Im Niemandsland

Mit einer Niederlage hat sich Zweitligist 1. FC Kaiserslautern aus dem Jahr 2016 verabschiedet. Das 1:2 im Montag-Spiel des Unterhauses beim 1. FC Nürnberg war in vielerlei Hinsicht ein Spiegelbild der bisherigen Saison. Erst agierte der FCK abwartend, handelte dann zu spät, um schließlich mit vergebenen Chancen zu hadern.

Nürnberg/Kaiserslautern. Zum Ende eines turbulenten Fußball-Jahres mit zahlreichen personellen Wechseln in entscheidenden Positionen findet sich der 1. FC Kaiserslautern im Niemandsland der Tabelle wieder. Platz 13 mit 19 Punkten und ein Vorsprung von fünf Zählern auf den Relegations-Rang sind indes kein Ruhepolster bis zum ersten Spiel im neuen Jahr (30. Januar bei Hannover 96).
Folglich beschäftigen sich Vorstand, Trainer, Mannschaft und Anhänger mit der Sinnfrage: Ist das Glas halb voll oder ist es halb leer? Lässt das Zwischenhoch von sieben ungeschlagenen Spielen in Folge auf Besserung in der unmittelbaren Zukunft hoffen? Oder wird die in mühseliger Detailarbeit neu zusammengefügte Ordnung auf dem Platz in biederer Erwartungshaltung eher vor sich hindilettieren? So wie lange zu Beginn der Spielzeit 2016/2017?
"Wir können nicht immer ,zu null' spielen. Irgendwann kassieren wir auch mal ein Gegentor. Wir müssen unsere Dinger auch mal reinmachen", hatte der vielfach verwendbare Marcel Gaus nach drei gruseligen 0:0-Unentschieden gegen Kellerteams gefordert.
Nur elf Tore in 17 Spielen bilden Lauterns Kernproblem. Unvermögen in der oft nur nominell vorhandenen FCK-Offensive wird durch Stabilität im Defensiv-Verbund kaschiert. Die beiden Aufsteiger der Hinrunde, Torwart Julian Pollersbeck und der Ex-Trierer Robin Koch an der Seite des Brasilianers Ewer ton, stehen mit Robustheit, Ruhe, aber auch gutem Auge und Klarsicht für die tugendhaften Aspekte am Betzenberg.
Personelle Nachbesserungen in der Winterpause, in der Vergangenheit bei den Roten Teufeln oft mit Hektik, alibibehafteten Panik-Aktionen und etlichen Fehleinkäufen verbunden, dürften sich für dieses Mal erledigt haben. Auf der Krankenstation warten mit Kacper Przybylko, Mensur Mujdza und Sebastian Kerk gestandene Profis, die zu Saisonbeginn als Gerüst-Träger des neu zu errichtenden Fundamentes angesehen wurden.
"Ich möchte Entwicklungen sehen, aber zurzeit treten wir viel zu viel auf der Stelle": Das Fazit von FCK-Trainer Tayfun Korkut, der für neue Transparenz in der Arbeit der sportlichen Leitung steht, weist auf ein Dilemma im Kaders hin: Oft holte er das Maximale heraus, oft scheiterte er aber auch am eigenen Minimalismus. Die FCK-Fans werden Leistungs-Turbulenzen und Mittelmaß im weiteren Verlauf dieser Saison akzeptieren müssen.
1. FC Nürnberg — 1. FC Kaiserslautern 2:1 (0:0)
FCN: Kirschbaum — Brecko, Margreitter, Bulthuis, Sepsi — Behrens, Petrak — T. Kempe, Möhwald (67. Teuchert), Burgstaller (90.+4 Mühl) — Matavz (87. Gislason)
1. FC Kaiserslautern: Pollersbeck — Mwene, R. Koch, Ewerton (62. Heubach), Gaus — C. Moritz, Ring (74. Dittgen) — Görtler, Z. Stieber (87. Halfar) — Osawe, Zoua
Tore: 1:0 Behrens (51.), 1:1 Zoua (78.), 2:1 Burgstaller (90.)
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: 24 406