Kiez-Kicker setzen ihre Erfolgsserie fort

Kiez-Kicker setzen ihre Erfolgsserie fort

Das war zu wenig, 1. FC Kaiserslautern! Im Abstiegsduell gegen den FC St. Pauli unterlagen die harmlosen Roten Teufel verdient mit 1:2 (0:0).

Während die Hamburger den Klassenerhalt nach den Toren von AzIz Bouhaddouz (48.) und Christopher Buchtmann (68.) in der Tasche haben dürften, müssen die Lauterer die noch fehlenden Punkte nun in den Partien bei Erzgebirge Aue und gegen den 1. FC Nürnberg holen. Der Anschlusstreffer von Marcel Gaus (90.) kam zu spät.

Die zuletzt viermal in Serie erfolgreichen Kiez-Kicker beginnen die Partie auf dem Betzenberg sehr selbstbewusst: Ballsicher, kombinationsstark und mit direktem Passspiel spielen sie mutig nach vorne. Die Lauterer haben Glück, dass sie nicht schon früh in Rückstand geraten: Nach einem Freistoß von Sobota köpft Marc Hornschuh aus fünf Metern ein, steht dabei nach Entscheidung von Schiedsrichter Felix Zwayer aber knapp im Abseits.

Das vom leicht angeschlagenen Kapitän Daniel Halfar angeführte Team der Roten Teufel braucht etwas, um sich von dieser Schrecksekunde zu erholen. Torchancen erspielen sich aber nur die Gäste, die besonders bei Standardsituationen gefährlich sind. So segelt ein Freistoß von Buchtmann (24.) nur knapp übers FCK-Tor, vier Minuten später vergibt Bouhaddouz frei aus fünf Metern nach einem Sobota-Freistoß kläglich.

Lauterns Trainer Norbert Meier wechselt nach 40 Minuten verletzungsbedingt Christoph Moritz aus, für ihn kommt Lukas Görtler. Die Pfälzer bleiben in den ersten 45 Minuten ohne echte Torchance - sieht so Abstiegskampf aus?

Nach der Pause präsentiert sich die Meier-Elf zunächst agiler und hat gleich in der 46. Minute ihre erste Gelegenheit: Marcel Gaus scheitert mit seinem Volleyschuss aus acht Metern aber an St.-Pauli-Keeper Heerwagen. Die kalte Dusche erhalten die Roten Teufel in der 48. Minute, als Bouhaddouz eine Flanke von Hornschuh zur 1:0-Führung für die Gäste einköpft - sein 15. Saisontreffer.

Sobiech mit dem Kopf (58.) verpasst die Vorentscheidung für St. Pauli, als Mwene ebenfalls per Kopfball auf der Torlinie klärt. Die Lufthoheit der Hamburger nimmt drastische Ausmaße an: Nach einem Freistoß hat erneut Bouhaddouz (60.) das 2:0 auf dem Kopf, vergibt aber frei aus fünf Metern.

Und die Lauterer? Sie versuchen nach dem Rückstand dagegenzuhalten, sind aber im Abschluss meist zu harmlos. Zoua (54.) kommt nach einer Ecke aus fünf Metern zum Schuss, Heerwagen pariert. Den Pfälzern fehlt ohne Moritz und mit einem unauffällig agierenden Halfar die Durchschlagskraft in ihren Offensivbemühungen gegen die kompakt stehenden Gäste.

Mit einem wunderschönen Konter sorgt St. Pauli dann für die Vorentscheidung: Bouhaddouz bedient Buchtmann, der aus etwa zwölf Metern FCK-Torhüter Pollersbeck keine Chance lässt - 0:2 (68.). Lauterns Coach Meier bringt Osawe für den schwerfälligen Zoua, der von den FCK-Anhängern unter den 35781 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion ausgepfiffen wird. Heubach trifft in der 84. Minute aus 22 Metern nur den Pfosten, das Kopfballtor von Gaus zum 1:2 (90.) kommt zu spät. Die Leiden der enttäuschten Lauterer Fans im Abstiegskampf gehen weiter - vermutlich bis zum letzten Spieltag.Stimmen zum Spiel


Kaiserslautern Die Lauterer Spielen waren nach der 1:2 (0:0)-Heimniederlage in der 2. Fußball-Bundesliga gegen den FC St. Pauli enttäuscht. "Wir wollten heute schon auf Sieg spielen, aber das 0:1 fiel zu einem psychologisch schlechten Zeitpunkt", sagte FCK-Kapitän Daniel Halfar. Er versuchte aber dennoch, Optimismus zu verbreiten: "Wir sollten jetzt nicht alles schwarzmalen. Wir haben es in den nächsten zwei Spielen selbst noch in der Hand. In Aue wird es unangenehm und kampfbetont, aber wir werden versuchen das Spiel positiv anzugehen und die Punkte mitzunehmen."

FCK-Abwehrspieler Tim Heubach monierte die schlechte Zuordnung beim ersten Gegentreffer, als der kleine Philipp Mwene das Kopfballduell gegen Aziz Bouhaddouz verlor: "Das kann nicht sein. Die Niederlage heute ist total bitter: Wir hatten uns viel vorgenommen, haben es aber aus unerklärlichen Gründen nicht geschafft. Wir sind enttäuscht, aber es geht weiter, trotz der heutigen Niederlage."

Über den fünften Sieg in Serie freuten sich die Spieler des FC St. Pauli, die mit 41 Punkten den Klassenerhalt in der 2. Fußball-Bundesliga in der Tasche haben. "Die Mannschaft hat gezeigt, wozu sie in der Lage ist. Wenn man einen Lauf hat, dann läuft's", freute sich Torschütze Christopher Buchtmann. Den Führungstreffer erzielte Aziz Bouhaddouz, der sich über die "sensationelle Rückrunde" der Kiez-Kicker freute: "Kompliment an die Mannschaft, wir verdienen uns das. Ich habe immer an uns geglaubt, auch als wir ganz unten standen."

Regelrecht in einen Rausch redete sich in der Pressekonferenz St.-Pauli-Trainer Ewald Lienen, der das Spiel minutenlang analysierte. "Wir sind glücklich, dass wir hier gewinnen konnten. Es war ein superenges Spiel. Lautern hat sich in der Rückrunde gut gemacht. Wir hatten Glück, dass der Anschlusstreffer nicht schon in der 80. Minute fiel - das Stadion ist nach dem 1:2 ja explodiert. Ich mache mir keine Sorgen über Kaiserslautern und wünsche Euch viel Glück", sagte Lienen. Einen Seitenhieb auf die Hamburger Journalisten konnte er sich nicht verkneifen: "Die Journalisten haben mich schon am Mittwoch mit ihren Rechenspielen genervt, vor allem die Bild-Zeitung. Ich rechne nicht." Als dann FCK-Trainer Norbert Meier mit seinem Statement an der Reihe war, fiel Lienen in Sachen Klassenerhalt doch noch etwas ein: "Ich sehe gerade, dass morgen Düsseldorf gegen Würzburg spielt, da scheint doch etwas im Busch zu sein."

Meier ärgerte sich über die Entstehung des 0:1, nachdem Lautern gut aus der Kabine gekommen war: "Ich hatte nach dem Wechsel das Gefühl, dass wir besser ins Spiel kommen. ,Gausi' hatte ja gleich die Chance, und dann fangen wir über die rechte Seite ein Gegentor. Wir hätten den Ball wegschlagen müssen, und die Zuordnung muss besser werden. Philipp Mwene hatte im Kopfballduell gegen Bouhaddouz keine Chance. Das ist zum Teil noch jugendlicher Leichtsinn." Der FCK-Coach blickte zuversichtlich nach vorne: "Wir haben noch zwei Spiele zu spielen. Heute haben wir einen Rückschlag erlitten, wir werden das Spiel analysieren. Mehr geht nicht. Die Mannschaft hat einen guten Charakter, wir müssen weitermachen. Ich rechne nicht: Wir haben die Dinge selbst in der Hand, müssen uns auf uns selbst konzentrieren - dann werden wir es auch schaffen." Da wollte er sich auch von der bisher so schwachen Auswärtsbilanz des FCK in Aue beirren lassen: "In Karlsruhe hat sich die Bilanz ja auch gedreht." Da gewann der FCK bekanntermaßen vor einer Woche mit 3:1.

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