Rote Teufel verlieren in Unterzahl gegen Düsseldorf

2. FUSSBALL-BUNDESLIGA : Mensch, Müller!

2. Bundesliga: Kaiserslauterns Keeper kassiert Platzverweis – und das Schlusslicht verliert in Unterzahl 1:3 gegen Düsseldorf.

Das flammendste Plädoyer für den 1. FC Kaiserslautern hat nach der Partie gegen Fortuna Düsseldorf überraschend der Gäste-Trainer gehalten. Friedhelm Funkel lobte zunächst seine Mannschaft für den engagierten Auftritt  beim 3:1 (0:0)-Erfolg auf dem Betzenberg, „aber das schmälert nicht die Leistung des FCK, der bravourös gekämpft hat. Dieser Verein darf nicht aufstecken, ganz Kaiserslautern muss zusammenhalten. Der FCK ist immer noch in meinem Herzen. Es ist zwar 35 Jahre her, aber ich kenne noch viele hier wie Hans-Werner Moser, Alexander Bugera oder Gerry Ehrmann. Ich drücke dem FCK alle Daumen, er kann noch genügend Punkte holen.“

Der 64-jährige Funkel, der von 1980 bis 1983 für die Roten Teufel in der Bundesliga kickte, versuchte die Pfälzer nach der unglücklichen, aber verdienten Niederlage wieder aufzurichten. Der Tabellenletzte zeigte gegen die Fortuna eines seiner besten Saisonspiele – bis zur 61. Minute. Die Schlüsselszene der Partie war der Platzverweis für Lauterns Torhüter Marius Müller, der schon in der 50. Minute im eigenen Fünfmeterraum völlig unnötig den Düsseldorfer Kaan Ayhan zu Boden gestoßen hatte, obwohl die Aktion bereits geklärt war. Dafür sah der 24-Jährige die Gelbe Karte. Zu diesem Zeitpunkt führten die Roten Teufel durch einen von Christoph Moritz an seinem 28. Geburtstag verwandelten Foulelfmeter mit 1:0. Raman hatte Mwene gefoult.

Als alles nach dem dringend erhofften Erfolgserlebnis für die Pfälzer aussah, kam die Schlüsselszene. Ein missglückter Befreiungsschlag landete vor den Füßen von Genki Haraguchi, einem der besten Fortunen an diesem Tag. Müller attackierte den Stürmer viel zu ungestüm – Schiedsrichter Tobias Stieler zeigte dem FCK-Keeper die Gelb-Rote Karte und entschied auf Strafstoß. Den verwandelte der Gefoulte gegen der für Ruben Jenssen eingewechselten Jan-Ole Sievers selbst. „Das sind Entscheidungen, die triffst du in Hundertstelsekunden, und wir brauchen den Mut zum Risiko. Es tut mir leid für die Jungs, wir haben heute super gekämpft und es richtig gut gemacht“, sagte ein angefressener Müller, und fügte an die Journalisten hinzu: „Wenn ihr einen Sündenbock braucht, dann bitte!“

Interimstrainer Moser, der eigentlich das U-23-Team trainiert und  für den erkrankten Coach Jeff Strasser eingesprungen war, war nach dem Spiel riesig enttäuscht, „denn bis zur 60. Minute waren wir ein guter Gegner. Innerhalb weniger Sekunden ist das ganze Spiel gedreht worden.“ In Unterzahl besaßen die Lauterer zwar eine gute Kopfballchance durch Andersson (72.), doch der Druck des Spitzenreiters wurde immer größer und führte zu zwei Treffern durch Benito Raman (78.) und Lukas Schmitz (90.).

Moser wollte Müllers Platzverweis nicht bewerten: „Ich habe ihm noch gar nichts gesagt. Ich will erst sehen, ob die Szene, die zur ersten Gelben Karte führte, nötig war. Diese kleinen Geschichten entscheiden Spiele. Schade, dass wir Jeff nicht die versprochenen Punkte liefern konnten.“ Der FCK-Trainer befindet sich auf dem Weg der Besserung und verfolgte die Partie von zu Hause aus. Der 43-jährige Luxemburger wandte sich per Twitter an die Fans: „Ich möchte mich von ganzem Herzen für die vielen Genesungswünsche in den vergangenen Tagen bedanken. Ob von den unglaublichen Fans des FCK, von meinen Trainer-Kollegen, von zahlreichen Vereinen, Verantwortlichen und vielen großen Sportlern: Das hat mich wirklich sehr bewegt.“ Wer die Roten Teufel beim nächsten Spiel am Sonntag in Braunschweig coachen wird, ist noch offen. „Die Vereinbarung galt nur für das Spiel gegen Düsseldorf. Wir werden uns zusammensetzen, aber das ist alleine die Entscheidung der Vereinsführung“, sagte Hans-Werner Moser. „Ich bin von hier, bin FCK-Angestellter und will helfen – ich bin stolz, dass man auf mich zugegangen ist.“

Neuzugang Jan-Ingwer Callsen-Bracker hat die Hoffnung auf den Klassenerhalt trotz der bitteren Niederlage nicht aufgegeben. „Aufgrund der Leistung, der Moral und der Körpersprache bin ich zuversichtlich. Wir wollen noch was Riesiges schaffen“, sagte der Innenverteidiger, der als Führungsfigur überzeugte.

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