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Zweifelhafter Platzverweis gegen Bochum
Ayhan kritisiert Schiedsrichter Zwayer scharf

Düsseldorf. Der Abwehrchef und sein Bochumer Kontrahent Thomas Eisfeld halten ihre Platzverweise bei der Düsseldorfer 1:2-Niederlage für völlig überzogen. "Eine blöde Aktion des Schiedsrichters", poltert Ayhan, der nun beim Spiel in Heidenheim gesperrt ist. Bernd Jolitz

Einträchtig stehen Fortunas Kaan Ayhan und der Bochumer Thomas Eisfeld in der Interviewzone der Arena nebeneinander und sehen sich auf dem Fernsehschirm die letzten Minuten des Zweitliga-Duells ihrer Teams an. So ganz selbstverständlich ist das nicht, denn kurz zuvor hat Schiedsrichter Felix Zwayer beiden die Gelb-Rote Karte gezeigt, weil sie seiner Meinung nach zu hart aneinandergeraten waren. Das freilich sehen Ayhan und Eisfeld ganz anders und geben deshalb nach dem 2:1-Sieg des VfL beim Spitzenreiter ganz ähnliche Kommentare zu Protokoll.

"Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl muss man beide Gelb-Rote Karten nicht zeigen", sagt Eisfeld, der mit seinem sehenswerten Distanzschuss zum 0:1 die Heimniederlage der Düsseldorfer eingeleitet hatte. Ayhan geht noch deutlich weiter. "Wenn wir Schiedsrichter haben, die zurückschreien, arrogant sind und von den Spielern erwarten, dass sie nichts sagen, dann weiß ich nicht, wo wir hinwollen mit dem Fußball", poltert Fortunas Abwehrchef. "Das ist hier ein Derby, und Emotionen gehören dazu. Thomas und ich sind uns nicht an die Köppe und auch verbal nicht unter die Gürtellinie gegangen. Es war eine blöde Aktion vom Schiedsrichter."

Sonderlich schlau war es natürlich auch nicht, was Eisfeld und Ayhan in der 88. Minute abgezogen hatten. Nach einem Allerwelts-Zweikampf lieferten die beiden sich ein gestenreiches Wortgefecht, dessen näheren Inhalt freilich nur die Duellanten und die unmittelbar Umstehenden mitbekamen. "Aber es ist alles im Rahmen geblieben", berichtete Ayhan fast beschwörend. "Ich weiß doch um meine Vergangenheit (Ayhan wurde früher bereits wegen allzu heftiger Proteste gesperrt, d. Red.) und habe darauf geachtet, was ich sage." Zwayer war es offenbar doch zu viel. Der Berliner, dem viele ohnehin einen Hang zur großen Geste nachsagen, nutzte die Szene für seinen ganz persönlichen Auftritt mit vier Karten innerhalb weniger Sekunden.

Die Reaktion der übrigen Akteure fiel unterschiedlich aus. "Ich möchte es mal so sagen: Das war eine sehr, sehr unnötige Gelb-Rote Karte", sagte Fortunas Torschütze Rouwen Hennings und warf dabei dem in der Interviewzone neben ihm stehenden Ayhan einen kurzen Blick zu. Trainer Friedhelm Funkel positionierte sich eindeutiger. "Ich habe die Szene nicht komplett mitbekommen, aber vom Gefühl her waren die Platzverweise ein Stück weit überzogen", erklärte der 64-Jährige. "Von so einem erfahrenen Schiedsrichter, der immer der zweitbeste deutsche Unparteiische sein will, hätte ich mehr Fingerspitzengefühl erwartet."

Ayhan, der nun beim nächsten Auftritt der Düsseldorfer am kommenden Sonntag in Heidenheim gesperrt ist, hatte den Kaffee jedenfalls restlos auf. "Alle reden immer davon, dass dem Fußball die Typen fehlen, dass die Profis alle stromlinienförmig seien", sagte der 23-Jährige. "Und wenn dann einmal ganz normale Emotionen ins Spiel kommen, passiert so etwas."