In den Fußspuren des Vaters

Zwei Tage nach Unterzeichnung seines ersten Profi-Vertrages stand Robin Koch am Samstag bereits in der Startelf des 1. FC Kaiserslautern. Dem ehemaligen Spieler von Eintracht Trier stehen wohl die Türen im Profifußball offen. Meinen jedenfalls viele, die etwas von der Materie verstehen.

Kaiserslautern. Es war einer jener Tage der Kategorie "Einrahmen fürs Leben und nie mehr vergessen". Am Freitag unterschrieb Robin Koch (Foto: FCK), der im Sommer vergangenen Jahres von der Eintracht zur U 23 des Pfälzer Zweitligisten wechselte, seinen ersten Profivertrag in Kaiserslautern. Datiert bis zum 30. Juni 2019. Zwei Tage später stand der 20-Jährige in der Startelf der Roten Teufel beim Zweitligaspiel gegen Arminia Bielefeld (0:0). Schnell ging das, sehr schnell. Aber anscheinend nicht zu schnell für den 1,90 Meter großen Innenverteidiger. "Am Samstagabend nach dem Essen im Teamhotel habe ich erfahren, dass ich spiele. Aber ich habe trotzdem gut geschlafen", erzählte er unserer Zeitung nach der Partie gegen die Ostwestfalen. Man glaubt es dem Schlaks gerne, dass der in solchen Fällen oft strapazierte Satz vom "Traum, der für mich in Erfüllung gegangen ist", mehr als nur eine Floskel für ihn ist. In Kaiserslautern geboren und aufgewachsen, bei den Bambini der Lauterer zum ersten Male die Fußballschuhe geschnürt. Als die Eltern umzogen, Vater Harry nach der Karriere beim FCK vor gut 13 Jahren zum damaligen Zweitligisten Eintracht Trier stieß, hießen Robins nächste Stationen SV Dörbach und Eintracht Trier. Vom elterlichen Wohnzimmer konnte er auf den Dörbacher Sportplatz am Waldrand schauen. Dass ihm die fußballerischen Gene des Vaters in die Wiege gelegt worden waren, wurde sehr schnell klar. Im vergangenen Jahr folgte die sportliche Rolle rückwärts zu seinem allerersten Verein. "Ich hatte ihn gleich auf dem Schirm, als ich ihn zum ersten Mal sah und mich mit ihm beschäftigte", urteilt sein Trainer Tayfun Korkut über den jungen Mann, der den etatmäßigen Innenverteidiger Stipe Vucur vorerst aus dem Kader verdrängt hat. "Robin ist einer, der den FCK im Herzen trägt. Und er hat das Zeug dazu, das Talent und den Willen, jeden Tag besser zu werden. Ich hoffe, dass war heute sein erster Schritt auf einem sehr langen Weg für ihn", sagt Korkut. "Dass die Mitspieler mir das Vertrauen gegeben haben, war sehr wichtig für mich", resümierte Robin nach dem ersten Profispiel seiner Laufbahn.
Immerhin habe man kein Gegentor bekommen, und er sei froh, dazu beigetragen zu haben. "Natürlich wäre es noch schöner gewesen, das Debüt mit einem Sieg zu beenden." Aber das Gefühl, nach der Partie zu den Fans in der Westkurve zu gehen, das "war schon etwas ganz Tolles für mich". Eine kurze, aber sehr treffende Analyse von Robin Kochs erstem Profi-Pflichtspiel kam von Tim Heubach, mit dem zusammen Koch am Sonntag die Lauterer Innenverteidigung bildete: "Dass wir heute zu null gespielt haben, ist auch eine Auszeichnung für ihn." Der Nachname Koch "zieht" offenbar immer noch bei den Lauterer Hardcore-Fans. Schon bei der Bekanntgabe der Aufstellung von Stadionsprecher Horst Schömbs gab es Riesenbeifall.
Ob es Robin selbst nervt, wenn er immer wieder in einem Atemzug mit Vater Harry, der in der "Palz" Kultstatus genießt, genannt wird? "Nein, das nicht. Er hält sich da auch völlig raus, er ist nicht aufdringlich mit seinen Tipps. Aber wenn ich seinen Rat brauche und haben will, dann ist er immer für mich da." Und deshalb war Harry Koch, mit dem FCK Pokalsieger 1996 und Deutscher Meister 1998, auch am Sonntag im Stadion. Unauffällig, aber wahrscheinlich mächtig stolz auf den Junior. Einer, der irgendwann problemlos in die großen Fußspuren seines alten Herrn passen würde.

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