen annehme, sagte Funkel: „Er muss für Kritik empfänglicher werden.“ So viel scheint klar: Akzeptiert Lukebakio die Kritik nicht, drohen bei allem Talent Ersatzbank oder gar Tribüne.